Kilometerkönig

Mit dem Wohnmobil von Voerde aus quer durch Europa

Katja Weltgen mit ihren Kindern Nicolai (14) und Luis (10)

Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Katja Weltgen mit ihren Kindern Nicolai (14) und Luis (10) Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Voerde.   331 747 Kilometer stehen auf dem Tacho des Hymer S 660 von Familie Weltgen aus Voerde. Seit 15 Jahren sind sie mit dem Wohnmobil unterwegs

14 Jahre ist es her, dass sich Familie Weltgen ein Wohnmobil zulegte. „Wir lebten damals in wilder Ehe, waren arm und mittellos und wollten in den Urlaub“, sagt Stefan Weltgen. Ein 2,4 Liter Mercedes Diesel mit 65 PS, sechs Sitzplätzen, 3,5 Tonnen schwer – und ganz ohne Servolenkung – und Hymer S 660 obenauf, eines der ersten Fahrzeuge mit dem „schön geschwungenen GFK- (Glasfaserverstärktem Kunststoff-) Dach“ stand zum Verkauf. „Rund 150 000 Kilometer hatte das Wohnmobil mit Erstzulassung 1982 runter, das damals neu 160 000 D-Mark gekostet hatte und eines der ultramodernsten und hochpreisigsten Wohnmobile seinerzeit war“, erinnert er sich. Familie Weltgen sollte als Drittbesitzer noch 12 000 Euro für das neue Gefährt in der Taxi-Farbe „helles Elfenbein“ bezahlen. „Also haben wir die Eltern meiner Frau überredet, uns bei dem Kauf zu unterstützen.“

Begleitfahrzeug beim Hilfstransport nach Tschernobyl

Dafür durften die dann auf vielen Reisen zusammen mit den beiden Söhnen des Ehepaares mitfahren – in den „Drei-Generationen-Urlaub“. Mit dem Donnerofen – „so der inoffizielle Name unseres Wohnmobils“ –ging es ab 2003 in die Beneluxländer, nach Schweden, Weißrussland, Italien, Dänemark und quer durch Deutschland. „Einmal diente das Wohnmobil auch als Begleitfahrzeug bei einem humanitären Hilfstransport von Friedrichsfeld nach Tschernobyl in der Ukraine“, erzählt Stefan Weltgen.Aber auch die Vorbesitzer seien mit dem Hymer S 660 schon in Schottland und zweimal am Nordkap gewesen. „Europa hatte das Fahrzeug komplett unter der Achse“ ist er überzeugt. Der aktuelle Kilometerstand von 331 747 kommt also nicht von ungefähr – und er könnte Familie Weltgen vielleicht den Titel des „Kilometerkönigs im Kreis Wesel“ bescheren.

Bruch der Blattfeder hinter dem Elbtunnel

Die Familie verbinden aber auch jetzt schon einzigartige Erinnerungen mit ihrem Donnerofen: „Klar klopfen da im Stau auch Leute an und fragen, ob sie auf unsere Toilette dürfen“, sagt Stefan Weltgen – und sie dürfen dann. Ein wirklich besonderes Erlebnis war aber, „als unser heute 14-jähriger Sohn als Kleinkind in einem Wald in Schweden seine ersten Schritte in unserem Wohnmobil machte“. Und Pannen? Ja, die gab es auch, sagt der Familienvater: „Auf dem Weg nach Dänemark sind wir liegen geblieben, weil uns hinter dem Elbtunnel auf der A 7 die Blattfeder brach.“

Und dann gibt es da noch diese besonderen Merkmale des Fahrzeugs: „Es ist sicher gegen Diebstahl, weil den Startknopf selbst die TÜV-Prüfer nicht mehr kennen“, sagt Stefan Weltgen und lacht. Außerdem könne man mit dem Hymer, „wenn man in Münster Vollgas gibt und der Wind günstig steht, mit etwas Glück in Bremen schon einen LKW überholt haben“. Der Stimmung an Bord tut das keinen Abbruch. „Die ist immer einmalig“, sagt er. „Denn unser Wohnmobil ist dafür geschaffen, den Familienfrieden zu erhalten: zwischen Fahrer- und Beifahrersitz liegt nämlich der Motor. Man sitzt also quasi mitten im Motorraum und versteht während der Fahrt kein Wort des Nebenmannes – oder der Nebenfrau...“

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