Zeelink

Voerder Politik lehnt Trassenverlauf für Gaspipeline ab

Vertreter von Open Grid Europe betonten am Dienstagabend im Planungs- und Umweltausschuss mehrfach die Sicherheit der Gaspipeline.

Foto: Open Grid Europe

Vertreter von Open Grid Europe betonten am Dienstagabend im Planungs- und Umweltausschuss mehrfach die Sicherheit der Gaspipeline. Foto: Open Grid Europe

Voerde.   Voerder Fachausschuss votiert nach Ergänzungen einstimmig für ablehnende Stellungnahme der Stadt. Bürger äußern große Sorge um Sicherheit.

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Die geplante Trasse für die umstrittene Erdgasfernleitung Zeelink stößt auch in der Voerder Politik auf Ablehnung: Der Planungs- und Umweltausschuss hat am Dienstagabend einstimmig die vorher gemeinsam an einigen Stellen ergänzte Stellungnahme der Stadt dem Rat zur Entscheidung empfohlen. Bei den Veränderungen war das Thema der Bergbauschäden ein zentraler Aspekt. Dieser ist in dem Positionspapier jetzt als eigener Punkt aufgeführt.

Wilfried Limke, technischer Beigeordneter der Stadt, hatte zuvor an Vertreter des Pipeline-Betreibers Open Grid Europe, die in die Sitzung gekommen waren, um über das Vorhaben zu informieren, die Frage gestellt, ob die Firma im Falle der Bergbausenkungen nicht von falschen Annahmen ausgehe. Diese fänden auch außerhalb der errechneten „Nullrandlinie“ statt, betonte Limke. Auch sprach er das Problem von Bergschlägen an.

André Graßmann, Engineeringmanager für Leitungstechnik, erwiderte für den Betreiber, man wisse genauestens, wie man mit Bergsenkungen umzugehen habe. Er führte darüber hinaus Bodenbaugrunduntersuchungen an, erklärte, dass die Gashochdruckleitung enorm elastisch und erdbebensicher sei.

Firma: Erdgasleitung ist nach geltendem Regelwerk auszulegen und danach „handeln wir“

Auch eine Vertreterin der Voerder Bürgerinitiative gegen die Erdgasfernleitung sprach den Punkt an, fragte, wie man eine Pipeline „ausgerechnet in diesem Gebiet“, das so gebeutelt und gefährdet sei, planen können. Die Sorge um die Sicherheit an der Trasse trieb viele derer um, die sich gestern Abend in der Sitzung zu Wort meldeten. Um die 90 Bürger waren in die Aula des Gymnasiums in Friedrichsfeld gekommen.

André Graßmann erläuterte bei der Vorstellung des Vorhabens, dass die Erdgasleitung nach einem geltenden Regelwerk auszulegen sei und danach handele man. Die Sicherheit sei durch diverse Punkte gewährleistet – etwa durch eine umfassende Materialprüfung schon in der „Stunde der Stahlherstellung“, eine Innendruckprüfung „für jedes Bauteil“, eine Wasserdruckprüfung und eine Schweißdruckprüfung, einen aktiven und passiven Korrosionsschutz. Auch verwies Graßmann unter anderem auf die 24-Stunden-Drucküberwachung.

Betreiber konnte Sorgen um Sicherheit der Gaspipeline im Ausschuss nicht ausräumen

Die Sorgen ausräumen konnten die Vertreter von Open Grid Europe auch mit weiteren Aussagen zur Sicherheit der Pipeline nicht. Immer wieder wurden Zweifel daran laut. So verwies ein Vertreter der Hünxer Bürgerinitiative „Todestrasse-nein-danke“ auf eine Gasexplosion, die sich vor zehn Jahren unweit eines Ortes in Hessen ereignete. Dabei sei an einer bestehenden Gasleitung eine Schweißnaht gerissen, als eine neue Pipeline gebaut wurde – Häuser lagen „50 bis 60 Meter von der Pipeline entfernt“. Projektleiter Kißing erklärte, dass das Regelwerk angepasst worden sei, so dass solch ein Fall nicht eintrete. Auch seien die geologischen und topologischen Verhältnisse ganz besondere gewesen.

Die von Amprion geplante und über Voerder Stadtgebiet laufende Gleichstromtrasse und deren mögliche Auswirkungen auf die Gasfernleitung (Stichwort: die davon ausgehende Strahlung) kamen ebenfalls zur Sprache. Seitens Open Grid Europe hieß es dazu, dass der Einfluss von Hochspannungsleitungen im geltenden Regelwerk ebenfalls berücksichtigt werde – und zwar so, dass die Gaspipeline im „gleichen Maße“ geschützt wäre „wie ohne die Stromleitung“.

Auch die von der Gaspipeline zu unterquerende Bahnstrecke kam zur Sprache

Auch die Betuwe-Linie, auf der Gefahrgut transportiert und die nach dem geplanten Zeelink-Trassenverlauf von der Gaspipeline unterquert wird, sprachen Bürger mit Verweis auf mögliche Auswirkungen durch Schwingungen oder Unfälle auf der Bahnstrecke und der Frage nach besonderen Vorsichtsmaßnahmen an. Die Pipeline wird Open Grid Europe zufolge in etwa sieben Metern Tiefe verlegt, was ausschließlich mit der Erd- und Verkehrslast zu tun habe. Die Unterquerung an dieser Stelle sei mit dickeren Rohren vorgesehen: Diese messen etwa 20 statt 16,8 Millimeter.

Die Frage, ob der Betreiber die Feuerwehr für den Havariefall ausbilde, wurde von Benjamin Majert, der als Jurist am Dienstagabend zu Rechtsangelegenheiten Auskunft gab, verneint. Die Erdgasfernleitung sei kein „Störfallbetrieb“, es werde dadurch keine besondere Gefährdung geschaffen.

>>Info: Erörterungstermin voraussichtlich im Mai 2018

  • Die im Zuge des Planfeststellungsverfahrens eingegangenen Einwendungen werden voraussichtlich im Mai 2018 im Erörterungstermin behandelt. Mit dem Bau soll nach den Plänen des Betreibers im Herbst 2018 begonnen werden, die Fertigstellung ist für den Winter 2020/21 vorgesehen, heißt es seitens Open Grid Europe.
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