Und Trump und Merkel schauen zu

Dinslaken.   Der Panzer auf dem in Tarnfarben bemalten Leinwandpanel zieht zwei schwärzlich-ölige Bahnen hinter sich her. Ein sich selbst erklärendes Bild über die dreckigen Spuren eines jeden Krieges. Oder doch nicht so ganz? „Der Soldat, der den Panzer fährt, hat eine weiße Fahne gehisst“, erklärt Simon (12), „er kehrt heim aus einem Krieg, der jeden beschädigt ließ: Sein Panzer ist da keine Ausnahme.“ „Friedensbilder!“ lautet der Titel der Ausstellung, die am Samstag im Dachgeschoss des Museums Voswinckelshof eröffnet wurde. Und um die Aussage „Frieden“ zu verdeutlichen, stellen die Objektbilder ebenso den Krieg und seine Folgen Tod, Zerstörung und Flucht dar. „Farbschlachten“ nennt Max Bilitza die bemalten schmalen Leinwände mit ihren aufgeklebten Plastiksoldaten. Der Duisburger Diplom-Politologe, Bühnenregisseur, Bildende Künstler, Kurator und Kulturmanager hat die Ausstellung, die in sich eine große, geschlossene Installation bildet, konzipiert. Die ausführenden Künstler und Kuratoren jedoch – und dies ist mindestens so beeindruckend wie die Ausstellung sehenswert ist – sind Kinder aus Dinslaken und Duisburg zwischen zehn und 14 Jahren. Sie nahmen an zwei Workshops teil, im Rahmen des Kulturrucksacks NRW. „Dinslaken ist durch die Kooperation mit Duisburg zum dritten Mal beim Kulturrucksack dabei“, erklärte Thomas Termath, der am Samstag die Ausstellung bei regem Publikumsinteresse eröffnete, und er wies auf weitere für den Verlauf des Jahres geplante Workshops hin. Auch für Max Bilitza war es das dritte Mal in Dinslaken. Und wieder einmal zeigte er, wie durchdacht, vielschichtig und aussagekräftig sich Kinder künstlerisch ausdrücken, wenn man ihnen entsprechende Rahmenbedingungen schafft.

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Der Panzer auf dem in Tarnfarben bemalten Leinwandpanel zieht zwei schwärzlich-ölige Bahnen hinter sich her. Ein sich selbst erklärendes Bild über die dreckigen Spuren eines jeden Krieges. Oder doch nicht so ganz? „Der Soldat, der den Panzer fährt, hat eine weiße Fahne gehisst“, erklärt Simon (12), „er kehrt heim aus einem Krieg, der jeden beschädigt ließ: Sein Panzer ist da keine Ausnahme.“ „Friedensbilder!“ lautet der Titel der Ausstellung, die am Samstag im Dachgeschoss des Museums Voswinckelshof eröffnet wurde. Und um die Aussage „Frieden“ zu verdeutlichen, stellen die Objektbilder ebenso den Krieg und seine Folgen Tod, Zerstörung und Flucht dar. „Farbschlachten“ nennt Max Bilitza die bemalten schmalen Leinwände mit ihren aufgeklebten Plastiksoldaten. Der Duisburger Diplom-Politologe, Bühnenregisseur, Bildende Künstler, Kurator und Kulturmanager hat die Ausstellung, die in sich eine große, geschlossene Installation bildet, konzipiert. Die ausführenden Künstler und Kuratoren jedoch – und dies ist mindestens so beeindruckend wie die Ausstellung sehenswert ist – sind Kinder aus Dinslaken und Duisburg zwischen zehn und 14 Jahren. Sie nahmen an zwei Workshops teil, im Rahmen des Kulturrucksacks NRW. „Dinslaken ist durch die Kooperation mit Duisburg zum dritten Mal beim Kulturrucksack dabei“, erklärte Thomas Termath, der am Samstag die Ausstellung bei regem Publikumsinteresse eröffnete, und er wies auf weitere für den Verlauf des Jahres geplante Workshops hin. Auch für Max Bilitza war es das dritte Mal in Dinslaken. Und wieder einmal zeigte er, wie durchdacht, vielschichtig und aussagekräftig sich Kinder künstlerisch ausdrücken, wenn man ihnen entsprechende Rahmenbedingungen schafft.

Der Panzer eines Duisburger Kindes ist nicht der einzige Kriegsteilnehmer, der seine Spuren auf den Farbschlachten hinterlässt, die sich in langen Bahnen unter dem Giebel des Voswinckelshofs erstrecken. Und die Besucher der Vernissage waren nicht die einzigen, deren Blicke auf das Kriegsgeschehen gerichtet waren: Zu beiden Seiten der Objektbilder hängen Porträts bekannter Persönlichkeiten, die die Kinder ebenfalls in den Workshops malten. Persönlichkeiten wie Malala, Gorbatschow oder auch die fiktive Pippi Langstrumpf, die für Frieden stehen, hängen Seite an Seite mit alten und neuen Diktatoren. Verblüffend ist die Treffsicherheit, mit denen die Kinder Angela Merkel oder Albert Einstein zeigen. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt am Samstag Donald Trump, den Judith aus Dinslaken mit goldenen Haaren malte.

Wer hier die „Guten“ und die „Bösen“ sind, wurde von den Kindern im Workshop diskutiert, dann haben sie allerdings auf eine sichtbare Trennung verzichtet. Ravi weist auf sein Porträt von Marc Zuckerberg: „Über Facebook kann ich mit Freunden sprechen, aber Facebook fördert auch Cybermobbing. Es ist eine komische Erfindung und wir konnten nicht entscheiden, ob es Krieg oder Frieden fördert.“

Sie schauen auf den Krieg wie auf ein Spielfeld. Sie wollen gewinnen, aber sie selbst nehmen keinen Schaden“, sagt Alexa über die Porträts. Und die Soldaten? „Sie sind keine Maschinen, sie sind auch Menschen“, betont die zwölfjährige Juljana mehrfach. Sie und die gleichaltrige Alexa haben ein Doppelpanel geschaffen, auf dem die Folgen des Krieges ebenso sichtbar sind wie die Rückkehr der Soldaten in ein Leben im Frieden.

Reflektiert, anders kann man die Auseinandersetzung der Kinder mit dem, wie Thomas Termath sagte, schwierigen und emotional belasteten Thema nicht beschreiben. Für Max Bilitza war es im Vorfeld selbst eine spannende Frage, ob Kinder sich mit Nachrichten auseinandersetzen oder vorher wegzappen. „Ich habe sie auch vor dem Workshop geguckt, aber mich nicht so intensiv damit beschäftigt“, sagt Ravi. Umso deutlicher ist, was der Workshop in ihm hervorbrachte: Mit Alexa zusammen stellte er den Kontext zu einem eigenen Objekt und einem bei der Bombardierung Dinslakens durch einen Granatsplitter beschädigten, im Voswinckelshof ausgestellten Schrank her. Und in seiner „Farbschlacht“ zeigt er ein kenterndes Boot: „Es ist nicht wahr, dass wir hier in Deutschland keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen können. Es ist genug Platz für alle da.“

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