Extraschicht

Schweiß und Kraftarbeit bei der Extraschicht in Lohberg

Wie ein Phönix mit rotem Gefieder:  Janine Eggenberger „fliegt“ am Trapez in luftigen Höhen der Zechenwerkstatt.

Wie ein Phönix mit rotem Gefieder: Janine Eggenberger „fliegt“ am Trapez in luftigen Höhen der Zechenwerkstatt.

Foto: Markus Joosten / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Unter dem Motto „Phönix“ hat die Extraschicht etwas von den alten Bergbau-Zeiten in Lohberg auferstehen lassen. Viele Besucher kamen.

Es ist heiß und den Männern, die hier Schwerstarbeit leisten, tropft der Schweiß von den muskulösen Körpern. Wenn die Extraschicht in Lohberg mit ihrem Motto „Phönix“ etwas von den alten Bergbau-Zeiten in Lohberg auferstehen lassen wollte: Der Zechenwerkstatt ist es an diesem Abend mit Temperaturen, die sehr an jene unter Tage erinnerten, gelungen, den vielen Besuchern ein Gefühl von früher zu vermitteln.

Die Show stand für den Wandel

Ansonsten stand die Show von Raoul Schoregge im Anschluss an die traditionelle Eröffnung durch den MGV Concordia für den Wandel: Faszinierende Artistik, komische Clownsnummern und die mitreißende Musik von Farfarello begeisterten in der einstigen Werkstatt des Bergwerks Lohberg.

Jede Drehung erfolgt punktgenau

Rot gekleidet wie die Federn des Phönix schwebt Trapezkünstlerin Janine Eggenberger unterm Hallendach, und jeder Wechsel der Pose, jede Drehung erfolgt punktgenau auf den Rhythmus und die Akzente der Musik. Vor acht Jahren hat das Trio um „Teufelsgeiger“ Mani Neumann erstmals mit dem Chinesischen Nationalcircus eine Show entwickelt. Auch für die rund einstündige Show am Samstag erarbeiteten die Artisten ihre Nummer nach Aufnahmen von Farfarello. „Und wir covern uns sozusagen selbst“, so Neumann, ein ungewohntes Procedere für die Musiker, die für ihre Improvisationslust bekannt sind und deren Auftritt als „beste Zirkusband der Welt“, so Raoul Schoregge, eigens Fans zur Extraschicht lockte.

Chinesische Akrobaten faszinieren

Wie machen die das? Dass die Messoudi Brothers für das weibliche Publikum mit ihren smarten Anzügen und durchtrainierten Körpern eine Augenweide sind, überrascht nicht. Wie man aber bei allem Training es schaffen kann, quasi schwerelos in der Waagerechten zu schweben oder sich umzudrehen, wenn man einen anderen auf den Füßen balanciert, ist einfach verblüffend. Früh übt sich zeigten die jungen Artistinnen der Funtastix aus Fulda – und die Balance-Nummern der chinesischen Akrobaten faszinierten immer wieder aufs Neue.

Während auf der Hauptbühne afrikanische Trommeln dröhnen, geht es im Fördermaschinenhaus ruhig, geradezu mystisch zu. Die Bodeninstallation von Doris Kook aus teils von innen beleuchteten Papiergebilden, die aus der Asche entsteigen, bleibt rätselhaft und zieht gerade deshalb in den Bann. Ulrike Int-Veen malt mit Sand aus Peru, Rainer Höpken zeigt – wie Kai Dauvermann in der Zechenwerkstatt – Fotos vom Zechenareal. Es gibt Klangimprovisationen von Ingo Borgardts, flammengleiche Bewegungen in wehenden Gewändern von einer Eurythmie-Gruppe der Waldorfschule.

Transformationen: Christian Stephan Klein hat Details aus Bildern von Walburga Schild-Griesbeck fotografiert und zu abstrakten Landschaften vergrößert. Im Atelier freiart spricht man derweil Ruhrgebietsdeutsch, „dem Steiger seine Frau“ führt Gäste übers Zechengelände.

Irgendwann weicht „Hot time / summer in the City“ von Cocky Joe“ dem „Ain’t no sunshine“ von Melvin Schulz Menningmann nach Sonnenuntergang. Jene Zeit, wenn für eine Extraschicht noch lange nicht Schicht ist.

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