WOLF

Regisseur Adnan Köse: Beim Wolf ist die Politik gefordert

Podiumsdiskussion (v.l.): Frank Bosserhoff, Peter Malzbender, Moderator Adnan Köse, Jos de Bruin, Eckhard Schwedhelm und Heike W. Grießer. 

Podiumsdiskussion (v.l.): Frank Bosserhoff, Peter Malzbender, Moderator Adnan Köse, Jos de Bruin, Eckhard Schwedhelm und Heike W. Grießer. 

Foto: Heiko Kempken

Dinslaken.   Adnan Köse lud Wolfsexperten und Naturschützer zu einem äußerst Diskussionsabend in Dinslaken ein. Auch Wolfshalter-Jos de Bruin war dabei.

„Ja, Wölfe fressen Omas“, sagt Jos de Bruin bewusst provokant. Und klärt auf: Er meint Rehe. Alte Tiere, die nicht mehr zur Reproduktion und damit zum Bestand der Art beitragen. So manche Mär um den „bösen Wolf“ wurde am Montagabend auf diese Art und Weise aufgeklärt. Unterhaltsam, aber sachlich und fundiert. Adnan Köse hatte zu der Informationsveranstaltung eingeladen, Pfarrer Armin von Eynern stellte dafür den Saal des Ev. Gemeindehauses an der Duisburger Straße zur Verfügung. Auf dem Podium saßen: Wolfsexperte Jos de Bruin, Eckhard Schwedhelm, der sich seit über 40 Jahren mit den Tieren befasst, Peter Malzbender und Frank Bosserhoff vom NABU Wesel und Heike W. Grießer – letztere nicht als Kinobesitzerin, sondern als Archäologin.

Rund 100 Bürger saßen im Publikum

Informieren wollte Adnan Köse, Ängste nehmen. Dazu gehört es zunächst, auch Ängste ernst zu nehmen. Unter den 80 bis 100 Interessierten im Publikum waren auch Wolfsgegner. Wie Milchbauer Ulrich Bosmann aus Schermbeck, der den Wolf als weitere Belastung seines Berufsstands sieht: „Der Wolf, der kostet Geld.“ Zwar würden Nutztierhaltern 80 Prozent der Materialkosten für Schutzmaßnahmen erstattet werden, aber die Arbeitsleistung bliebe unberücksichtigt. „Aber dann sind wir uns einig: die Politik ist gefordert“, stimmte Adnan Köse ihm zu. Denn nicht die Wölfe in Deutschland seien das Problem, sondern es dauere einfach zu lange, bis die Voraussetzungen von ein Nebeneinander von Natur und Mensch geschaffen werden. Er bedauerte, dass trotz seiner Anfrage beim Landtag kein Politiker bereit war, an seiner Infoveranstaltung teilzunehmen.

„Proaktive Wolfspolitik hätte Schutzmaßnahmen ermöglicht“

Die höchste Wolfspopulation Deutschlands gebe es in der Lausitz. Da aber Wölfe in der freien Wildbahn eben nicht wie in Gefangenschaft in großen Rudeln, sondern in eher kleinen Familien lebten, die ein Revier von 250 Quadratkilometern, ungefähr die Größe Essens, beanspruchten, sei es absehbar gewesen, dass sich Jungtiere über Niedersachsen nach NRW ausbreiten würden. Eine proaktive Wolfspolitik hätte Schutzmaßnahmen ermöglicht, bevor sich die ersten Tiere ansiedelten. Das hätte hier in der Region nicht nur Nutztierleben gerettet, sondern der Wölfin von Anfang an ihre Grenzen aufgezeigt. Nun wisse sie, dass Schafe leichte Beute seien und werde erst lernen müssen, was ein Elektrozaun sei, so Jos de Bruin.

„Wölfe haben Angst vor Menschen“

Der Wolfsexperte räumte auch mit der Einschätzung auf, die Schermbecker Wölfin wäre im „Blutrausch“, verhielte sich auffällig. Wölfe hetzten Herden, um das schwächste Tier zu reißen. Blieben Schafe aber aufgeschreckt beim toten Artgenossen, „reagiert der Wolf instinktmäßig und jagt weiter“.

Und wie sieht es mit dem Verhältnis Mensch und Wolf aus? „Wölfe sind scheu, sie haben Angst vor Menschen“, bekräftigte de Bruin. Die Horrorgeschichten der menschenfressenden Bestie gingen auf die Zeit des 30-jährigen Krieges zurück, klärte Eckhard Schwedhelm auf. Wölfe seien Aasfresser und in den geplünderten Dörfern „lagen die Leichen unbegraben. Die Legende vom Werwolf war geboren.“ Die für Menschen gefährlichsten Tiere seien übrigens Mücken mit 800.000 Opfern weltweit im Jahr, auch das gehörte zu interessanten Informationen des Abends am Rande. Und den dritten Platz belegen – Hunde. Wölfe spielten in dieser Statistik dagegen keine Rolle.

Wichtig seien sie jedoch für das Gleichgewicht der Natur, das der Mensch immer wieder aus der Balance bringe. Und so – das war eine der Botschaften aller Redner – sollte man Wölfe nicht als Problem, sondern als Chance begreifen.

>>ZAHLEN: DER WOLF UND SEINE BEUTE

Hiesige Wölfe wiegen 38 bis 40 Kilogramm und fressen ein bis zwei Kilogramm Fleisch. 52 Prozent davon ist Rehwild, 25 Prozent Rotwild, 16,6 Prozent sind Wildschweine.

Schafe, die ungeschützt eine leichte Beute sind, machen nur ein Prozent in der Statistik aus. Das bedeutet, dass ein effizienter Schutz von Nutztieren funktioniert.

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