Kindergarten

Voerde: Wechselpläne in katholischen Kitas sorgen für Unruhe

Bei den vier Kindergärten der katholischen Kirchengemeinde St. Peter und Paul herrscht Unruhe.

Bei den vier Kindergärten der katholischen Kirchengemeinde St. Peter und Paul herrscht Unruhe.

Foto: Kleinrensing

Voerde.   Verbundleitung begründet Wechsel von Erzieherinnen innerhalb der Einrichtungen auch damit, dass Kinder Verlust lernen sollen. Eltern sind empört.

Es herrscht Unruhe in diesen Tagen bei den vier Kindergärten der katholischen Kirchengemeinde St. Peter und Paul Voerde: Zum 1. Februar werden fünf pädagogische Fachkräfte innerhalb der vier Einrichtungen – die Kindergärten St. Elisabeth, St. Peter, St. Marien und Pauluskindergarten – wechseln, eine weitere hat dies bereits zu Beginn des Jahres getan.

Das sagen die Eltern

„Wir verstehen diesen plötzlichen Rundumschlag nicht“, sagt Christina Knipl. Sie ist Mitglied des Elternbeirates St. Elisabeth, hat in dieser Funktion gemeinsam mit Birthe Owczarzak den Kontakt zur NRZ aufgenommen. „Die offizielle Begründung gegenüber uns Eltern lautet: Die pädagogische Weiterentwicklung soll jederzeit gewährleistet sein“, sagt Knipl. An den Stellenzuschnitten ändere sich nichts. Für viele Eltern werfe diese Begründung jedoch Fragen auf. „Wir fragen uns beispielsweise, wieso denn eine Qualitätsweiterentwicklung nur durch den Wechsel von Mitarbeitern stattfinden kann und wie diese Weiterentwicklung aussehen könnte“, erklärt Birthe Owczarzak. „Kann denn ein bestehendes Team nicht genauso an einer pädagogischen Weiterentwicklung arbeiten?“

Diese und weitere Fragen hätten die Eltern seit der Bekanntgabe im Dezember mehrfach in Gesprächen mit der Verbundleiterin Regina Busch gestellt – und keine hinreichenden Antworten erhalten. „Wir haben auch verschiedene Gegenvorschläge gemacht, aber Frau Busch hat die Tür keinen Spalt aufgemacht“, sagt Knipl.

Verärgert habe viele Eltern zudem eine zusätzliche Begründung der Verbundleiterin. „Sie hat gesagt, die Kinder sollen so auch Verlust lernen“, erzählt Christina Knipl. „Dabei brauchen Kinder – gerade in diesem Alter – doch feste Bezugspersonen.“ Auch bei einigen Mitarbeitern habe sie Unmut bezüglich der Entscheidung wahrgenommen. „Aus seinem gewohnten Umfeld und aus seinem gewohnten Team herausgenommen zu werden, bringt ja auch für manchen Mitarbeiter eine psychische Belastung mit sich.“

Das sagt die Verbundleitung

Auf Nachfrage der NRZ gibt Regina Busch die gleichen Begründungen. „Durch die Wechsel innerhalb des Verbundes verspricht der Träger sich eine Qualitätsweiterentwicklung“, erklärt die Verbundleiterin. Auch solle der gesamte Verbund so „von den individuellen personellen Ressourcen profitieren und sich die Flexibilität in der Zusammenarbeit der vier Kindertageseinrichtungen erhöhen“. Bei längerfristigen Ausfällen aufgrund von Krankheit oder Schwangerschaft müsse schließlich auch reagiert werden und müssten Wechsel erfolgen, erklärt Busch.

Die Wechsel böten generell die Möglichkeit, Dinge zu hinterfragen, eingefahrene Muster zu überdenken und zu durchbrechen – „die einzelnen Kitas konzeptionell weiter zu entwickeln“, sagt Regina Busch. Diese Prozesse wolle sie hierdurch anstoßen. Wie genau sich die Konzepte in den vier Kindergärten verändern sollen, sei noch nicht klar. Busch: „Qualitätsentwicklung ist immer ein Prozess.“

Sie glaubt, dass die Kinder von den Wechseln profitieren – nicht nur aufgrund der angestrebten Qualitätsweiterentwicklung: „Beständigkeit ist heute nicht mehr Bestandteil unserer Gesellschaft und ich finde es wichtig, dass die Kinder lernen: Abschied muss nicht bedrohlich sein. Ich bin der Ansicht: Abschiedsprozesse machen die Kinder fit fürs Leben.“

Für die Aufregung auf Seiten der Eltern habe sie Verständnis. „Ich kann verstehen, dass sie teilweise hochemotional reagiert haben“, sagt Busch. Deshalb auch habe sie nach Bekanntgabe der Wechsel Elternsprechstunden angeboten. „Die sind genutzt worden.“ Sie stehe jederzeit für weitere Gespräche zur Verfügung, sagt Busch. „Mir ist es ein großes Anliegen, Rückmeldungen oder auch Beschwerden ernst zu nehmen.“ Die vier Einrichtungen sowie die pädagogischen Fachkräfte würden während der Wechsel ebenfalls begleitet – von einem externen Supervisor.

Von den insgesamt 50 pädagogischen Fachkräften in den vier Einrichtungen sind sechs von einem Wechsel betroffen. Auch, betont Regina Busch, habe sie darauf geachtet, dass es je Kindergartengruppe maximal einen Wechsel gebe. Der Angst einiger Eltern, dass solche Wechsel nun regelmäßig stattfänden, möchte sie entgegenwirken: „Niemand muss hier permanent Angst haben, dass so ein Wechsel nun jede Woche ansteht.“

KOMMENTAR: Viele Fragen, kaum Antworten

Oft habe ich das Gefühl, dass Eltern auf hohem Niveau meckern, obwohl es kaum einen Grund dazu gibt. In diesem Fall ist das nicht so. Ich kann die Eltern verstehen: Mich verärgert die Aussage der Verbundleitung, die Kinder müssten Verlust lernen, genauso wie sie, ich habe die gleichen Fragen wie die Eltern, ich finde die gegebenen Antworten der Verbundleitung genauso wie sie nicht zufriedenstellend.

Weiterentwicklung ist wichtig, eine Verbesserung der pädagogischen Betreuung auch – das steht außer Frage. Natürlich kann eine Umstrukturierung da förderlich sein. Doch hier scheint die Entscheidung über die Wechsel innerhalb des Verbundes irgendwie zufällig getroffen – ändert sich doch weder etwas an den Stellenzuschnitten noch an den Qualifikationen, die die Mitarbeiter in die neuen Kitas mitbringen.

Die Verbundleitung kann mit ihrer Argumentation nicht überzeugen – und lässt dadurch viel Raum für Spekulationen.

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