Fackelzug

Rund 1000 Menschen demonstrieren in Hünxe gegen Zeelink

Ein Fackelzug, der in die Drevenacker Dorfgeschichte eingehen wird: Die Gaspipeline direkt an den Wohnhäusern nehmen viele so nicht hin. Sie wollen auch nach der Demonstration passiven Widerstand leisten.

Foto: Gerd Hermann

Ein Fackelzug, der in die Drevenacker Dorfgeschichte eingehen wird: Die Gaspipeline direkt an den Wohnhäusern nehmen viele so nicht hin. Sie wollen auch nach der Demonstration passiven Widerstand leisten. Foto: Gerd Hermann

Hünxe.   Zeelink-Gegner veranstalteten Fackelzug, der in die Dorfgeschichte eingehen wird. Gaspipeline direkt an Wohnhäusern nehmen viele so nicht hin.

Damit hatte niemand gerechnet: Hunderte sind am Mittwochabend mit Fackeln in Drevenack losgezogen, um gegen die Trasse der Zeelink-Gaspipeline dicht vor ihren Häusern und Wohngebieten zu protestieren (die NRZ berichtete).

Genau genommen waren es allein in Drevenack laut Organisator Rainer Rehbein mehr als 600 Demonstrations-Teilnehmer. „Wir hatten ein Video gedreht und haben hinterher gezählt“, erläutert er. „In Bucholtwelmen und Holthausen waren es zusammen nochmal rund 300 Demonstranten.“

Eine Aktion, die so schnell niemand vergessen wird

Damit wären am Mittwoch fast 1000 Menschen gegen Zeelink aufgestanden, ein starkes Signal im ländlichen Raum. In Drevenack zogen sie an der Alten Marienthaler Straße durchs Gelände, überquerten mit Hilfe der Polizei die B58 zwischen den Häusern, zogen entlang Hof Rittmann zum geplanten Neubaugebiet sowie Nelken- und Tulpenweg. Am Platz vor der Sparkasse trennte man sich nach einer Aktion, die so schnell im Dorf niemand vergessen wird.

Manchem läuft die geplante Trasse 20 Meter vor dem Grundstück entlang, andere würden in 60 Metern Entfernung leben. „Es ist eine Unverschämtheit, die Gaspipeline so nah an Wohngebieten zu planen“, sagt Demonstrationsteilnehmer Roland Sextro. „Von der Gefahr abgesehen, kommt diese Planung einer Teilenteignung gleich.“

Viele fürchten um den Wert ihrer Grundstücke

Wie Sextro, fürchten viele um den Wert ihrer Grundstücke. Martin Dickmann, auf dessen Hof der Fackelzug seinen Anfang nahm, ist Anwohner und Grundeigentümer zugleich. „Da vorne hinter der Scheune würde die Trasse entlang führen“, sagt er, „ein Acker hier wäre ein 8000 Quadratmeter großes Rohlager, eines von zweien entlang der Strecke“.

Schwerlastverkehr in dieser vom Verkehr auf dem Postweg abgesehen sehr ruhigen Ecke Drevenacks wäre die Folge. Laster den ganzen Tag über, monatelang. Zwar soll es für Grund und Boden Entschädigungen geben. „Drei Euro pro Quadratmeter – das ist nichts, wenn man bedenkt, dass die Äcker zum Teil nicht mehr nutzbar wären.“ Dickmann nennt einen Acker, den er der Waldbaumschule verpachtet hat, als Beispiel.

„Wir leisten soviel passiven Widerstand wie möglich“

Für Martin Dickmann und seine Nachbarn steht fest: „Wir leisten soviel passiven Widerstand wie möglich. Bislang hat uns von Zeelink noch niemand angesprochen.“

Eine weitere Sorge treibt die Trassenanlieger um: Auch die A-Nord-Gleichstromleitung von Amprion wird von Emden bis Osterrath abseits des Ruhrgebiets über das „platte Land“ geführt. Und im Rahmen der Trassenbündelung eben über Drevenack, fürchten sie.

Sorgenvoller Blick auch auf das Amprion-Projekt

„Von Amprion hat uns niemand die Angst nehmen können, dass 2022 Zeelink die Gräben zuschüttet und Amprion sie 2023 wieder aufreißt“, sagt Arnd Cappell-Höpken, CDU-Kreistagsmitglied, sachkundiger Bürger im Hünxer Rat und nicht zuletzt Drevenacker Landwirt. „Ich kann immernoch nicht verstehen, dass man nicht zwischen Lippe und Kanal plant und durch den Dämmerwald geht.“ Die Abwägung zu Gunsten des Naturschutzes könne er nicht nachvollziehen, sagt Arnd Cappell-Höpken.

Martin Dickmann blickt ebenfalls mit Sorge auf das Amprion-Projekt. „Es gibt in Deutschland nur wenige 380-KV-Leitungen. Keine von ihnen liegt neben einer Gasleitung.“ Für die Amprion-Leitung, vorausgesetzt sie liegt an der Zeelink-Trasse, gäbe es umfangreiche Erdbauarbeiten direkt neben der Gaspipeline. Obschon Amprion bislang noch keine Details, sondern nur mögliche Korridore bekannt gegeben hat, raubt dieser Gedanke manchem den Schlaf. Nicht nur in Drevenack.

>> KONTAKT UND ZIELE

  • Die TrassengegnerDie Trassengegner haben eine Homepage im Internet auf www.todes-trasse-nein-danke.de. Ansprechpartner ist Rainer Rehbein, 02858/9176604. Per Email ist die Initiative unter info@todes-trasse-nein-danke.de erreichbar.
  • Ziel der Initiative Ziel der Initiative ist es, eine Klage gegen das Planfeststellungsverfahren zu erzwingen. Dafür soll sich Politik und Verwaltung in Hünxe einsetzen, fordern die Aktiven. „Wir verlangen die Untersuchung alternativer Trassenvarianten.“

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