SPD-Landratskandidat bei NRZ

Stichwahl: Peter Paic möchte gestalten, nicht nur verwalten

SPD-Landratskandidat Dr. Peter Paic und Landrat Dr. Ansgar Müller besuchten die NRZ-Redaktion in Dinslaken.

SPD-Landratskandidat Dr. Peter Paic und Landrat Dr. Ansgar Müller besuchten die NRZ-Redaktion in Dinslaken.

Foto: Judith Michaelis / FUNKE Foto Services

Dinslaken/Kreis Wesel.  SPD-Landratskandidat Dr. Peter Paic ist vor der Stichwahl am Sonntag optimistisch. Im NRZ-Gespräch kamen viele anzugehende Themen auf den Tisch.

Die Frage, wer künftig Landrat im Kreis Wesel sein wird, beantworten die Wähler bei der Stichwahl am kommenden Sonntag, 27. September. Ingo Brohl (CDU) holte im ersten Anlauf 36,42 Prozent der Stimmen, Dr. Peter Paic (SPD) 30,99. Jetzt beginnt das Werben um die Wähler, vor allem die der Grünen, denn Kandidatin Petra Schmidt-Niersmann kam auf beachtliche 17,55 Prozent.

Der Sozialdemokrat Peter Paic (52 Jahre), Regierungsangestellter beim Landesbetrieb für Information und Technik NRW, blickt zuversichtlich auf die Stichwahl, wie er bei einem Besuch in der NRZ-Redaktion in Dinslaken, zusammen mit Landrat Dr. Ansgar Müller, verdeutlichte. Im Gegensatz zum Bundestrend sei die SPD im Kreis mit einem guten Ergebnis gestartet. „Das Rennen geht von vorne los, wir müssen den Trend drehen und unsere Klientel motivieren, zur Stichwahl zu gehen. Wir möchten einen Großteil der Stimmen aus dem grünen und linken Lager“, sagt Paic.

Rückstand von 11.000 Stimmen ist für SPD-Kandidat aufzuholen

Der Rückstand von 11.000 Stimmen gegenüber Ingo Brohl könne aufgeholt werden, „das macht mich nicht bange“, sagt Paic. Es gebe manche Überschneidungen mit Themen der Grünen. „Alle Wähler, die keinen ungezügelten Kiesabbau, keinen weiteren Sozialabbau und eine verkehrspolitische Wende haben möchten, sollten mich wählen“, sagt der Hamminkelner (seit 2011) und gebürtige Dinslakener. Wichtig seien ihm gute Bildungseinrichtungen, Kultur und Soziales, Umweltschutz, gute Infrastruktur bei Verkehr und im Digitalbereich.

Er werde sich weiter beim Personenverkehr für die Rheinbahn bis Wesel einsetzen, eine neue Kanalbrücke, die wirtschaftliche Entwicklung im Hafen Deltaport. „Wir müssen die Wasserwege nutzen als Warentor fürs Ruhrgebiet und den Lkw-Verkehr reduzieren.“ Eine „Veredelung in Häfen“ schaffe Arbeitsplätze. Paic spricht von einer „Win-win-Situation“ mit den Grünen und Linken. Das Kreishaus in Wesel benötige einen Fuhrpark, Photovoltaik und Dächerbegrünung.

Versuchsanlage zur Herstellung von Wasserstoff im Asdonkshof

Bei der Verkehrswende im ÖPNV müsse die Niag mit ins Boot geholt werden. Gespräche seien bereits geführt worden, die Busflotte (etwa 200 Fahrzeuge) barrierefrei und auf Elektrobetrieb umzustellen. „Wir müssen aus dem Liniengeschäft ins Flächengeschäft kommen, als Mehrwert für die Bürger“, sagt Paic. Das heißt: weniger Autos, mehr Radschnellwege und schienengebundenen Verkehr. Die Pläne des SPD-Politikers: Einrichtung einer Versuchsanlage zur Herstellung von Wasserstoff im Asdonkshof sowie Überlandverkehr mit Biogasantrieb. Natürlich sei auch die Pünktlichkeit von Bussen ein Thema.

