Frühe Hilfen

„Startchancen“ werden in Voerde wahrscheinlich fortgesetzt

Die Awo möchte mit ihrem Projekt „Startchancen“ Schwangere und Familien so früh wie möglich unterstützen und begleiten.

Foto: Bauer Dirk

Die Awo möchte mit ihrem Projekt „Startchancen“ Schwangere und Familien so früh wie möglich unterstützen und begleiten. Foto: Bauer Dirk

Voerde.   Das Awo-Projekt „Startchancen“ wird in Voerde wohl fortgesetzt. Darauf deutet das Votum im Hauptausschuss hin. CDU: kein „Ewigkeits“-Beschluss.

Die Zeichen dafür, dass in Voerde das Projekt „Startchancen“ des Kreisverbandes Wesel der Arbeiterwohlfahrt (Awo) fortgesetzt wird, stehen gut: Nachdem das Fachgremium, der Jugendhilfeausschuss, in der vergangenen Woche dies einstimmig empfohlen hatte, folgte der Haupt- und Finanzausschuss in dieser Woche mit ebenfalls einhelligem Votum.

Kreis zieht sich zu einem großen Teil aus Mitfinanzierung des Projekts zurück

Dass darüber überhaupt beraten und beschlossen werden muss, liegt darin begründet, dass sich der Kreis Wesel zu einem großen Teil aus der Mitfinanzierung der „Startchancen“ zurückzieht. „Das Angebot soll künftig nur noch für die Jugendamtsgemeinden des Kreises bereitgestellt werden“, erläutert die Voerder Verwaltung in der Vorlage für die Politik. Heißt: Kommunen mit eigenem Jugendamt müssen ab 1. Januar 2018 selbst für das Projekt aufkommen, bei dem Frauen in der Schwangerschaft und Familien frühzeitig beraten, begleitet und unterstützt werden. Das letzte Wort hat am 17. Oktober der Stadtrat.

SPD-Ratsfrau Ulrike Schwarz betonte die Bedeutung des Projektes – ohne dessen Fortführung werde eine „Lücke“ in der Präventionskette entstehen. Immer mehr Familien bedürften dieser Betreuung. Bleibe nur zu hoffen, dass sich der Rückzug des Kreises auf die Kreisumlage auswirken werde. Kämmerin Simone Kaspar sagte, die entsprechende Summe – rund 137 000 Euro insgesamt – solle herausgerechnet werden. Im Voerder Fall gehe es um etwa 10 300 Euro. Der Zuschuss, den die Stadt ab 2018 zu zahlen hätte, liegt bei 12 850 Euro, so dass unter dem Strich ein Mehraufwand von 2550 Euro bliebe.

WGV sieht bei der Finanzierung das Land mit in der Pflicht

CDU-Fraktionsvorsitzender Ingo Hülser (CDU) machte für die Christdemokraten klar, dass dieser Beschluss „keine Signalwirkung in alle Ewigkeit“ habe und man schauen müsse, ob man tatsächlich die Awo vor Ort brauche. Christian Garden, Fraktionschef der Wählergemeinschaft (WGV), sieht die Notwendigkeit, kritisch zu hinterfragen, ob es Aufgaben der Kommunen ist, „dies aus eigenen Mitteln zu finanzieren“. Er sehe hier das Land in der Pflicht.

Bürgermeister Dirk Haarmann bestätigte dessen Auffassung etwa mit Blick auf die „Hilfen zur Erziehung“ – hier erwartet die Stadt in diesem Haushaltsjahr einen enormen Mehraufwand (aktuell geht man von 1,57 Millionen Euro aus). Die Auswirkungen gesellschaftlicher Entwicklungen träfen am Ende die Kommunen, sagte der Verwaltungschef. Das Thema Prävention aber sei auch Aufgabe der Jugendämter. Haarmann hielte es für richtig, die Durchführung des Projektes zentral auf Kreisebene zu belassen. „Eine gut wahrgenommene Aufgabe auf höherer Ebene wird jetzt delegiert.“ Würde der Kreis das Angebot der Awo nicht für wichtig erachten, hätte er „es ganz eingestellt“, sagte Haarmann.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik