Rückblick

Mühlenberg in Gahlen – ein Abfallkrimi und die Aufarbeitung

Nottenkämper-Geschäftsführer Thomas Eckerth bemüht sich um Erklärungen.

Foto: Gerd Hermann

Nottenkämper-Geschäftsführer Thomas Eckerth bemüht sich um Erklärungen. Foto: Gerd Hermann

Schermbeck/Hünxe.   Seit Juni wissen die Gahlener um hochgiftiges Material im Mühlenberg. Viele Fragen und wenig Antworten in Schermbeck und Hünxe.

Im Juni kommt die Nachricht: Umweltskandal am Mühlenberg Süd in Gartrop. Knapp 30 000 Tonnen mit Ölpellets verseuchten Materials, dazu rund 5000 Tonnen vanadiumhaltiges Kronocarb, ein Abfall der Firma Kronos Titan, sind in den Jahren 2010 bis 2013 in der Tonabgrabung verfüllt worden. Illegal unter Umgehung sämtlicher Kontrollen.

Unsicherheit in Gahlen

Und, anders als beim Umweltfrevel 2001 an dieser Stelle, soll diesmal das Material nicht wieder aus dem Berg entfernt werden. Es handelt sich um ein giftiges und leicht brennbares Abfallprodukt der Schwerölvergasung bei der Ruhr Oel Gelsenkirchen, von der RZB Bochum, einem Recyclingunternehmen, an Nottenkämper geliefert. Vor allem in Gahlen ist die Sorge groß: Wie sicher lebt es sich hier noch? Und, eine Frage, die weder Nottenkämper, noch der Kreis Wesel als Aufsichtsbehörde bislang befriedigend beantwortet haben: Wie konnte das passieren?

Angeklagter entzieht sich dem Verfahren

Derweil verschwindet der Hauptangeklagte vor dem Bochumer Landgericht, ein Prokurist der Hünxer Firma Nottenkämper und selbstständiger Abfallmakler, von der Bildfläche. Obwohl er seinen Freitod ankündigt, glaubt kaum jemand an Selbstmord. Laut Staatsanwaltschaft soll er die Ölpellets vor 2010 als Ersatzbrennstoff gehandelt haben. Doch das Material neigt dazu, sich zu entzünden. In mehreren Industrieunternehmen kam es zu Bränden. Der Makler wurde das Material, nicht mehr los, war aber vertraglich dazu verpflichtet, es anzunehmen. So soll er es Nottenkämper untergeschoben haben.

Das Unternehmen und der Kreis Wesel als Aufsichtsbehörde geraten in Erklärungsnot, als der Fall öffentlich wird. Allerdings habe die Staatsanwaltschaft Bochum Verschwiegenheit angeordnet. Misstrauen baut sich auf. Die Spitze der Firma Nottenkämper, Geschäftsführer Thomas Eckerth und Geschäftsführende Gesellschafterin Pia Nottenkämper, zeigt sich schockiert: Ermittler kamen unangekündigt, drehten das Unternehmen auf links. Nach etlichen Untersuchungen teilt die Staatsanwaltschaft mit, das Unternehmen sei Opfer, nicht Täter.

Warum haben die Kontrollen versagt?

Eine Auffassung, die man in Schermbeck nicht unwidersprochen hinnimmt. Wie konnten die Kontrollen versagen? Thomas Eckerth wird nicht müde, die Kontrollmechanismen an der Abgrabung, die zur Deponie wurde, zu erklären. Eigentlich narrensicher – und doch sind sie umgangen worden. „Das konnte nur jemand machen, der unsere Systeme genau kennt“, so Eckerth. Mangelhafte Kontrollen und Schluderei sehen andere, beispielsweise die Schermbecker Grünen, allen voran Ulrike Trick, eher als Ursache an.

Gahlener wollen das Gift nicht in der Nachbarschaft

Neben der Frage nach der Schuld drängt die nach der Zukunft. Ulrich Lieser, ein von Bundes- und Landesumweltministerium, der Bezirksregierung und dem Kreis Wesel beauftragter Gutachter, rät, den Mühlenberg abzudecken und einzukapseln, das Sickerwasser fachgerecht zu entsorgen und das Grundwasser engmaschig zu kontrollieren. Die dicke Tonschicht unter dem Berg soll die Deponie abdichten. Nottenkämper lädt die Gahlener zum Informationsabend, das Gahlener Bürgerforum füllt den Saal des Café Holtkamp später erneut: Eine Menge Fragen, viele Informationen. Die Gahlener wollen dennoch, dass das Gift aus ihrer Nachbarschaft verschwindet.

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