Müllentsorgung

Styropor wird in Dinslaken nicht mehr angenommen

Foto: Markus Weissenfels

Dinslaken/Hünxe.   Für eine Übergangsfrist gelten Dämmstoffe nicht als gefährlicher Abfall.Trotzdem ist die Entsorgung aktuell ein Problem.

Wer einen Fernseher gekauft hat, kennt das Problem, wer gebaut oder sein Haus saniert hat, erst Recht: Styropor wird man beim Wertstoffhof Dinslaken nicht mehr los. Die XXL-Verpackungen für Fernseher können noch verkleinert und in den gelben Sack gestopft werden.

Bei Dämmplatten für Haus und Dach schütteln die Männer am Wertstoffhof aber den Kopf: Die Stadt Dinslaken nimmt keine Dämmstoffe mehr an, seitdem diese im vergangenen Oktober gesetzlich zu „gefährlichem Abfall“ ernannt wurden.

Diese Regelung wurde zwar nachträglich für die Übergangsfrist von einem Jahr aufgeweicht. Für diese Zeit dürfte die Entsorgung kein Problem sein. Das gilt aber nur in der Theorie.

Neue Regelung trat am 1. Oktober in Kraft

Vor dem 1. Oktober 2016 konnte man Dämmplatten gemeinsam mit anderem Bauschutt als Baustellen-Nebenabfall entsorgen. Mit der Novellierung der Abfallverzeichnisverordnung (AVV) im März 2016 und dem Inkrafttreten der neuen Regelungen am 1. Oktober 2016 wurden die Dämmplatten, weil sie häufig das Flammschutzmittel HBCD enthalten, als Sondermüll eingestuft.

Diese mussten ab diesem Zeitpunkt auf den Baustellen getrennt gesammelt und gesondert entsorgt werden. Das war für alle „ein Riesenproblem“, sagt Thorsten Blumenroth, Geschäftsführer des Hünxer Recycling- und Entsorgungsunternehmens Blumenroth.

Bis zu 7000 Euro

Denn vielen Verbrennungsanlagen fehlten Genehmigungen oder technische Voraussetzungen, um diese Stoffe zu entsorgen – vor allem als Monocharge. Wer Dämmplatten entsorgen wollte, musste Wartezeiten und hohe Preise in Kauf nehmen. „Bis zu 7000 Euro“, wurden laut Egon Beckmann, Inhaber des gleichnamigen Containerservices in Hünxe, für die Entsorgung einer Tonne Dämmstoffe verlangt.

Zudem mussten die Platten mitunter mehrere Monate auf dem eigenen Hof zwischengelagert werden. Einige Verbrennungsanlagen nahmen die Platten in der Folge gar nicht mehr an, andere nur zu bestimmten Terminen oder in bestimmten Zusammensetzungen gemeinsam mit anderem Baustellen-Abfall.

Korrektur vorgenommen

Die Firma Schönmackers, die auch einen Standort in Hünxe hat, nahm ab Anfang Oktober gar keine HBCD-haltigen Dämm-Materialien mehr an. Nach einem entsprechenden Erlass des Umweltministeriums NRW korrigierte das Unternehmen mit Sitz in Kempen: Dämmstoffe werden seit Ende Oktober wieder angenommen – sofern der HBCD-Anteil weniger als drei Prozent der Masse, 25 Prozent des Volumens oder 0,5 Kubikmeter in Bezug auf die gesamte angelieferte Menge Bau- und Abbruchabfälle pro Tonne ausmache.

Hier gilt: nach Sichtkontrolle. Anderswo werden andere Zusammensetzungen oder gar Analysen verlangt, die laut Beckmann mehrere hundert Euro kosten.

Die Bundesregierung reagierte

In der Folge sammelten sich die Dämmplatten auf den Baustellen. Die Bundesregierung reagierte auf diesen Entsorgungsnotstand. Im vergangenen Dezember wurde eine Übergangslösung beschlossen.

Für ein Jahr sollten die Dämmstoffe wieder in allen Müllverbrennungsanlagen angenommen werden können, da sie zumindest für diesen Zeitraum nicht als Sondermüll eingestuft sind.

Ein neues Geschäftsfeld wurde entdeckt

Alles paletti also? Von wegen! Die private Entsorgungswirtschaft, so begründet Dinslakens Stadtsprecher Horst Dickhäuser die weiterhin gültige Annahmesperre für Styropor, „hat ein Geschäft gewittert und ein neues Geschäftsfeld entdeckt“. Die Entsorgungskosten für Dämmstoffe seien weiterhin „enorm hoch“.

Über die Entsorgungsgebühren, die die Stadt von den Bürgern erhebt, könnten diese Kosten nicht gedeckt werden. Die Stadt prüft aktuell, ob die Annahme von Styropor und Dämmplatten wieder eingeführt wird. „Allerdings muss uns da die private Entsorgungswirtschaft entgegenkommen“, so Dickhäuser. Und die Entsorger müssen sich „einig sein, wie verfahren wird“.

Das Problem ist zurzeit „nur bedingt“ gelöst.

Denn das Problem sei mit dem Übergangsjahr „nur bedingt“ gelöst, sagt Thorsten Blumenroth. Egal ob als Sondermüll oder nicht: Viele Verbrennungen nähmen Styropor nicht gerne an, weil er aufwendig zu verbrennen sei.

Seine Firma entsorge die Dämmstoffe beim Kreis Weseler Abfall Entsorgungszentrum Asdonkshof in Kamp Lintfort, dort gebe es keine Probleme. Anderswo müsse man aber weiterhin Wartezeiten oder Terminvorgaben in Kauf nehmen.

Styropor hat einen hohen Heizwert

Styropor, so erklärt Peter Bollig, Geschäftsführer des Entsorgungszentrums Asdonkshof, „hat einen hohen Heizwert“. Darauf seien nicht alle Müllverbrennungsanlagen ausgerüstet.

Der Dämmstoff könne nicht als Monocharge verbrannt werden – das sei zu heiß für die Verbrennungskammern – sondern müsste immer mit anderen Abfällen gemischt werden. „Eine Tonne Styropor hat denselben Heizwert wie fünf Tonnen Hausmüll“, sagt Bollig. Das lassen sich die Verbrennungen offenbar bezahlen.

Im kommenden Dezember soll die Entsorgung neu geregelt werden. Thorsten Blumenroth etwa begrüßt zwar eine europaweite Regelung. Aber bis dahin „schwebt das Damoklesschwert über uns“, so der Hünxer Unternehmer.

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