Mordprozess

Ex-Lehrer mit Axt erschlagen: Zweifel am Tatmotiv Spielsucht

Großeinsatz der Polizei in Hünxe: Das Wohnhaus wird durchsucht.

Großeinsatz der Polizei in Hünxe: Das Wohnhaus wird durchsucht.

Foto: Markus Joosten

Hünxe/Duisburg.   Im Prozess um einen Mord in Hünxe haben Bruder und Ex-Freundin des mutmaßlichen Täters ausgesagt. Am Tatmotiv der Spielsucht kommen Zweifel auf.

Wegen einer grausigen Tat steht derzeit ein 40-jähriger Mann aus Hünxe vor dem Landgericht Duisburg: Für ganze 1200 Euro Beute soll er am 15. September 2018 einen ihm und seinen Eltern seit vielen Jahren freundschaftlich verbundenen 82-jährigen ehemaligen Lehrer in dessen Wohnung in Hünxe heimtückisch mit einer Axt erschlagen haben.

Im Mittelpunkt des dritten Verhandlungstages stand die Persönlichkeit des Angeklagten, insbesondere die Frage, ob ein Motiv möglicherweise in dessen von ihm behaupteter Spielsucht zu suchen sei.

„Er war kein Hardcore-Spieler“

Glaubt man den Worten der erfahrenen Aufsicht einer Spielhalle in Friedrichsfeld, kann von Sucht keine Rede sein. „Er war ein sehr ruhiger und netter Spieler“, erinnerte sich die 41-Jährige. Der Angeklagte sei Stammgast gewesen. „Aber er war nicht jeden Tag da und meist hat er nur 50 Euro gewechselt. Er war kein Hardcore-Spieler.“

Ganz anders klang das, was der Bruder (34) des Angeklagten dem Gericht erzählte: Sein Bruder sei regelmäßig in mehreren Spielhallen unterwegs gewesen. „Saß er am Automaten, war er nicht mehr zu bremsen.“

Zeugeneinsichten von vor fast 20 Jahren

Selbst wenn der 40-Jährige gewann, habe er nicht zu spielen aufgehört, bevor das Geld wieder weg war. Allerdings beruhen die persönlichen Einsichten des Zeugen auf einer Zeit vor fast 20 Jahren, als er den Angeklagten gelegentlich in Spielhallen begleitete. „Ich weiß nur, dass er viel gearbeitet hat. Aber er hat auch viel Geld verspielt.“

Die Beziehung zu einer 31-jährigen Frau, mit welcher der Angeklagte zwei Kinder hat, war 2013 endgültig zerbrochen. „Ich wollte eine richtige Familie, ein gemeinsames Leben.“

Ex-Freundin habe keine Spielsucht bemerkt

Doch dazu habe sich der Mann, der bis vor wenigen Jahren immer noch bei seinen Eltern wohnte, nie durchringen können. „Als ich hörte, dass er sich eine eigene Wohnung genommen hat, war ich ehrlich überrascht.“ Zuvor, so die Zeugin, hatte sie stets das Gefühl, dass ihr Ex-Freund das bequeme Leben, umsorgt von der Mama, nicht habe aufgeben wollen.

Den Kindern sei er aber auch nach der Trennung ein liebevoller Vater gewesen. Von einer Spielsucht will die 31-Jährige nie etwas bemerkt haben. „Seine Mutter hat sich allerdings beschwert, dass er wieder spiele und ständig in Spielhallen herum hänge.“

Für das Verfahren sind bis Ende März noch zwei weitere Verhandlungstage geplant.

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