HOCHSPANNUNGSLEITUNG

Trasse könnte durch Dinslaken, Voerde oder Hünxe laufen

Foto: Gerd Bertelmann

Dinslaken/Voerde/Hünxe.   Zwei der vier möglichen Varianten beträfen Voerde und Hünxe. Bei der südlicheren von beiden könnte die Leitung durch Dinslakener Gebiet laufen.

Amprion hat gestern erste mögliche Trassen für die Stromleitung Emden-Osterrath vorgestellt, 1000 Meter breite Korridore, in denen das Erdkabel verlegt werden könnte. Zwei Gigawatt Gleichstrom können so ohne nennenswerte Verluste vom Norden in den Süden oder umgekehrt transportiert werden. Wo genau die Trasse verlaufen wird – definitive Antworten auf diese Frage gab es auch gestern im Umspannwerk Niederrhein noch nicht, sondern verschiedene Korridore als Möglichkeiten. Immerhin aber die denkbaren Stellen, wo die Leitung – genau genommen handelt es sich um sechs Leitungen in zwei Kabelgräben mit je einem Gigawatt Leistung – den Rhein unterqueren könnten.

Ein großer Teil würde durch den Wohnungswald verlaufen

Zwei der vier möglichen Trassen verlaufen über Voerder und Hünxer Gebiet, eine könnte auch Dinslaken betreffen. Die Variante südlich von Wesel würde im Bereich zwischen Spellen und Ork den Rhein unterqueren, östlich Richtung Friedrichsfeld weiter nach Bucholtwelmen, Krudenburg und Drevenack verlaufen. Die am südlichsten liegende Variante würde zwischen Eppinghoven/Alt-Walsum und Möllen den Fluss unterqueren. Bei dieser Trasse liefe die Leitung auch zu einem großen Teil durch den Wohnungswald, der Tenderingssee liegt ebenfalls mit Teilbereichen in dem Korridor. Im weiteren Verlauf geht es durch Hünxe und Gartrop-Bühl.

Es geht um den direktesten

Welcher Korridor am Ende ausgesucht wird, soll im März feststehen, eine Machbarkeitsstudie steht noch aus. Zudem sind die Korridore noch nicht in Stein gemeißelt: Die jetzt folgende Bürgerbeteiligung und Gespräche mit den Kommunen könnten noch Verschiebungen bringen, so Projektleiter Klaus Wewering. Bei der Wahl der Trasse geht es um den möglichst direktesten Weg. Erdkabel sind teuer, ein Kilometer kostet zwischen vier und acht Millionen Euro. Da will jeder Umweg überlegt sein. „Raumwiderstände“, Bereiche, in denen kein Kabel liegen kann, sind Naturschutzgebiete aber auch Städte und Wohngebiete.

Baubeginn soll 2021 sein

Baubeginn ist für 2021 vorgesehen, 2025 sollen die Leitungen zwei Meter tief in der Erde liegen und von einem 24 Meter breiten Schutzstreifen umgeben sein. Die Arbeiten sollen an mehreren Stellen gleichzeitig beginnen. Pro Abschnitt dauern sie etwa ein Jahr, sagt Sebastian Knauf von Amprion. Danach sollen Gutachter festlegen, wann die Fläche wieder landwirtschaftlich bearbeitet werden kann. Wie hoch die Entschädigungen für Landwirte ausfallen, will Amprion mit den Landwirtschaftsverbänden über Rahmenverträge festlegen.

Das sagt die Stadt Voerde

Die Stadt Voerde wollte gestern zu den Planungen noch keine Stellungnahme abgeben, sie wartet die Infoveranstaltung für die Träger öffentlicher Belange am 6. September ab, wie Dezernentin Simone Kaspar erklärte. Erst wenn die Kommune den kompletten Kenntnisstand zu dem Projekt habe, sei ihr eine fachliche Bewertung möglich. Die Stadt sei „sensibiliert“, wichtige Kriterien für sie seien zum Beispiel Siedlungsentwicklung, Hochwasserschutz, Belange von Natur und Landschaft.

Das sagen Dinslaken und Hünxe

Die Stadt Dinslaken bleibt angesichts der Planungen gelassen. Schließlich seien Stromtrassen „notwendig“, so Stadtsprecher Thomas Pieperhoff. Wenn der Verlauf feststehe, werde man „prüfen, ob das sinnvoll ist, und ob schutzwürdige Interessen dagegen stehen.“ Das FFH-Gebiet Rheinaue könnte etwa dazu gehören.

„Wir werden jetzt mit Amprion in Dialog treten. Die Bevölkerung soll so wenig wie möglich belastet werden und keinen Schaden nehmen“, sagt Gisela Lehmkuhl von der Gemeinde Hünxe.

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