Stolpersteine

Stolpersteine erinnern in Dinslaken an jüdische Mitbürger

Künstler Gunter Demnig verlegt hier zwei Steine in Gedenken an Hugo und Sofie Lifmann. Das Ehepaar war in dem gemeinsamen Haus während des Pogroms vor 80 Jahren überfallen worden.

Foto: Heiko Kempken

Künstler Gunter Demnig verlegt hier zwei Steine in Gedenken an Hugo und Sofie Lifmann. Das Ehepaar war in dem gemeinsamen Haus während des Pogroms vor 80 Jahren überfallen worden.

Dinslaken.   An vier Standorten in der Dinslakener Innenstadt wurden weitere Stolpersteine verlegt, die an die Opfer im Nationalsozialismus erinnern.

Künstler Gunter Demnig fegt den Sand zur Seite, lässt Wasser über die Steine laufen, wischt sie zuletzt noch trocken – so leuchten die in den Boden eingelassenen Gedenktafeln golden.

„Wir können davon ausgehen, dass das ältere Ehepaar sofort in den Gaskammern ermordet wurde“, sagt Anne Prior über Hugo und Sofie Lifmann – und ruft so das Schicksal des jüdischen Ehepaars, das einst in dem gemeinsamen Haus an der Neustraße 62 lebte, in das Gedächtnis der Zuhörer.

In der Pogromnacht wurden sie überfallen

Hugo und Sofie Lifmann wurden vor 80 Jahren hier in der Pogromnacht überfallen, vier Jahre später wurden sie nach Auschwitz deportiert und ermordet. Die in den Boden gelassenen Gedenktafeln sollen daran erinnern.

Insgesamt elf Stolpersteine verlegte Gunter Demnig gestern an vier Standorten an der Dinslakener Innenstadt. Drei weitere sind nun vor dem ehemaligen Israelitischen Waisenhaus, Neustraße 43, in Gedenken an die früheren Bewohner Anni Mainzer, Günther Rosenthal und Leo Friedländer zu finden.

Familienmitglieder reisten aus Israel an

Letzterer lebte nach dem Gasunglück seiner Eltern 1929 in dem Waisenhaus, er wurde 1938 nach Bentschen/Zbaszyn deportiert. Die Schwester, die später nach dem kleinen Bruder suchte, fand ihn nicht. Ihre Familie ist an diesem Tag mit neun Mitgliedern von Israel nach Dinslaken gekommen, um dabei zu sein, wenn für Leo ein Stein verlegt wird.

Alon Danieli, sein Großneffe, verteilt an jeder Gedenkstelle Teelichter, auch Israels Flagge wird niedergelegt. „Ich möchte, dass jeder sich erinnert. Es ist wichtig, das nicht zu vergessen“, sagt er später.

„Das ist Teil der Familiengeschichte“

Im Januar dieses Jahres hatte Danieli Kontakt mit Anne Prior vom Verein „Stolpersteine für Dinslaken“ aufgenommen. Seine Mutter Zahava Danieli bedankte sich auf Deutsch bei den Anwesenden, bei Anne Prior und bei Künstler Gunter Demnig.

Die Gäste aus Israel verdeutlichten, wie sehr die Geschichte von Leo dessen Schwester, die nicht anwesend sein konnte, und die nachfolgenden Generationen bewegte. „Das ist Teil der Familiengeschichte“, sagt Anne Prior.

Es ist wichtig, dass man es nicht vergisst

Lehrerin Birgit Hientzsch ist mit Schülern ihres Geschichtskurses von der Gesamtschule Hünxe gekommen. Dort finde demnächst ein Projekt zum Thema „Jüdisches Leben unter dem Hakenkreuz“ statt, sagt sie.

„Sehr bewegend“, sagt ein Schüler über die Verlegung der Stolpersteine, seine Familie habe auch unter dem NS-Regime gelitten. Es sei wichtig, dass man das nicht vergisst in der heutigen Zeit, sagt Margot Stieler von der Lebenshilfe Dinslaken. Sie erinnert auch nochmal an die Menschen, die geistig und psychisch erkrankt waren und in Dinslaken Opfer des Nationalsozialismus geworden sind.

Elf neue Gedenktafeln im Dinslakener Boden

Elf neue Stolpersteine hat Gunter Demnig, der zum sechsten Mal nach Dinslaken kam, an vier weiteren Standorten verlegt.

Mit zwei Steinen wird an der Neustraße 62 dem Ehepaar Hugo und Sofie Lifmann gedacht. Drei Steine erinnern am Standort des ehemaligen Israelitischen Waisenhauses,Neustraße 43, an Leo Friedländer, Anni Mainzer und Günther Rosenthal. An der Neustraße 35 wurde ein Stein für Sidonie Sternberg verlegt. Fünf Steine in Gedenken an Familie Abosch sind an der Karl-Heinz-Klingen-Straße 22 zu finden.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik