Rathaussturm Voerde

Voerdes Rathauschef setzte auf Worte statt auf Hürden

Voerdes Bürgermeister Dirk Haarmann übergab Stadtprinzessin Marie I. nach wenig Gegenwehr den Schlüssel zum Rathaus.

Voerdes Bürgermeister Dirk Haarmann übergab Stadtprinzessin Marie I. nach wenig Gegenwehr den Schlüssel zum Rathaus.

Foto: Heiko Kempken

Voerde.   Die Verteidigungsstrategie der Stadt gegen die Jecken schlug fehl. Viele Worte konnten nicht verhindern, dass die Macht schnell pfutsch war.

Diesmal setzt der Chef im Voerder Rathaus auf Worte statt auf Barrikaden. Absperrbänder und kiloweise Konfetti – Fehlanzeige! Die Treppe hoch zur Schaltzentrale der Macht ist frei, auch der Aufzug ist dieses Mal für die Jecken nicht versperrt. Die haben also leichtes Spiel, erreichen ohne Gegenwehr die erste Etage. Mark Sarres, der Vorsitzende des 1. Voerder Karnevalsvereins (VKV), findet’s super, dass die Jecken so „völlig barrierefrei“ ins Rathaus gekommen sind. Verteidigung wäre ohnehin zwecklos gewesen, verrät er der Reporterin: „Gegen uns kommt eh’ keiner an.“ So soll’s dann auch sein.

Eine „Große Koalition“ aus VKV, MGV Eintracht Spellen, Taucherinnen der Sparkasse und Cowgirls der Volksbank begehrt die Macht und verlangt den Schlüssel zum Rathaus. Dort habe sich „Doppel-Null-Agentin Simone 08/15“ für die „Gemeine Prüfungsanstalt“ undercover eingeschleust, berichtet Sarres. „Vor wenigen Wochen hat sie sich selbst enttarnt und wird das Rathaus in Kürze verlassen.“ Dennoch: Bis zuletzt verteidigt Simone Kaspar im „Dreigestirn“ aus Bürgermeister und Beigeordneten die Stadt mit, während der VKV-Vorsitzende für die fünf Tage der jecken Mädels-Regentschaft so manche Regierungserklärung ankündigt.

So ganz ohne Kehren geht’s auch nach dieser Sause nicht

Der Chef im Rathaus will’s nicht glauben, dass die Jecken den Schlüssel wollen rauben. „Das sollten wir uns mal erlauben. Andere Häuser überfallen. Und dann noch nach dem Schlüssel krallen.“ Wehrhaft wollen er und sein Team sein, ohne alles zu verdrecken, erklärt Dirk Haarmann der Reporterin die Strategie – und später dann dem jecken Volk: „Konfetti in Tonnen hat nicht gereicht, auch Barrieren im Rathaus waren alle zu seicht. Am Ende standen wir blöde da. Verschwunden war die ganze Schar.“ Und so kam es, dass Bürgermeister und Beigeordneter Wilfried Limke beim letzten Mal die Besen schwangen – und keine fröhlichen Lieder sangen. So ganz ohne Kehren geht’s auch nach dieser Sause nicht, haben die Jecken doch kleine Kanonen voller Glitzerschnipsel gezündet.

Rathaussturm in Voerde an Altweiber

Die Voerder Stadtverwaltung machte es den Möhnen in diesem Jahr nicht allzu schwer.
Rathaussturm in Voerde an Altweiber
Petra Keßler, Anja Hasenjürgen

„Helau, Ihr Möhnen – alle aus Voerde, was wollt Ihr denn in unserer Behörde? Braucht Ihr nen Ausweis, seid Ihr verwirrt: Ihr habt Euch im Geschoss geirrt! Seid umsonst jetzt hoch die Treppen, was seid Ihr doch für Möhnendeppen!“, sagt der Stadtobere zum Gruß, sich der Illusion hingebend, die unwillkommenen Gäste könnten womöglich den Personalservice oder die Bauordnung suchen. Dafür hat er einen Wegweiser aufgestellt. Doch nicht lange und ihm wird gewahr, dass nicht nach guten Taten strebt die Schar. Ihr Motto habe sie schon verraten: „Es würde in der Welt viel Besseres passieren, wenn die Jecken statt der Narren regieren.“

Stadtprinzessin Marie I. nimmt den Rathausschlüssel vom Bürgermeister entgegen

Schließlich, nach noch viel mehr Worten, gibt der Chef im Voerder Rathaus auf und den Schlüssel an Stadtprinzessin Marie, die Erste. „Herr Haarmann, nehmen Sie sich in Acht. Ab heute übernehmen die Frauen die Macht. Aus Wesel kennen Sie’s ja schon – ‘ne Frau in Führungsposition“, kommentiert Hofdame Jenny Heckes vom MGV Eintracht Spellen.

Dass Simone Kaspar zur GPA geht, ist für sie „gar kein“ Problem. „Den Kämmerer-Job kenn ich von daheim. Viel schwieriger kann das hier doch nicht sein.“ Und der Karneval würd bei ihr auch profitieren: „Mit Kämmerin Jenny, Ihr Jecken, helau, gäb’s jedes Jahr Geld für den VKV.“ Das nämlich hätte sie beim Rheinpegel gespart und „für den Karnevalszug aufbewahrt“...

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