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Gebühren für bargeldloses Zahlen: Nispa am teuersten

Immer mehr Bürger zahlen auch im Kreis Wesel bargeldlos. Je nach Kontomodell kann das teuer werden.

Immer mehr Bürger zahlen auch im Kreis Wesel bargeldlos. Je nach Kontomodell kann das teuer werden.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Kreis Wesel.  Niederrheinische Sparkasse nimmt bundesweit höchste Gebühren für bargeldloses Zahlen. Volksbank auf Platz 2 in NRW. Diese Konten sind betroffen.

„Bitte bargeldlos bezahlen“ – diese Aufforderung ist seit der Corona-Pandemie in fast jedem Geschäft zu finden. Für manche Bürger kann das Befolgen dieser Bitte allerdings teuer werden. Denn bei einzelnen Kontomodellen der Niederrheinischen Sparkasse (Nispa) und der Volksbank Rhein-Lippe werden bei jeder bargeldlosen Zahlung Gebühren fällig. Die Nispa zieht mit 70 Cent pro Buchung bundesweit die höchsten Gebühren ein, in NRW liegt die Voba mit 59 Cent auf Platz 2 – diese Zahlen hat der Finanzdienstleister Biallo jetzt veröffentlicht.

Diese Kosten können anfallen

Bei der Niederrheinischen Sparkasse ist das Kontomodell „Giro Nispa Klassik“ betroffen. Hier werden laut Preisliste für „sonstige Buchungen“ – also Gutschriften Überweisungen, Abbuchungen, Daueraufträge und Lastschriften – jeweils 70 Cent fällig. Wer zweimal am Tag bargeldlos zahlt, dem drohen laut Biallo dafür Gebühren in Höhe von 504 Euro im Jahr.

Bei der Volksbank Rhein-Lippe sind die Kontomodelle „Voba VR Klassik“ (59 Cent pro „belegloser Buchung“ also „Gutschrift, Lastschrift, Entgelte, Scheckbelastung“) und „VR Online“ (12 Cent) betroffen. Legt man die Biallo-Rechnung zugrunde, würden hier bei zwei Zahlvorgängen am Tag jährlich 424 Euro bzw. 86 Euro fällig. Der Finanzdienstleister fürchtet, dass vielen Kunden diese Gebühren nicht bewusst sind und sie demnach der Abrechnung eine böse Überraschung erleben könnten.

Das sagt die Nispa

Für Friedrich-Wilhelm Häfemeier, Vorstandsvorsitzender der Niederrheinischen Sparkasse Rhein-Lippe, kommt die Veröffentlichung von Biallo zur Unzeit. Sie sei „irreführend und ärgerlich“, sagt er. Die Nispa habe verschiedene Kontomodelle. Das meistgenutzte Modell sei das Giro-Online-Konto, bei dem keine Gebühren fürs bargeldlose Zahlen anfallen.

„Das Klassik-Konto nutzen Menschen, die gerne die Filiale aufsuchen und eben nicht online zahlen.“ Bargeldloses Zahlen sei mit diesem Kontomodell zwar möglich, aber nicht „vorgesehen“ und koste daher Gebühren. Das Modell sei für „ganz andere Kunden gedacht“: Die Kunden, die das Klassik-Konto nutzen, würden ihr Bargeld häufig in einem Betrag abholen und dafür dann einmal Gebühr zahlen – auch für das Banking in der Filiale und das Geldabheben am Automaten fallen bei diesem Modell Gebühren an – und mit klassischen Überweisungen arbeiten. „Das sind wenige Kunden, aber die Menschen, die das Konto nutzen, sind nicht die klassischen User, die mit der EC-Karte zahlen“.

Sparkasse kontaktiert Kunden

Das Konto gebe es bereits seit mehreren Jahren – die Modelle wurden im Rahmen der Fusion der Sparkassen Dinslaken und Wesel umgestellt. Wenn das Klassik-Konto fürs bargeldlose Zahlen genutzt werde, sei das „teuer“, bestätigt Häfemeier. Allerdings könnten Kunden in andere Modelle – „Online“ oder das teurere „Komfort“ wechseln, bei denen diese Gebühr nicht anfalle.

Auch die Sparkasse empfehle derzeit, kontaktlos zu zahlen, „weil das einfach hygienischer ist“, so Häfemeier. Die Mitarbeiter der Nispa würden daher aktuelle die Kunden anrufen und ihnen empfehlen, auf ein anderes Kontomodell umzusteigen. „Es gibt aber auch Menschen, die das nicht umgestellt haben wollen, weil sie ohnehin nicht online zahlen möchten.“

Digitalisierung durch Corona

Die Corona-Pandemie habe einen ohnehin schon bestehenden Trend verstärkt: Der beleghafte Zahlungsverkehr liege bei „ zehn bis 20 Prozent“, so Häfemeier, die allermeisten Zahlungen würden heute bargeldlos geleistet. „Das war schon immer ein Trend und wurde während der Coronazeit verstärkt“. Corona, so Häfemeier, „bringt uns einen Digitalisierungsschub“. Viele Kunden hätten zuletzt auf Apple-Pay umgestellt, auch der Lockdown habe das digitale Zahlen – etwa über Amazon – bestärkt. „Unser Verhalten wird klar digitalisiert.“

Das sagt die Voba

„Auch wir können bestätigen, dass die Möglichkeit des kontaktlosen Bezahlens in der aktuellen Situation verstärkt von unseren Mitgliedern und Kunden genutzt wird“, so Daniel Bügers, Bereichsleiter Marketing und Vertriebsmanagement der Volksbank Rhein-Lippe.

Die Voba hat die aktuellen Kontomodelle im April 2019 eingeführt. „Bei der Gestaltung der Kontomodelle wurde speziell auf die unterschiedlichen Bedürfnisse unserer Mitglieder und Kunden Rücksicht genommen“, so Bügers. Sie sollen das „nach ihren individuellen Präferenzen und ihrem Nutzungsverhalten das für sie ideale Modell wählen“. Bei verstärkter Nutzung der beleglos Transaktionen könnten die Kunden „in ein Pauschalmodell wechseln, in dem diese Buchungsposten inkludiert sind“.

Bislang lasse sich aber „keine vermehrte Wanderungsbewegung“ aus den Kontomodellen VR-Klassik oder VR-Online feststellen, so Bügers.

Hintergrund

Von den 820 untersuchten Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken bundesweit erheben laut Biallo 401 Gebühren fürs bargeldlose Zahlen. Diese liegen zwischen 2 Cent und 70 Cent pro Vorgang. Durchschnittlich werden 34 Cent fällig.

Die ganze Erhebung: biallo.de/girokonto/news/jede-zweite-bank-kassiert-beim-bargeldlosen-zahlen/

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