Politik

Voerder SPD bemängelt fehlenden Einsatz der Arbeitnehmer

Im Strandhaus Ahr wurde gefrühstückt und diskutiert: In Götterswickerhamm feiert die Reihe „Frühstück mit der SPD“ Premiere.

Foto: Heiko Kempken

Im Strandhaus Ahr wurde gefrühstückt und diskutiert: In Götterswickerhamm feiert die Reihe „Frühstück mit der SPD“ Premiere. Foto: Heiko Kempken

Voerde.   „Befristete Arbeitsverträge“ sind den Sozialdemokraten in Voerde ein Dorn im Auge. Das wurde beim ersten „Frühstück mit der SPD“ deutlich

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Während des Bundestagswahlkampfes war es für die SPD ein großes Thema und über den Vertrag zur Großen Koalition hat es Einzug in die Regierung gefunden: befristete Arbeitsverträge. Bei der ersten Ausgabe von „Frühstück mit der SPD“, zu dem der Ortsverband Voerde am vergangenen Sonntag ins Strandhaus Ahr eingeladen hatte, drehte sich alles um dieses Thema.

Den Sozialdemokraten sind befristete Arbeitsverträge ein Dorn im Auge und sie setzen sich für die Reduzierung und Abschaffung von zeitlich-begrenzten Anstellungen ein. Der Koalitionsvertrag enthält einen Kompromiss: In Betrieben mit mehr als 75 Angestellten dürfen Arbeitnehmer maximal 18 anstatt 24 Monate befristet angestellt werden. Außerdem darf es in diesen Unternehmen nur noch für 2,5 Prozent der Beschäftigten befristete Arbeitsverträge geben.

Begrenzung der befristeten Verträge

Mit zwei Experten diskutierten die Teilnehmer über die Frage, ob der Kompromiss genüge: Dr. Doris Beer, Sozialwissenschaftlerin und Expertin auf dem Gebiet befristete Arbeitsverträge, und Marvin Kuenen, DGB-Vorsitzender im Kreis Wesel und politischer Gewerkschaftssekretär der IGBCE (IG Bergbau, Chemie und Energie).

Zu Beginn führte Doris Beer mit Zahlen und Fakten in das Thema ein. „Befristete Arbeitsverträge sind gerade bei jungen Leuten ein großes Problem. Rund 23 Prozent aller unter 24-Jährigen sind zeitlich-begrenzt eingestellt. Zudem sind die Befristungsanteile in der Wissenschaft mit 26 Prozent am höchsten.“ Arbeitsverträge in der Wissenschaft seien oft an Projekte gebunden und werden daher nur zeitweise vergeben. Junge Leute, die aus der Ausbildung kommen, würden in der Regel ebenfalls befristet eingestellt.

Gewerkschaft als Ansprechpartner

In einem Meinungsbild aller Diskussions-Teilnehmer wurde deutlich, dass befristete Arbeitsverträge der Vergangenheit angehören sollten. Vor allem sachgrundlose Befristungen wurden von den Teilnehmern kritisiert.

Marvin Kuenen schilderte einige praxisnahe Beispiele. Dabei betonte er, dass die Gewerkschaften für die politische Debatte von Arbeitnehmer-Interessen verantwortlich seien und der Betriebsrat für die Belange innerhalb des Betriebs. Die Gewerkschaft sei aber auch Ansprechpartner für alle arbeits-rechtlichen Fragen. „Ungerechtfertigte Befristungen muss man nicht einfach so hinnehmen. Arbeitnehmer müssen sich wehren und zur Not sogar vor Gericht ziehen.“

Rechte der Arbeitgeber gestärkt

Die Rechte der Arbeitgeber seien in den letzten Jahren immer weiter gestärkt worden und die Arbeitnehmer würden sich nicht mehr für ihre Rechte einsetzen, hieß es. „1. Mai-Kundgebungen werden kaum noch besucht. Arbeitgeber-Vertretungen denken schon laut darüber nach, ob der Tag der Arbeit überhaupt noch ein Feiertag sein solle“, ärgerte sich SPD-Mitglied Hermann Joormann.

„Wir als Partei müssen wachsam sein, dass die Abschaffung befristeter Arbeitsverträge in der Regierung auf der Agenda bleibt und Arbeitnehmer motivieren für ihre Rechte einzustehen“, sagte Stefan Weltgen, Vorsitzender des SPD-Ortsverbands, zum Abschluss der Veranstaltung.

<<<Fortsetzung nach den Sommerferien<<<

Stefan Weltgen dankte den beiden Gästen für ihr Kommen und lud alle Teilnehmer zum nächsten politischen Frühstück ein, das nach den Sommerferien stattfinden soll. Das Thema steht noch nicht fest.

Die SPD bietet das Gesprächsformat in lockerer Form an, für 2018 sind insgesamt drei Veranstaltungen geplant.

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