RAUCHMELDER

Positive Bilanz aus einem Jahr Rauchmelderpflicht

Zum 1. Januar 2017 wurde die Rauchmelderpflicht in Privatwohnungen eingeführt.

Foto: David Ebener

Zum 1. Januar 2017 wurde die Rauchmelderpflicht in Privatwohnungen eingeführt. Foto: David Ebener

Dinslaken/Voerde/Hünxe.   In Dinslaken und Voerde haben die Geräte im vergangenen Jahr Schlimmeres verhindert: Nachbarn hörten das Piepen - und holten die Feuerwehr.

Das Essen steht auf dem Herd, der Bewohner schläft ein. In wenigen Minuten kann die Wohnung in Flammen stehen. In einem Fall wie diesem sollen Rauchmelder, die seit dem 1. Januar 2017 in allen Privatwohnungen Pflicht sind, Leben retten. Die NRZ hat die Feuerwehren in Dinslaken, Voerde und Hünxe um eine Bilanz ein Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes gebeten.

Die Küche brannte lichterloh

808 Einsätze hatte die Dinslakener Feuerwehr im Jahr 2017, davon waren 193 Brandeinsätze. 21 Mal hat ein Rauchmelder Alarm geschlagen, zehn Mal lag ein technischer Defekt vor. In den anderen Fällen haben die Rauchmelder möglicherweise Leben gerettet. In allen Fällen hatte angebranntes, vergessenes Essen auf dem Herd den Alarm ausgelöst, in einem Fall brannte die Küche lichterloh, berichtet der Leiter der Dinslakener Feuerwehr, Udo Walbrodt.

Und nicht die Bewohner der jeweiligen Wohnung haben die Feuerwehr gerufen – sondern Nachbarn oder Passanten, die das Piepen gehört haben. Die Bewohner waren „auf der Couch eingeschlafen“, so Walbrodt. Oder sie waren „mal eben zum Nachbarn rüber oder in den Wäschekeller“. Teils seien die Räume schon völlig verraucht gewesen.

In wenigen Minuten entstehe aus einem Gerätebrand ein Wohnungsbrand, sagt Walbrodt. Wie schnell, das sei auf zahlreichen Lehr-Videos im Internet zu sehen. Irgendwann ziehe der Rauch zwar auch unter der Tür durch ins Treppenhaus und werde dort möglicherweis von Nachbarn wahrgenommen. Dann aber kann es für den Bewohner schon zu spät sein. Denn die größte Gefahr gehe von den Rauchgasen aus. „Es reicht schon aus, wenn sie die ein paarmal eingeatmet haben“, sagt Walbrodt. Das Feuer selbst „wird der Bewohner dann nicht mehr erleben“.

In acht Minuten sei die Dinslakener Feuerwehr vor Ort. Dadurch, dass Nachbarn oder die Bewohner selbst durch das Piepen alarmiert würden, werde wertvolle Zeit gespart. „Wir ziehen auf jeden Fall eine positive Bilanz“, so Walbrodt. „Der eine oder andere Wohnungsbrand wurde verhindert.“

Adventskranz stand in Flammen

Die Feuerwehr in Voerde vermeldet für 2017 insgesamt elf Einsätze aufgrund von ausgelösten Rauchmeldern. In sechs Fällen stellte sich heraus, dass die Geräte defekt waren. In fünf gab es tatsächlich eine Rauchentwicklung, wobei mindestens zwei Einsätze so einzuordnen waren, dass durch die Rauchmelder Schlimmeres habe verhindert werden können, bilanziert Detlef Berlin, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Voerde.

In dem einem der beiden Fälle war ein Adventskranz in Abwesenheit in Brand geraten, Nachbarn hätten den Rauchmelder gehört. Im zweiten Fall war das Essen auf dem Herd vergessen worden. Der auf dem Sofa eingeschlafene Bewohner wurde durch den Alarmton geweckt. Er versuchte, den Brand zu löschen, und zog sich währenddessen eine Rauchgasvergiftung zu.

Auch Nachbarn hatten den ausgelösten Rauchmelder gehört und die Feuerwehr verständigt. Beide Male hätten durch die Alarmgeräte schwere Verletzungen und hoher Sachschaden abgewendet werden können, resümiert Voerdes Feuerwehrsprecher Detlef Berlin.

Die Entscheidung, die Installation von Rauchmeldern in Privatwohnungen zur Pflicht zu machen, sei richtig gewesen. Mit Zahlen belegen kann die Voerder Feuerwehr es zwar nicht, aber sie geht davon aus, dass durch die Alarmmeldung „bestimmt einige Rauchentwicklungen frühzeitig erkannt wurden und von den Bewohnern entschärft werden konnten, ohne dass die Feuerwehr alarmiert wurde“.

Auf Instandhaltung achten

„Gott sei Dank hatten wir im letzten Jahr in unserer Gemeinde keine Brandfrüherkennung durch Rauchmelder“, sagt Heinz-Wilhelm Neuhaus, Leiter der Hünxer Feuerwehr. Drei Einsätze aufgrund eines technischen Defekts habe es gegeben. „Anwohner hatten das ertönende Signal gehört und die Feuerwehr alarmiert.

Es stellte sich heraus, dass die Batterie leer war“, so Neuhaus. Deshalb rät der Hünxer Feuerwehrchef, nicht nur Rauchmelder zu installieren, „auch die Instandhaltung muss gewährleistet sein“. Bei der Überprüfung der Funktionstüchtigkeit sei es wichtig, immer auf die Herstellerangaben zu achten. Neue Rauchmelder etwa hätten eine Silizium-Batterie, die über zehn Jahre haltbar sei.

>>HINTERGRUND

In allen Wohnungen in NRW sind seit Anfang 2017 Rauchmelder einzubauen. Mindestens ein Rauchmelder gehört in Schlafzimmer, Kinderzimmer, Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen. Für den Einbau ist der Eigentümer verantwortlich, für die Betriebsbereitschaft der Mieter.

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