ÖPNV

Schlechte Noten für Nahverkehr in Dinslaken, Voerde Hünxe

Wenn am BahnhofDinslaken der Zug einfährt, ist der Anschlussbus mitunter schon weg. 

Wenn am BahnhofDinslaken der Zug einfährt, ist der Anschlussbus mitunter schon weg. 

Foto: Markus Joosten

Dinslaken/Voerde/Hünxe.   Keine vernünftige Taktung, Verspätungen, verpasste Anschlüsse – so urteilen Bürger über den ÖPNV. Stadtteile am Wochenende schwer erreichbar.

„Eine Busfahrt, die ist lustig, eine Busfahrt, die ist schön...“ – Ob sie wirklich so schön ist, daran lässt das Bürgerbarometer zweifeln. Wer auf den Bus angewiesen ist, sei es beruflich, als Schüler oder als „autoloses Wesen“, der hat eindeutig das Nachsehen in der Region. Zwei Selbstversuche an zwei Tagen brachten es ans Licht – NRZ-Volontär Lucas Bayer musste in Spellen auf der Mitfahrerbank weniger lange warten als Jürgen Pötz, VdK, und ich bei unseren Busrundfahrten.

Senioren: Fahrtzeiten richten sich nach Schülern

Während man in Dinslaken noch so einigermaßen von A nach B kommt, vorausgesetzt man hat keine Termine einzuhalten, ist man in einigen Voerder und Hünxer Ortsteilen ganz aufgeschmissen. Die Dinslakener Seniorenunion führt in ihrer Beschwerde an, dass 30 Prozent der Bürger die Altersgrenze von 65 Jahren überschritten hätten und viele von ihnen auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen seien. Die Niag richte ihre Fahrtzeiten und Ziele jedoch nach Schülern und Berufstätigen.

Für Berufstätige oft zu unzuverlässig

Bestätigen konnten dies die Berufstätigen bei Umfragen nur bedingt. „Der 17er Bus kommt regelmäßig zu spät am Bahnhof an“, erzählt Pascal Grundhöfer. Er arbeite in Krefeld, mit dem Auto zu fahren bedeute auf dieser Strecke Stau pur. Doch ärgern ihn die unzuverlässigen Zeiten der Busse ebenfalls. „An Schultagen fährt der 17er in Hiesfeld die Schule an, da gibt es grundsätzlich Verzögerungen, mein Zug ist dann längst weg. Sonntags fahre ich mit dem Rad zum Bahnhof.“

Übervolle Busse im Schülerverkehr

Andere Berufstätige beschweren sich bei unserer Facebook-Umfrage zum Thema, dass die Busse morgens zu spät führen, vor allem aus Lohberg. Um 5.30 Uhr fährt der erste Bus, zu spät für diejenigen, die um 6 Uhr arbeiten müssen. An Samstagen sehe die Sache noch schlimmer aus. Und abends – lange Wartezeiten, keine vernünftige Anpassung Zug/Bus, stundenlanges Warten. Schüler wissen ähnliches zu berichten. Hier sei noch anzumerken, dass meist bei hoher Schülerfrequenz zu kleine Busse eingesetzt werden, die Busse also übervoll sind. Auch die Taktung zu anderen Zeiten sei ein Desaster. Maria Röbel ist ständig mit den Linien 19 und 25 unterwegs. Auf den Rollator angewiesen kann sie die Strecken zwischen ihrer Wohnung und dem Altenheim, in dem ihr Mann lebt, nur mit dem Bus bewältigen. Dafür muss sie zwei Linien benutzen, die aber nicht anschlusskompatibel sind. Was bedeutet, sie muss eine halbe Stunde warten.

Freizeit mit Bus – schwierig

Das Voerder Ärztehaus an der Haltestelle Klosterkamp ist oftmals nur mit dem Taxibus zu erreichen, Friedrichsfeld kaum noch. Der 18er Bus von Holten über Möllen nach Voerde fährt am Sonntag gar nicht mehr. Kinobesuch – unmöglich. Hünxe ist ab Samstagnachmittag gar nicht zu erreichen. Das Schoko-Ticket zum Kino- oder Freundesbesuch nutzen – ein Witz, so die Umfrage. Auch andere Freizeitregionen wie Götterswickerhamm, Schloss Raesfeld am Wochenende, der Jugendzeltplatz Heidebrinkschule oder die Tenderingsseen sind per Bus nicht zu erreichen.

Hintergrund

Das NRZ-Bürgerbarometer kennen Sie, liebe Leserinnen und Leser, ja bereits. Zuletzt wurde es in Dinslaken im Sommer 2015 durchgeführt. In diesem Jahr steht nicht eine Stadt sondern die Region Niederrhein im Mittelpunkt – was die Niederrheiner über den ÖPNV denken, lesen Sie heute auf der Seite „Wir am Niederrhein“.

Beim letzten Bürgerbarometer 2015 wurden auch die Menschen in Dinslaken zu den Bereichen des öffentlichen Lebens befragt. Damals schnitt der Öffentliche Nahverkehr von allen Bereichen am schlechtesten ab. Der miserable Zustand des Bahnhofs spielte dabei eine Rolle – damals war der Bahnsteig noch nicht barrierefrei erreichbar, was mittlerweile durch den Aufzug der Fall ist. Aber auch das nicht passgenaue Busangebot wurde in der Bürgerbefragung kritisiert. In Lohberg wurde das ÖPNV-Angebot noch negativer bewertet als in den anderen Stadtteilen.

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