Während Peter Paic in Dinslaken und Voerde gewinnen konnte, verlor er in Hünxe. Was ihn mit diesen Kommunen verbindet? „In Dinslaken bin ich geboren und auf die Realschule gegangen.“ Er verfolge den Neubau der Berufsschule und freue sich, dass für die neue Sportstätte des MTV Rheinwacht ein geeignetes Grundstück gefunden wurde („die bleiben in der Stadt“). Beim Thema Freibad Hiesfeld hätte er sich gewünscht, „dass über die Bürgerinitiative etwas gegangen wäre“.

Peter Paic: „In Hünxe wollen wir weiter aufholen“

Für Voerde habe er die Entwicklung des Steag-Geländes („ein großes Politikum“) fest im Blick. Der RVR ermögliche, das Gelände weiter zu entwickeln. In Hünxe hätten seine Großeltern gelebt, erzählt Paic. „Hier, wo die SPD vier zusätzliche Direktmandate geholt hat, wollen wir weiter aufholen.“ Eine wichtige Baustelle sei für ihn das Otto-Pankok-Museum. Er schätze den EBH-Vorsitzenden Ralf Lange, der jetzt auch die FWG-Fraktion im Kreistag führe. „Wir sind in Gesprächen.“

Paic: „Ich möchte ein Landrat für alle Bürger sein und den Kreis Wesel weiter nach vorne bringen, auch im Tourismus und Digitalausbau“, wirbt er um Stimmen. Auch die Stärke der Polizei soll aufrecht erhalten bleiben und diese besser ausgestattet werden. „Wir wollen im Kreis alle sicher leben.“ Landrat Ansgar Müller bestätigt: „Es darf nicht weiter Personal abgezogen werden, es muss vor Ort bleiben.“ Seit 2014 seien 59 Beamte „verlustig gegangen“. Er sei „stolz auf die Truppe und die guten Ergebnisse“.

Einsatz für das Gemeinwohl erhält Unterstützung

Das gelte auch für den Rettungsdienst und die Besatzung von Feuerwehr und Krankenwagen, ebenso für die Krankenhäuser. „Alle, die sich für das Gemeinwohl einsetzen, erhalten unsere Unterstützung“, sagen Müller und Paic. Und der SPD-Landratskandidat ergänzt: „Ich möchte den Kreis Wesel ein Stück weit gestalten, nicht nur verwalten.“ Das könne auch Kooperationen mit dem Kreis Kleve beinhalten, etwa bei einer gemeinsamen Schule.

Er komme aus der IT-Branche, war auf Lohberg beschäftigt und habe den Strukturwandel miterlebt. Ob touristisch, logistisch oder digital: „Ich möchte ökonomisch eine Gründungsoffensive starten, neue Geschäftsmodelle angehen und Ideen entwickeln. Was Kohle und Öl in der Vergangenheit waren , sind heute die Daten für Forschung und Entwicklung“, sagt Peter Paic. „Hier möchte ich den Kreis Wesel als Spitzenkreis mit Vorreiterrolle etablieren.“

Paic regt Fonds des Kreises an: Geflüchtete Menschen aufnehmen

Deutschland muss den geflüchteten Menschen aus dem abgebrannten Geflüchtetenlager Moria aktiv helfen – sowohl vor Ort auf der Insel Lesbos als auch durch die Aufnahme von Kindern und Familien. Das fordert SPD-Landratskandidat Dr. Peter Paic und lobt in diesem Zusammenhang die Bereitschaft der Städte und Gemeinden im Kreis Wesel, Geflüchtete aufzunehmen. „Die Hilfsbereitschaft ist nach wie vor groß. Damit die Kommunen aber nicht alleine auf den Kosten sitzen bleiben, sollte es einen kleinen Fonds des Kreises geben, aus dem kleine Dinge bezahlt werden können, für die es sonst kein Geld gibt“, regt Paic an.

Die Lage im Geflüchtetenlager Moria auf der griechischen Insel Lesbos hatte sich vergangene Woche durch einen schweren Brand weiter zugespitzt. Tausende Menschen, darunter viele Familien mit Kindern, harren seit vergangener Woche auf den Straßen der Insel aus.

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