WOLF

Es war der Wolf: Zwölf Nachweise in Dinslaken und Hünxe

Das Wildgehege an der Dickerstraße in Oberlohberg: Hier hat ein Wolf zehn Dam-Kühe gerissen.

Das Wildgehege an der Dickerstraße in Oberlohberg: Hier hat ein Wolf zehn Dam-Kühe gerissen.

Foto: Lucas Bayer

Dinslaken/Hünxe.   Im Oktober wurden zehn Damwild-Kühe in einem Gehege in Oberlohberg getötet. Lanuv ordnet zwei weitere Fälle in Dinslaken und Hünxe einem Wolf zu.

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Ein Zaun hinter einem Zaun und dahinter äsen Rehe. Zwei Meter Draht, scheinbar unüberwindbar für einen Wolf. Und doch hat es einer geschafft, woran viele Menschen gezweifelt haben: Ein Wolf hat hinter den Zäunen an der Dickerstraße zehn Damwild-Kühe aus einer Herde von 30 Stück Damwild getötet. Das Landes-Umweltamt (Lanuv) hat nun bestätigt, dass die Risse am 27. Oktober auf das Konto eines Wolfes gehen. Außerdem bestätigte es einen Nutztierriss zwei Tage zuvor in Hünxe. Auch für das tote Schaf von Kurt Opriel, das am 23.September in Oberlohberg gerissen wurde, ist ein Wolf verantwortlich. In allen Fällen ist noch nicht geklärt, ob hier die im Wolfsgebiet rund um Schermbeck heimische Wölfin am Werk war oder ein anderes Tier. Dafür ist eine weitere Genanalyse vonnöten.

„Geeignete Durchschlupfmöglichkeiten für den Wolf“

Der zwei Meter hohe Zaun „wies geeignete Durchschlupfmöglichkeiten für den Wolf auf. Der Tierhalter wurde gebeten diese Schwachstellen auszubessern“, erklärte das Lanuv gestern Nachmittag in einer

Pressemitteilung. Martin Dickmann, dem die Herde gehört, weist das von sich. Er hat den Zaun auf Untergrabungen untersucht und keine gefunden. „Aber oben auf dem Zaun war Fell,“ sagt er. Der Zaun stehe schon lange an der Stelle und rage zehn Zentimeter in den Boden. Nun hat er zusätzlich einen nach außen weisenden Übersprungschutz montiert, der elektrisch geladen ist. Die Herde hat er von seinem Vater übernommen und der hatte sie wiederum von einem Kollegen auf der Zeche. Einst umfasste sie hundert Tiere, die Böcke wurden vermarktet. „Da machen wir aber nicht mehr.“ Die verbliebenen 19 Tiere – eines sei zwei Tage nach dem Wolfsbesuch gestorben – „sollen die Spaziergänger erfreuen und in Ruhe alt werden.“

Diskussion wird „sehr emotional geführt“

Dass ein Wolf gleich zehn Tiere auf einmal tötet, wird ihm gerne abgesprochen. Normalerweise hole er sich ein Tier aus einer Herde, die anderen rennen davon, so Birgit Kaiser de Garcia, Sprecherin des Lanuv. Weil das Damwild aber eingezäunt war, habe es nicht flüchten können. „Ich will nicht von Blutrausch sprechen, vielleicht ist er in Rage geraten.“ Die Diskussion werde allgemein „sehr emotional geführt, und wir stehen dazwischen und versuchen, sie zu versachlichen.“ Das bestätigt ein Blick auf die Facebookseite der NRZ Dinslaken, wo von „Wolfsmenschen“ oder gar „Wolfsgutmenschen“ und „Wolfshassern“ die Rede ist und es kein Dazwischen zu geben scheint.

Nachbarn sind verunsichert

Deswegen fühlt sich Tanja Kampen etwas unwohl, wenn sie ihre Bedenken formuliert. „Wer etwas gegen den Wolf sagt, wird oft in die rechte Ecke gestellt,“ sagt die Nachbarin von Martin Dickmann. Sie habe schlichtweg Angst um ihren Sohn. Häufig würden die Kinder draußen spielen, auch im Wald. Im Frühjahr hätten sie noch eine Nachtwanderung gemacht. Und die Bushaltestelle, an der der Schulbus jeden Morgen hält, befindet sich schräg gegenüber vom Damwildgehege. „Früher haben sich die Kinder dort immer getroffen“; erzählt Dickmann, „jetzt geht jeden Morgen ein Erwachsener mit.“ Seine Kinder wären häufig im Wald unterwegs - das gehe nun nicht mehr. Und wenn sie auf dem Hof spielen, „sind immer zwei Hunde dabei.“

Birgit Kaiser de Garcia vom Lanuv kann die Sorgen der Eltern „als Mutter verstehen“, sagt sie. „Ich wäre auch vorsichtig“ – auch ohne Wolf. Schließlich seien im Wald auch andere Tiere unterwegs: Füchse etwa oder Wildschweine.

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