Diebstahl

Voerde: Klagen über Diebstähle auf den Friedhöfen

Auch auf dem Kommunalfriedhof an der Rönskenstraße in Voerde kommt es zu Diebstählen.

Auch auf dem Kommunalfriedhof an der Rönskenstraße in Voerde kommt es zu Diebstählen.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Voerde.  Wie kreisweit werden auch auf Friedhöfen in Voerde Dinge von den Gräbern gestohlen. Die Polizei rechnet im November wieder mit mehr Fällen.

Der Vorfall, der sich vor einigen Tagen auf dem Kommunalfriedhof an der Rönskenstraße zugetragen hat, macht die ältere Dame aus Wesel, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, noch immer fassungslos: Die 80-Jährige hatte für ihre verstorbene Schwägerin, die Ende September auf der städtischen Begräbnisstätte beigesetzt wurde, eine Schale aus Stein mit Blumen und einem darin platzierten etwa 20 bis 25 Zentimeter großen Engel gestalten lassen und auf das Grab gestellt. Einige Tage nach der Beerdigung ist sie verschwunden – von Unbekannt gestohlen. Auch das Herz aus Rosen, das Verwandte der Verstorbenen an deren letzte Ruhestätte gelegt hatten, ist nicht mehr da.

Pflanzen werden aus der Erde gerissen

Ein früherer Nachbar der Schwägerin findet die Blumen aus der Schale nach einiger Suche schließlich im Bereich zwischen einer Wasserstelle und einem Korb, in dem Verblühtes entsorgt wird. Die Schale und der Engel dagegen sind weg. „Was sind das für Menschen?“, fragt sich die Weselerin. Ihr gehe es nicht um das Geld, das sie für die Schale samt Bepflanzung und Engel bezahlt hat. Sie nimmt vor allem mit, dass „nicht einmal vor Toten Halt gemacht wird“.

Die 80-Jährige berichtet von einer Bekannten, der am Waldfriedhof an der B8 Ähnliches widerfahren ist: Die Friedrichsfelderin schildert im Gespräch mit der NRZ, dass von dem Grab ihres 2019 verstorbenen Mannes bereits drei Mal etwas gestohlen worden sei: eine Christrose, ein Herbstgesteck und in diesem Frühjahr eine Hortensie. Die Pflanzen wurden aus der Erde gerissen. Einem früheren Nachbarn sei mit zwei Hortensienbüschen auf dem Grab seiner Frau das gleiche passiert, berichtet die 76-Jährige.

Einmal habe sie einer Frau, die auf dem Friedhof gerade dabei war, ein Grab zu gestalten, geraten, dieses „nicht zu schön“ zu machen, mit dem Hinweis, dass dort viel gestohlen werde. Die Angesprochene habe daraufhin erklärt, dass ihr dies auch schon passiert sei. An Pfingstsonntag fiel der 76-jährigen Friedrichsfelderin in der Mittagszeit bei einem Besuch ein Mann auf, der mit einer Schubkarre mehrere Wege auf dem Waldfriedhof an der B8 ablief, vor etwa zwei Wochen machte sie ein anderer, der mit einem Fahrrad mit Anhänger dort unterwegs war, stutzig. Nur auf einen Verdacht hin die Polizei anzurufen, mochte sie nicht tun. Dazu müsse derjenige schon auf frischer Tat ertappt werden.

Die einzige Möglichkeit, die Andrea Margraf, Sprecherin der Kreispolizeibehörde Wesel, sieht, ist es, wachsam zu sein und – wenn etwas Ungewöhnliches beobachtet wird, sofort die Polizei zu verständigen. Ist etwas gestohlen worden und wird dies angezeigt, ist seit der Tat meist bereits etwas Zeit vergangen, weil der Diebstahl erst später entdeckt wird. Die Polizei spricht davon, dass es kreisweit immer mal wieder auf den Friedhöfen zu Diebstählen kommt: Solche Fälle mehren sich gerade auch im Frühjahr und Sommer, wenn Gräber gerade neu bepflanzt worden sind. Gestohlen werde alles, was „nicht niet- und nagelfest ist“, erklärt Andrea Margraf: auch Blumen aus der Vase. Sie berichtet von Situationen, wenn Betroffene weinend auf der Wache den Diebstahl von Dingen zur Anzeige bringen, die sie womöglich von der kleinen Rente abgezweigt haben. „Da muss man oft schlucken“, sagt Andrea Margraf, „das geht einem auch nah.“

Stadt sieht ihre Möglichkeiten begrenzt

Die Sprecherin der Kreispolizeibehörde rechnet angesichts der Totengedenktage im November damit, dass in dieser Zeit Diebstähle auf Friedhöfen wieder zunehmen werden, da die Menschen zu diesen Anlässen auf die Gräber Blumen stellen oder Gestecke legen. Die Friedhöfe würden von den Bezirksbeamten bestreift, sagt Margraf. Auch die Stadt ist auf ihren Friedhöfen präsent, wobei sie ihre Möglichkeit, etwas gegen das Diebstahl-Problem zu tun, begrenzt sieht: „Grundsätzlich haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Friedhofsangelegenheiten ein wachsames Auge auf diese Entwicklungen, jedoch sind wir nur ein Drittel des Tages vor Ort“, sagt die Erste und Technische Beigeordnete Nicole Johann. Eine Häufung von Fällen sei in Voerde nicht zu verzeichnen. Folglich hält Johann eine „erhöhte Präsenz seitens der Ordnungskräfte“ bis dato für „nicht geboten“. Selbstverständlich würden künftig aber auch diese ein wachsames Auge auf die Kommunalfriedhöfe haben, versichert die Beigeordnete.

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