Flüchtlinge

„Seenotrettung ist kein Verbrechen“: Demo in Dinslaken

Die Demonstranten auf dem Neutroplatz in Dinslaken solidarisierten sich mit der Seenotrettung.

Die Demonstranten auf dem Neutroplatz in Dinslaken solidarisierten sich mit der Seenotrettung.

Foto: Heiko Kempken / Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Menschen in Dinslaken demonstrierten gegen die Kriminalisierung der Seenotrettung. Die Kirchen hatten zur Teilnahme an der Demo aufgerufen.

Knallig orange leuchten die auf dem Boden liegenden Rettungswesten im Sonnenschein, dazwischen schwimmen Papierschiffchen auf dem Pflaster des Neutorplatzes. Auf ihnen ist die Forderung zu lesen: „Free Carola Rackete“. Daneben Plakate mit der Aufschrift „Öffnet die Häfen“ oder „Seenotrettung ist kein Verbrechen“. Die Botschaft der Menschen, die am Samstagmorgen ein Banner mit dem Schriftzug „Wir sind nicht alle – es fehlen die Ertrunkenen! Stoppt das Sterben, nicht die Retter“ hochhielten, war klar. Sie folgten dem Aufruf des Kirchenkreises der evangelischen Kirche, nahmen an der bundesweiten Demonstration der Bürgerbewegung „Seebrücke“ teil und solidarisierten sich mit Kapitänin Carola Rackete.

„Die Rettung eines Menschenleben muss höchste Priorität haben“

„Die Rettung eines Menschenleben muss höchste Priorität haben und darf nicht zu einer Straftat werden“, forderte Friedhelm Waldhausen, Superintendent des Kirchenkreises Dinslaken. „Wir sind dankbar für den Mut von Carola Rackete und für viele andere Seenotretter“, sagte Waldhausen und machte deutlich, dass Seenot auch etwas mit Lebensnot zu tun habe, die der Grund dafür sei, dass sich die Menschen auf den Weg machten, um ihr zu entkommen.

Gleichzeitig appellierte er an ein Umdenken des eigenen Verhaltens: „Wir als Bürger eines reichen Landes tragen für die Lebensnot mit Verantwortung durch ungerechte wirtschaftliche Verhältnisse.“ Das Leid der in Seenot geratenen Menschen ermahne dazu, den „Lebensstil zu bedenken und zu ändern“, denn die Erde gehöre allen Menschen. „Die Würde ist unverbrüchlich und Rettung ist Ausdruck von Würde“, schloss Friedhelm Waldhausen seine Ansprache.

„Zweifel an den viel beschworenen Werten der europäischen Gemeinschaft“

In den Gemeinden seien viele in der Flüchtlingshilfe tätig, berichtete der Superintendent. Meldungen wie die von der Verhaftung Carola Racketes riefen bei ihm Enttäuschung und „Zweifel an den viel beschworenen Werten der europäischen Gemeinschaft“ hervor, aber er hoffe auf ein friedliches Miteinander und Zusammenleben aller Menschen in der Gesellschaft. Die Kirche sei ein gutes Vorbild dafür, dass dies gelingen könne, so Waldhausen.

„Flüchtlinge willkommen“

Die Demonstranten wollen, dass sich etwas ändert. Unter ihnen war Dr. Martin Höffkes. „Flüchtlinge willkommen“ stand auf dem Schild, das er in der Hand hielt. Er verstehe die Diskussionen um Begrenzung und das Wort Flüchtlingskrise nicht. „Man spürt davon sehr wenig, vielleicht zu wenig“, meinte er. Auch Michael Ahls findet die Neid-Debatte schlimm. Er, beim Jugendamt der Stadt tätig, hat mit minderjährigen Flüchtlingen zu tun und einen „riesigen Respekt davor, wie sie die Belastung stemmen“. Sie seien wissbegierig was Sprache und Bildung betrifft, wollen eine Ausbildung machen. „Man muss helfen, da gibt es nichts zu diskutieren“, sagte auch Marion Hüls, die sich dazu gesellt, „man darf Lebensrettung nicht verweigern!“

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