Spirituosen

Traditionsfirma Goch stellt in Hünxe Schnäpse und Liköre her

Gerd Goch in dem Raum, in dem der Geist des „Stolperknaben“ erweckt wird.

Foto: Lars Fröhlich

Gerd Goch in dem Raum, in dem der Geist des „Stolperknaben“ erweckt wird. Foto: Lars Fröhlich

Hünxe.   Seit über 50 Jahren stellt die Firma Goch Schnäpse und Liköre her – unter anderem den auch über die Region hinaus bekannten „Stolperknaben“.

Klar, den Sekt muss es Silvester um Mitternacht geben. Aber der Abend bis dahin ist lang. Genug Zeit also für den ein oder anderen „Kurzen“, einen Schnaps oder einen Likör in geselliger Runde. Nicht irgendein alkoholisches Getränk, sondern eines, das man mit dem Feiern mit den Freunden und Bekannten verbindet, das nach dem Beisammensein in vertrauter Runde schmeckt.

Wenn es sich dabei noch um etwas Regionales, nicht in jedem Supermarkt erhältliches handelt, um so besser. Und so kommt es, dass sich auch dieses Silvester Freunde wieder „Saures“ geben, der „Schwatte Beesen“ die Runde macht oder der „Stolperknabe“ neben dem Raclette steht. Hergestellt und abgefüllt werden diese Liköre in Bucholtwelmen bei Gochs Qualitätsspirituosen.

Gerd Gochs Vater Günter gründete den Handel 1960

Gerd Goch steht in einem abgeteilten Raum im Getränkehandel an der Weseler Straße, den sein Vater Günter 1960 gegründet hat. Rechts das Fass mit dem reinen Alkohol aus der Deutschen Kornbranntweinverwertungsstelle (DKV) in Lüdinghausen, links die beiden Mischer mit einem Fassungsvermögen von 1000 bzw. 250 Litern.

Hier wird der Geist des „Stolperknaben“ und seiner Artverwandten „erweckt“. Aus vor Ort enthärtetem lokalen Trinkwasser, den Destillaten und Aromen von Anis bis Wacholder, die auf den Regalen aufgereiht stehen und eben jenem reinen Alkohol aus kontrollierter Herstellung.

Ingwer macht aus Magenbitter echtes „Feuerwasser“

16 Tage verbringt der „Stolperknabe“ als mehr oder weniger gewöhnlicher Magenbitter im Mischer. Erst dann wird die Zutat hinzugefügt, die aus ihm ein echtes „Feuerwasser“ macht: Ingwer. Dessen Brennen, kombiniert mit der Wirkung von 39 Prozent Alkoholgehalt, wird entweder gehasst oder geliebt. Letzteres allerdings von vielen und voller Treue: „1960 hat mein Vater die Firma gegründet, der ‘Stolperknabe’ kam nur kurze Zeit später auf dem Markt“. Mehrfach ausgezeichnet hat er sich zu einem Aushängeschild der Firma entwickelt.

Auch wenn derzeit die mildere Variante eines Kräuterlikörs, der „Tramontana“, stark gefragt ist. Auch der wird nach einem Traditionsrezept gebraut. In den späten 70er- und 80er-Jahren hatten die Gochs eine Gaststätte im katalonischen Teil Spaniens, der „Tramontana“ war für den dortigen Ausschank kreiert worden.

Bis heute liefert Goch nach Spanien. Den „Stolperknaben“ findet man allerdings auch in der Schweiz: Ein Restaurant bietet ihn in einer Sauce an. Kein Einzelfall, wie Gerd Goch erklärt: „Der ‘Stolperknabe’ wird in den Rezepten von verschiedenen Köchen verwendet.“ Pur trinkt man ihn in der Gaststätte Maaß, Gerd Goch ist Teil des Pächter-Trios der Dinslakener Traditionskneipe.

Mit Johannisbeere versetzt

Der „Stolperknabe“ mit seinem hochprozentigen Mix aus Kräutern und der kräftigen Ingwernote kann seit über 50 Jahren „Tote erwecken“. Jetzt hat es ihn aber selber in einer Metamorphose zu den „Unsterblichen“ gezogen. Blutrot wurde er mit Johannisbeere versetzt zum individuellen Tropfen der Band Umbra et Imago, die damit auf die Veröffentlichung ihrer aktuellen CD anstößt. Wer die für ihre Shows berühmt und berüchtigte Gothic-Formation aus Karlsruhe kennt, weiß, dass es Frontman Mozart nicht scharf genug sein kann.

Über den „Stolperknaben“ sind er und seine Ehefrau Madeleine le Roy aber bei ihrer Hochzeit auf den Seychellen per Zufall gestolpert. Gerd Goch machte mit seiner Frau im selben Hotel Urlaub. Man kam ins Gespräch und wer das stets schwarz gekleidete Paar war, erfuhr Gerd Goch erst später zu Hause von seiner Tochter. Da hatte Mozart schon die Gelegenheit gerochen, für seine Disco in Karlsruhe und als Band-Merchandise seinen eigenen blutroten Likör kreieren zu lassen. Denn so etwas gehört zum individuellen Angebot der Firma Goch, aus dem zum Beispiel vor einigen Jahren das Hünxer Goldtröpfen hervorging.

Die Zukunft des Familienbetriebes

Partyliköre oder Magenbitter, Wacholder oder Wodka. Die gesamte Produktpalette aus eigener Herstellung und Abfüllung kann man im Verkaufsraum in Bucholtwelmen probieren. Angst, einen Kater zu bekommen, braucht man aber nicht zu haben: Der große schwarze Stubentiger der Gochs ist zwar sehr zutraulich, wenn man ihm draußen auf dem Hof begegnet, aber er bleibt bei der Familie.

Und das gilt auch für den Getränkegroßhandel insgesamt. Gerd Gochs Stiefsohn Gordon Reiter sichert als Geschäftsführer die Zukunft des Familienbetriebs. „Ich habe unheimlich Glück mit dem Jungen“, freut sich Goch über die nunmehr dritte Generation. „Er macht das super.“

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