Kultur

Museum Voswinckelshof Dinslaken zeigt Otto Dix und Max Ernst

Dr. Peter Theißen, Leiter des Museums Voswinckelshof, präsentiert ein Werk von Max Ernst.

Dr. Peter Theißen, Leiter des Museums Voswinckelshof, präsentiert ein Werk von Max Ernst.

Foto: Heiko Kempken

Dinslaken.   Die neue Ausstellung „Mein Blick auf Das Junge Rheinland“ im Museum Voswinckelshof in Dinslaken zeigt bekannte Namen und Wiederentdeckungen.

Da lacht „Mutter Ey“ auf dem Bild-Porträt von Otto Pankok: Man greift wirklich nicht zu hoch, wenn man sagt, dass ein Düsseldorfer Kunstleben bis Mitte August ins Museum Voswinckelshof kommt. Und die Künstlerliste der Ausstellung, die heute um 15 Uhr von Bürgermeister Dr. Michael Heidinger im stadthistorischen Zentrum eröffnet wird, beeindruckt mit großen Namen: Otto Dix , Max Ernst, Heinrich Campendonk, Otto Pankok.

Doch bei aller Werbewirksamkeit dieser Stars der Kunst bis 1933, das eigentlich spannende ist die Ausstellung als Ganzes: Denn sie vereint 100 Jahre nach der Gründung des Jungen Rheinlands Werke von 27 Künstlern und zwei Künstlerinnen, die sich in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts an der Ausstellungstätigkeit der Düsseldorfer Künstlergruppe beteiligten.

Nebeneinander künstlerischer Strömungen

Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Stiche und Lithographien. Sie konzentrieren sich auf die aufregende Epoche zwischen den Weltkriegen, als die Kunst nicht mehr der Schönheit, sondern der gesellschaftlichen Auseinandersetzung diente und mit überkommenden Sehgewohnheiten brach.


Viele Werke gerade der bekanntesten Künstler stammen aus den späten Schaffensperioden oder sind, wie im Fall von Otto Pankok, auch spätere Nachdrucke. Aber das mindert nicht die Qualität der Ausstellung. Interessanter, als die Entwicklung der Künstler selbst, ist das Nebeneinander künstlerischer Strömungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dies rückt gerade die Künstler der zweiten Reihe in den Fokus.

Persönliche Annäherung an die Künstlergruppe

Und nicht zuletzt lautet der Titel der Ausstellung auch deshalb „Mein Blick auf Das Junge Rheinland“, weil es sich tatsächlich um eine ganz persönliche Annäherung an diese Künstlergruppe handelt, die im Gegensatz beispielsweise zur „Brücke“ oder dem „Blauen Reiter“ nie ein gemeinsames ästhetisches Programm hatte.


Die Bilder, die nun von heute bis zum 18. August im Museum Voswinckelshof gezeigt werden, stammen allesamt aus der Sammlung des Ehepaars Else Heiermann und Horst-Günter Krusch aus Duisburg. Sie vereinen Früh- und Spätwerke, kleine Zeichnungen und große Bilder von Künstlerinnen und Künstlern, die sich – ein wenig dem Dinslakener Kulturkreis vergleichbar – zusammentaten, um sich Ausstellungsmöglichkeiten zu verschaffen.

Aufbruch und Experiment

Drastische Darstellungen vom Krieg und seinen verstümmelten Veteranen, Arbeitern und Arbeitslosen, aber auch immer wieder expressionistische Frauenakte und Bilder, die von Georges Braque, Lyonel Feininger und anderen großen Namen der klassischen Moderne beeinflusst sind, hängen in der Ausstellung Seite an Seite mit Mädchenporträts und ländlichen Landschaften von verräterischer Harmlosigkeit.


Letztere sind allerdings längst nicht immer wie im Falle von Peter August Böckstiegel ein Einknicken vor den Nazis gegen ein drohendes Berufsverbot. In der Zeit des Aufbruchs und des Experimentierens entstanden akademische Studien und ausgeführte expressionistische auch parallel.

Auflösung nach Gleichschaltung der Bildenden Kunst

Von Otto Pankok bezaubert eine kleine Bronze in einer der Vitrinen, Heinrich Campendonk und Gerd Arntz verstören mit ihrer Darstellung von Staatsgewalt und gesellschaftlichen Elend.

Als Goebbels im September 1933 mit der Gleichschaltung der Bildenden Kunst begann, löste sich Das Junge Rheinland auf. Und so wird die Ausstellung im Voswinckelshof 100 Jahre nach Gründung der Gruppe auch zu einem Stück Erinnerungskultur und zur Mahnung zur Bewahrung öffentlicher Kunst- und Meinungsfreiheit, die sich auch in der Vielfalt der Stile, Ausdrucksweisen und Themen der Bilder des Jungen Rheinlands manifestiert.

Die Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung

Das Junge Rheinland: Zu den Künstlerinnen und Künstlern der Ausstellung gehören Jankel Adler, Ernst Aufseeser, Carl Barth, Peter August Böckstiegel, Heinrich Campendonk, Otto Dix, Max Ernst, Richard Gessner, Adolf de Haer, Lisa Hartlieb-Rilke, Werner Heuser, Arthur Kaufmann, Hanns Kralik, Wilhelm Lehmbruck, Peter Ludwigs, Otto Pankok, Hans Rilke, Else Sehrig-Vehling, Karl Schwesig, Adolf Uzarksi und Gert Wolheim. Die musikalische Gestaltung der Vernissage liegt bei der Pianistin Elena Lebedeva.

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