ENTWIDMUNG

Lohberg verabschiedete sich von seiner Bergbaukirche

Zum letzten Mal zogen die Gläubigen aus der Lutherkirche in Lohberg aus. Die Grubenlampe und die Altarbibel wurden zur Erlöserkirche gebracht, Pfarrerin Kirsten-Luisa Wegmann trug die Grubenlampe

Zum letzten Mal zogen die Gläubigen aus der Lutherkirche in Lohberg aus. Die Grubenlampe und die Altarbibel wurden zur Erlöserkirche gebracht, Pfarrerin Kirsten-Luisa Wegmann trug die Grubenlampe

Foto: Gerd Hermann / FFS FUNKE Foto Services

Dinslaken  An Pfingsten wurde die Lutherkirche in Dinslaken-Lohberg in einem letzten Gottesdienst entwidmet. Ein bewegender, tränenreicher Abschied.

. Am Pfingstmontag läuteten die Glocken der Lutherkirche in Lohberg das letzte Mal zum Gottesdienst – und die Gemeindemitglieder erschienen zahlreich, um sich von ihrer Kirche zu verabschieden, die nach 65 Jahren entwidmet wurde. Ein letztes Mal erklingt die Orgel, brennen die Kerzen am Altar, erinnern sich die Gläubigen an die vielen Momente, die sie an diesem Ort erlebt haben, denn für viele war die Lutherkirche von der Konfirmation über die Trauung bis zur Taufe des eigenen Kindes ein Wegbegleiter in allen Lebenslagen. So mischte sich zwar Wehmut in den Abschiedsschmerz, doch der Gottesdienst setzte auch ein Zeichen für den Neuanfang, wie in der Predigt von Pfarrerin Kirsten-Luisa Wegmann deutlich wurde.

Geht es bergab mit der Kirche?

Sie berichtet von einer Fortbildung, bei der es um die Relevanz der Kirche in der Gesellschaft ging. Dort habe ein Schweizer Kollege festgestellt: „Wir sind auf dem Weg in die Katakomben.“ Die Kirchenaustritte häuften sich, so Wegmann, „und wir entwidmen an Pfingsten, dem Geburtsfest der Kirche, unsere Lutherkirche. Bestätigt das nicht die Untergangsszenarien der Kirche?“

„Die Jünger hatten kein Gebäude“

Ihre Antwort: Ja und Nein. Die Entwidmung der Kirche ist der letzte Schritt eines Jahre dauernden Entwicklungsprozesses. „Ja, wir haben einen Teil unserer Relevanz verloren, aber zu den Katakomben ist es noch weit“, stellte Wegmann fest und forderte dazu auf, sich keine Denkverbote aufzuerlegen. „Unsere Botschaft ist aktuell und wird gebraucht, aber sind es auch unsere Kommunikationsmittel?“

Die Sehnsucht nach dem Glauben sei groß, man dürfe keine Angst haben. Der Geist von Pfingsten lasse sich nicht mehr einfangen, die Gemeinschaft von Jesus Christus sei eine Gemeinschaft im Wandel, eine Gemeinschaft auf dem Weg. „Die Jünger hatten kein Gebäude, sie wollten nur die Botschaft Jesu weitertragen“, sagt die Pfarrerin, vielleicht sei der Weg zurück zu den Wurzeln gar nicht so schlecht.

Die Grubenlampe steht nun im Blumenviertel

Auf den Weg des Neuanfangs machte sich anschließend auch die Gemeinde. Als die Kerzen am Altar gelöscht werden, fließen bei vielen die Tränen und sichtlich bewegt ziehen die Gläubigen aus ihrer Lutherkirche aus. Ihr Weg führt sie zur benachbarten Erlöserkirche, die nun die gemeinsame Gottesdienststätte für das Blumenviertel und Lohberg ist. Dort angekommen, stellt die Pfarrerin die Grubenlampe aus der Lutherkirche ins Tauffenster und auch die Altarbibel findet in der Erlöserkirche als Zeichen der Erinnerung einen neuen Platz.

Lohberger sollen in der Erlöserkirche eine Heimat finden

Was die Zukunft bringt, weiß an diesem Pfingstmontag noch keiner so genau, aber Kirsten-Luisa Wegmann hofft, dass das Gefühl der Verbundenheit aus dem Entwidmungsgottesdienst erhalten bleibt, dass man nicht nur auf das starrt, was wegbricht, sondern auch auf das Neue und dass die Lohberger in der Erlöserkirche eine neue Heimat finden werden. Ein kleiner, erster Schritt in diese Richtung sind vielleicht die Fenster der Erlöserkirche, denn manche Szenen erinnern auch hier an den Bergbau.

Dieter Müller hat noch den Eröffnungsgottesdienst miterlebt

Nach dem Gottesdienst gab es beim Kirchencafé die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Hier sitzt auch Dieter Müller bei einer Tasse Kaffee. Als Jugendlicher hat er 1954 den Eröffnungsgottesdienst in der Lutherkirche erlebt, feierte hier unter anderem seine Konfirmation sowie die Silberne und die Goldene Hochzeit. Die schönen Erinnerungen haben ihn dazu bewogen, auch am Entwidmungsgottesdienst teilzunehmen, wenn auch mit ein wenig Wehmut. Doch trotz allem Abschiedsschmerz, hängt der Geist von Pfingsten in der Luft. Es wird weitergehen – irgendwie.

Das ist der Hintergrund

Die Gemeinde sucht seit einem halben Jahr einen Käufer für die Lutherkirche. Die Entwidmung macht nun den Weg für eine Nachnutzung frei.

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