Kultur

Ringelnatzabend mit Achim Amme im Dachstudio in Dinslaken

Achim Amme spielte Ringelnatz' Verse mit großen Gestan aus.

Achim Amme spielte Ringelnatz' Verse mit großen Gestan aus.

Foto: Lars Fröhlich

Dinslaken.   Der Ringelnatz-Preisträger Achim Amme brachte auch seine eigenen Lieder mit ins Programm ins Dachstudio - sie passten inhaltlich und stilistisch.

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Es war bezeichnend, dass Achim Amme sein Publikum im Dachstudio „beschummeln“ konnte und es diesem sogar gefiel. Einen Ringelnatzabend haben der Liedermacher und sein Mitmusiker, Ulrich Kolja Wendt am Akkordeon, angekündigt. Aber im ersten Teil des Programms mischte Amme eigene Lieder zwischen die Originalgedichte und biografischen Stationen des Hans Gustav Bötticher, der als Joachim Ringelnatz in der Weimarer Republik bekannt wurde.

Diese eigenen Lieder passten inhaltlich und stilistisch perfekt ins Programm, obwohl sie nicht einmal speziell dafür geschrieben wurden. „Vielleicht bin ich ja deshalb Joachim-Ringelnatz-Preisträger geworden“, gab der freie Autor, Schauspieler und Musiker zu bedenken.

Ein Künstler, der seinen Weg erst finden muss

Amme und Ringelnatz: das passt. Obwohl es eines hohen Honorars bedurfte, bis er sich zwecks Programmplanung durch die siebenbändige Ringelnatz-Ausgabe fraß wie der Holzwurm durch die Schnupftabakdose Friedrich des Großen. „Was geht mich Ringelnatz der Lustige an“: Amme zeigt den als Kabarettisten verkannten Dichter (Kästner) als missratenes Kind eines Schriftstellers, das zu Hause Insekten quälte und nach der Erziehungsanstalt zur See fuhr.

Einen Künstler, der seinen Weg erst finden musste und dann seine Erfahrungen in die gebrochenen Verse goss, die humorvoll und pointiert und manchmal beinahe dadaistisch sinnlos sind, aber auch prekäre soziale Missstände in der Weimarer Republik aufzeigen. Was der Seemann Kuttel Daddeldu „traute Stunden“ nennt, ist Elend zwischen Alkoholmissbrauch und Kindesvernachlässigung. Makaber wie Ringelnatz Gedicht über einen Nekrophilen oder der Spott gegen die Nazis.

Vertonungen von originalen Ringelnatz-Texten

Aber natürlich tun auch den Ameisen auf der Chaussee die Füße weh, ist das Reh nach dem Stips aus Gips und rostet die alte Liebe zwischen Nagel und Schraube nicht. Dazu gibt es - dann doch - Vertonungen von originalen Ringelnatz-Texten und die eigenen, wehmütigen Lieder, die vom Kind handeln, das noch frei von allen Zwängen ist, von den Liebenden, deren Kahn zu sinken droht, vom Menschen, der ein Provisorium ist. Letzteres ist ein Walzer im Stil der 20er Jahre, etwas schief, wie die Quetschkommode, die sich zwischen den Händen von Wendt windet. Sowohl der Inhalt wie einzelne Stichwörter könnten von Ringelnatz sein.

Und dem hätten sicherlich auch die anderen Kompositionen gefallen. Langer Schlussapplaus.

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