KUNST

Kunstwerk in Dinslaken ist „wirtschaftlicher Totalschaden“

Das tonnenschwere Kunstwerk „Die Sieben Säulen der Weisheit“ am Eingang der ehemaligen Jeanette Wolff-Realschule in Dinslaken kann nicht saniert und nicht versetzt werden.

Das tonnenschwere Kunstwerk „Die Sieben Säulen der Weisheit“ am Eingang der ehemaligen Jeanette Wolff-Realschule in Dinslaken kann nicht saniert und nicht versetzt werden.

Foto: Heiko Kempken

Dinslaken.   Dinslaken will die Skulptur vor der alten Realschule rekonstruieren und zum Stadtjubiläum aufstellen. Was mit dem Original geschieht, ist unklar.

„Wirtschaftlicher Totalschaden“, ist laut Stadt das Experten-Urteil über Waldemar Kuhns Skulptur „Die Sieben Säulen der Weisheit“. Das tonnenschwere Kunstwerk im Eingangsbereich der ehemaligen Jeanette-Wolff-Schule ist nicht zu sanieren und nicht zu versetzen. Das wird aber wohl nötig, wenn an der Stelle der Realschule das neue Berufskolleg des Kreises Wesel entsteht. Die Stadtverwaltung präsentiert nun eine Lösung: Die Skulptur soll mit einem 3-D-Scan gesichert und eine Rekonstruktion zum 750-jährigen Stadtjubiläum im Jahr 2023 aufgestellt werden. Was mit dem Original geschehen soll – dazu hält sich die Stadt noch bedeckt. Kann die Kunst dann weg?

Bürger sorgten sich um das Kunstwerk

Bürger hatten die Stadtverwaltung im vergangenen Jahr auf das bedrohte Werk aufmerksam gemacht. Es könne doch nicht angehen, dass die Stele zur Erinnerung an Jeanette Wolff mit großem Bahnhof eingeweiht werde, während wenige Meter weiter die Weisheit, „eines der wichtigsten Werke eines anerkannten Künstlers dieser Epoche“ zerfalle, monierte damals Ulrich Tekathen von der IG Altstadt. Den echten Waldemar Kuhn, der damals auf der Höhe seines Schaffens war, hatte sich die Stadt Dinslaken 1965 immerhin 85.000 D-Mark kosten lassen.

Das sind mögliche Lösungen

Die Stadt hat unterschiedliche Expertenmeinungen eingeholt. Danach sei eine „Sanierung am jetzigen Standort nicht möglich“. Wegen der „weiter fortschreitenden Verschlechterung des Zustandes der Skulptur“ will die Verwaltung diese zunächst durch einen 3D-Scan und entsprechende Nachbearbeitung sichern.

Um das Werk irgendwann einmal rekonstruieren zu können gebe es zwei Möglichkeiten: Das Abformen mithilfe einer Negativform, die dann mit entsprechendem Material wieder ausgeformt wird. Oder das Einscannen des gesamten Kunstwerkes, um es später CAD-gesteuert zu formen oder in Kunststoff zu fräsen. Diese Rekonstruktion könne anschließend mit einem „an die originale Oberfläche erinnernden Material“ überzogen werden, damit die neue Oberfläche dem originalen Kunstwerk möglichst nahe kommt, so die Stadt.

Stadt ist in Gesprächen mit der Tochter des Künstlers

Das Kunstwerk könne dann zum Stadtjubiläum an einem anderen Standort wieder aufgestellt werden – ob es sich dabei um eine Stelle auf dem Areal der früheren Jeanette-Wolff-Realschule handeln könne hänge vom Kreis Wesel ab, der dort das Berufskolleg plane.

Mit der Tochter des Künstlers, Salome Scholtens, die die Urheberrechte innehat, sei beides abgesprochen. Sie habe ihr schriftliches Einverständnis auch zu einer Rekonstruktion gegeben. Zum Schicksal des Originals „können wir leider noch keine Angaben machen,“ bedauert Stadtsprecher Marcel Sturm. Dazu sei die Stadt noch in Gesprächen mit der Tochter Waldemar Kuhns.

Das sind die Kosten

Die Kosten für die Erstellung des 3D-Scans und der Nachbearbeitung liegen laut Stadt bei 9500 Euro und können aus dem laufenden Haushalt gezahlt werden. Was eine spätere Rekonstruktion des Kunstwerks kosten könnte, würde die Verwaltung ermitteln, wenn die Politik sich dem Vorschlag anschließt. Dann würde auch geprüft, ob es Fördermöglichkeiten gibt.

Ausschuss diskutiert am 28. Mai

Die Politik diskutiert das Thema erstmals im Kultur- und Partnerschaftsausschuss am Dienstag, 28. Mai, 17 Uhr, im Rathaus. Dann steht auch ein Bericht zum Stadthistorischen Zentrum auf der Tagesordnung. Außerdem schlägt die Stadt vor, die Kulturförderungsrichtlinien für die musisch-kulturellen Vereinigungen und Initiativen neu zu fassen. Im November wurde beschlossen, die Zuschüsse um 1000 Euro jährlich zu erhöhen. Die Verwaltung will die Erhöhung zum Anlass nehmen, auch die Richtlinien anzupassen. Damit auch die mitgliederschwächeren Vereine von der Erhöhung profitieren, schlägt die Verwaltung vor, die Grundförderung von 51 auf 100 Euro zu erhöhen. Außerdem sollen Förderbeträge teilweise erhöht, teilweise auf glatte Beträge festgelegt werden.

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