So trainieren Heimatläufer in Dinslaken Körper und Geist

Dr. med. Wolfgang Zinser, Dr. med. Astrid Koch, Michael Büscher, Dr. med. Barbara Florange, stellv. Chefredakteur der NRZ Ralf Kubbernuß und Marc Rüter im St. Vinzenz Hospital.

Dr. med. Wolfgang Zinser, Dr. med. Astrid Koch, Michael Büscher, Dr. med. Barbara Florange, stellv. Chefredakteur der NRZ Ralf Kubbernuß und Marc Rüter im St. Vinzenz Hospital.

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Warum sich mentale Vorbereitung beim Laufen auszahlt, erfuhren Interessierte beim Gesundheitsforum von NRZ und St. Vinzenz-Hospital in Dinslaken.

„Jeder, der aufsteht und läuft, ist ein Sieger“, so der allumfassende Satz von Dr. Astrid Koch, Chefärztin für Innere Medizin am St. Vinzenz-Hospital, am Dienstag beim Gesundheitsforum von NRZ und dem Krankenhaus. Vor einem Jahr hatte die NRZ die Idee, Sportmuffel zum Laufen und gesunden Lebenswandel zu bewegen, und startete die Aktion Heimatläufer. Waren es damals noch 100 Läufer, die sich spontan anmeldeten, konnten in diesem Jahr 200 Teilnehmer verzeichnet werden, berichtet Ralf Kubbernuß, stellvertretender NRZ-Chefredakteur, den Besuchern im Medienzentrum des Hospitals. Leser und Redakteure trafen sich gemeinsam zu neun Volksläufen am Niederrhein. „Wir verfolgen keine Bestleistungen, die Fitness steht bei den Heimatläufern im Vordergrund“, erklärte Kubbernuß. Um einen gesunden Körper und einen gesunden Geist ging es auch beim Gesundheitsforum. Oder anders ausgedrückt: Was ist bei Rücken- und Hüftschmerzen zu beachten, was macht Laufen mit dem Herzen und wie kann ich mich richtig motivieren?„Laufen ist wichtig für Herz und Kreislauf“, stellte Chefärztin Astrid Koch fest. Laufen verjünge das Herz, auch bei Menschen, die zuvor nie Sport getrieben hätten. Stresshormone würden abgebaut, Kalorien verbraucht, man sei fitter. „Laufen ist ein Miniurlaub für den Körper, der dabei Glückshormone ausschüttet“, erklärte Koch.

Doch vor dem Laufen sollte man sich durchchecken lassen mit EKG und Belastungs-EKG, besser noch einer Ultraschalluntersuchung, bei der man strukturelle Herzschädigungen sofort erkennen könne. Nun sollte man jedoch nicht meinen, gleich Durchstarten zu können mit Citylauf und Marathon. Zeit zur Vorbereitung lassen sollte man sich schon. Die richtige Motivation könne hierbei Wunder wirken, berichtete Dr. Barbara Florange, Chefärztin der Psychiatrie. Mentale Stärke könne die sportliche Leistung verbessern. Doch mentale Stärke sei nicht angeboren, trainierbare Bereiche seien beispielsweise Motivation, Konzentration und die mentale Wettkampfsvorbereitung. Dabei führen klar formulierte Ziele zu besseren Ergebnissen“, so Dr. Florange. „Mentale Stärke übt das eigene Potenzial auszuweiten. Die Fähigkeit das Gefühl abzurufen, das auftritt, wenn Sie Ihre volle Wettkampfleistung erbracht haben, hilft physische und mentale Leistungstiefs umzuformulieren. Hierbei können Ablenkungen, positive Affirmationen oder Stop-Training ebenso helfen, wie Imaginationen in allen sensorischen Bereichen“, so Dr. Florange.

Dies bedeute allerdings nicht, den Geist abzuschalten oder einen Rausch hervorzurufen, wie dies bei Marathonläufern oft beobachtet werden kann. „Ich muss immer wieder rausschalten, einen Check durchführen, dann wieder abschalten und weiterlaufen“, so Florange. Denn Warnsignale seien durchaus zu beachten, formulierten Marc Rüter und Michael Büscher, Oberärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Um Rücken und Hüfte ging es bei ihren Vorträgen. Rückenschmerzen bei Läufern seien kein häufiges Problem, so Marc Rüter. Sollte es aber dennoch zu Beschwerden in diesem Bereich kommen, seien die Ursachen zumeist in einer zu schwachen Rumpfmuskulatur, einer zu schwachen Gesäßmuskulatur oder Hüftlendenmuskulatur zu finden.

Acht Stunden täglich krummes Sitzen seien eine größere Belastung für den Rücken als dreimal eine Stunde Laufen pro Woche. Treten leichte Beschwerden auf, sollten Läufer ihre Lauftechniken optimieren, eine Bewegungsanalyse durchführen, ihre Muskulatur aufbauen und kräftigen, eventuell durch Krafttraining, die Laufschuhe überprüfen. Vor allem aber auf den eigenen Körper hören. Denn wenn man nach einem Lauf vor lauter Muskelkater nicht mehr hochkommt, es an seltsamen Körperstellen zwickt – sollte man dringend den Trainingsumfang reduzieren, um keine Verletzungen zu riskieren, so Marc Rüter. Ähnlich sieht es bei Hüftproblemen aus.

Auch hier, sieht man mal von Fehlstellungen und dergleichen ab, helfe oftmals ein Überdenken des Trainingsablaufes. Beschwerden kämen vor allen in den Bereichen Leisten, Seite und Gesäß vor. Schmerzt es in der Leiste, könne man von einer Überlastung der Adduktoren- oder Hüftbeugemuskulatur ausgehen.

Bei Schmerzen auf der Beckenaußenseite oder dem Bereich des Oberschenkelknochens sollte man auf Lauftechnik und Beinnachstellung achten. Verspannungspunkte in der Gesäßmuskulatur können Rückenschmerzen und auch Bandscheibenvorfälle verursachen oder vortäuschen. In allen Fällen heißt es: den Trainingsplan optimieren, alternative Sportarten einbauen, Regenerationszeiten beachten, Schmerzen ernst nehmen, Überbeanspruchung vermeiden. Und so steht einem Mitlaufen als Heimatläufer im kommenden Jahr nichts mehr entgegen.

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