Zeelink

Stadt Voerde lehnt Trassenverlauf für Erdgaspipeline ab

Vertreter der Firma Open Grid Europe werden das Pipeline-Projekt Zeelink am 14. November im Planungs- und Umweltausschuss der Stadt Voerde vorstellen.

Vertreter der Firma Open Grid Europe werden das Pipeline-Projekt Zeelink am 14. November im Planungs- und Umweltausschuss der Stadt Voerde vorstellen.

Foto: Open Grid Europe

Voerde.   Voerde fordert zum Zeelink-Projekt eine an die Gefahrensituation angepasste Trassenplanung. Vorhabenträgerin informiert im Fachausschuss.

Die Voerder Politik wird in der kommenden Woche über die Stellungnahme der Stadt zum umstrittenen Bau der Erdgasfernleitung Zeelink beraten. In dem von der Verwaltung erarbeiteten Positionspapier lehnt die Kommune den beabsichtigten Trassenverlauf der Pipeline ab und fordert, diesen neu zu planen. Die Stadt argumentiert mit der potenziellen Gefährdung für den Menschen und beruft sich auf einen Bericht der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) aus dem Jahr 2009 zu „den Risiken des Transportes flüssiger und gasförmiger Energieträger in Pipelines“.

Stadt Voerde gibt auch bergbauliche Einwirkungen zu bedenken

Danach seien im Havariefall erhebliche Zerstörungen in einem Abstand von etwa 350 Metern beidseits der Gastrasse zu erwarten. Bei vielen Gaswolkenexplosionen bestehe innerhalb eines Schadensradius’ von etwa 100 Metern nahezu keine Überlebenschance, „bei einem vergleichbaren Leitungsdurchmesser wurde eine tödliche Verletzung in 200 Metern Radius aufgeführt“. Hauptunfallursache sei die unbeabsichtigte äußere Einwirkung Dritter – etwa durch Baggerarbeiten, führt die Stadt weitere Aussagen aus dem Forschungsbericht der BAM an und verweist ihrerseits darauf, dass in Voerde mit „bergbaulichen Einwirkungen“ gerechnet werden müsse.

Die im Raumordnungsverfahren gefundene Trasse verlaufe teilweise in einem Abstand von unter 100 Metern zu bestehenden Wohngebäuden im Außenbereich, argumentiert die Kommune, weshalb sie fordert, „erheblich größere, der potenziellen Gefahr angemessene Abstände zu verwirklichen“. Dies hält sie insbesondere im Bereich nordwestlich von Spellen für notwendig. Eine Alternative fordert sie im Fall der Außenbereichssatzung „Hufstraße“, wo die Pipelinetrasse „sogar auf einem direkt angrenzenden Grundstück“ verlaufe.

Auch mit Blick auf das Gewerbegebiet Grenzstraße sieht Kommune Notwendigkeit einer Neuplanung

Auch beim Gewerbegebiet Grenzstraße will die Stadt eine Neuplanung der Trassenführung und argumentiert mit einem hohen Schutzstatus, der durch die große Anzahl an Arbeitsplätzen und hohe Kundenfrequenz gegeben sei. Nach vorgelegter Planung ist südlich des Gewerbegebietes Grenzstraße eine Trassenbündelung mit einer bereits vorhandenen Gasfernleitung vorgesehen.

Die Stadt würde auch ein neues Raumordnungsverfahren fordern – nämlich dann, wenn der zur Verfügung stehende Korridor für eine an die Gefahrensituation „angepasste, adäquate Trasse“ nicht ausreiche. Das Schutzgut Mensch genieße für sie „oberste Priorität“.

Auch die Mindestüberdeckung der Erdgasfernleitung von einem Meter auf freier Feldflur hinterfragt die Stadt mit Hinweis auf die im Forschungsbericht der BAM angeführte äußere Einwirkung durch Dritte. Die Mindestüberdeckung müsse angesichts des in der landwirtschaftlich eingesetzten schweren Gerätes erhöht werden.

Deichkörper darf durch die Rheinquerung keinesfalls beeinträchtigt werden, fordert die Stadt

Geregelt wissen will die Stadt im Planfeststellungsverfahren, wie mit den Belangen anderer Leitungstrassen wie etwa der Gleichstrom-Energieleitung des Unternehmens Amprion im Zusammenhang mit Zeelink auf Voerder Gebiet verfahren wird. Ein weiterer Punkt in der Stellungnahme betrifft die Querung des Rheins durch die Erdgas-Pipeline. Die Stadt fordert hier, dass der vorhandene Deichkörper auf keinen Fall eine Beeinträchtigung erfahren darf und die geplanten Baumaßnahmen frühzeitig mit dem Deichverband Mehrum abzustimmen sind.

Eine weitere Forderung: Soweit das Trinkwasserschutzgebiet Löhnen tangiert werde, sei bei der Anlage des Rohrleitungsgrabens und der anschließenden Wiederverfüllung darauf zu achten, dass die hydraulische Trennung der Grundwasserstockwerke ober- und unterhalb der Auelehmschichten beibehalten wird. Insbesondere seien Maßnahmen zu treffen, dass keine wassergefährdenden Stoffe (etwa beim Betrieb von Baumaschinen) in den Untergrund gelangen. (P.K.)

>>Info: Fachausschuss berät am 14. November in Friedrichsfeld über Stellungnahme der Stadt

Als erstes befasst sich am 14. November der Planungs- und Umweltausschuss mit der Stellungnahme der Stadt zu Zeelink. Die Sitzung beginnt um 17 Uhr in der Aula des Gymnasiums.

Zunächst wird in der Sitzung ein Vertreter der Firma Open Grid Europe das Vorhaben vorstellen, gegen das sich seitens der Bürgerschaft in Voerde und Hünxe viel Widerstand regt.

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