Die Bude ums Eck

NRZ-Serie: Von der Bude an der Klarastraße zum Luxus-Kiosk

Harald Höpken hat sich stets auf Veränderungen eingestellt und sein Angebot angepasst.

Foto: Lars Fröhlich

Harald Höpken hat sich stets auf Veränderungen eingestellt und sein Angebot angepasst. Foto: Lars Fröhlich

Dinslaken.   Ein Kiosk im Wandel der Zeit: Harald Höpken betreibt gegenüber dem ev. Krankenhaus Dinslaken eine Kombi aus Trinkhalle, Café und Imbiss.

Wenn Harald Höpken in seinem Laden die Kunden bedient, trägt er meistens seine weiße Kochjacke. Gegenüber dem evangelischen Krankenhaus hat sich Höpken in den letzten Jahren etwas aufgebaut. „Etwas“ deshalb, weil man hier von Trinkhalle eigentlich nicht mehr sprechen kann. „Das ist ein Luxus-Kiosk“, sagt er und muss grinsen. Es ist schon ein paar Jahre her, da übernahm der umtriebige Dinslakener den Laden an der Kreuzstraße – machte aus einem abgebrannten Blumengeschäft das Café „Erste Hilfe“. Der Trinkhallenbetrieb nebenan ging derweil weiter. Höpken trägt mittlerweile die weiße Kochjacke, weil er Trinkhalle und Café um einen Imbiss erweitert hat: „Höpy’s Burger Imbiss“, prangt jetzt auf einem gelb-roten Emblem an der großen Fensterfront des Ladens.

„Angebot erweitern und Überleben sichern“

„Das war damals die Situation, wo wir geschaut haben, wie wir die Kunden halten können, das Angebot erweitern und unser Überleben sichern“, erklärt er, wie es zu dem Imbiss kam. Jetzt brät Höpken für seine Kunden klassische Burger, frittiert Pommes und kreiert kleine Speisen.

Während viele Trinkhallen zusehen müssen, wie sie über die Runden kommen, hat Höpken stets versucht, sich den Veränderungen zu stellen: „Der Wandel kam sehr schnell. Viele Betreiber haben nichts getan und einfach gesagt, die Kundschaft kommt so oder so.“ Ein Trugschluss, denn viele mussten ihre Trinkhallen, die teilweise über Jahrzehnte gut liefen, aufgeben.

Viele Kioske haben es schwer

Wilhelm Bommann, der Geschäftsführer des Handelsverbands Niederrhein, hat drei Erklärungsansätze für den gestiegenen Druck auf die Trinkhallen: Zum einen sei es durch die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten für die Kioskbetreiber schwieriger geworden. Wenn Supermärkte bis spät in den Abend geöffnet haben, überlege sich der Kunde zwei Mal, ob er bereit sei, am Kiosk etwas mehr für sein Bier zu bezahlen. „Das trifft diese kleinen Nahversorger und hat sowohl bei den Tankstellen als auch bei den Trinkhallen zu Umsatzeinbußen geführt“, erläutert Bommann. Des Weiteren seien der Online-Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften sowie gestiegene Auflagen was etwa Hygienevorschriften oder das Aufstellen von Sitzgelegenheiten anbelangt ursächlich für die Krise der Trinkhallen.

Opa Fritz betrieb schon die „Erfrischungshalle Höpken“

Im Laden von Harald Höpken hängt im Durchgang zwischen Trinkhalle und Imbissküche eine Schwarzweißaufnahme. Darauf zu sehen sind Höpkens Großvater Fritz, Großmutter Erna, sein Vater Günter und Tante Helga. Die vier stehen vor der „Erfrischungshalle Höpken“. Großvater Fritz betrieb schon 1930 eine Trinkhalle an der Bergerstraße in Oberlohberg. Harald Höpken war also nicht der erste in der Familie, der sich mit einem Kiosk selbstständig machte.

Die erste Trinkhalle maß nur 15 Quadratmeter

Angefangen hatte es für ihn Anfang der 1980er mit einer kleinen Trinkhalle an der Klarastraße: „Das waren damals gerade mal 15 Quadratmeter“, erinnert sich Harald Höpken, der zu der Zeit erst 18 Jahre jung war. Höpken arbeitete auf der Zeche in Lohberg, wurde später Steiger. Die Trinkhalle betrieb er nebenbei. Als ihm die 15 Quadratmeter an der Klarastraße nicht mehr ausreichten, übernahm er den Kiosk an der Ecke Weißenburgstraße, nur wenige hundert Meter von seinem alten Standort entfernt.

„„Der erste Kiosk mit Ausschank“

Er baute die Trinkhalle aus: „Der erste Kiosk mit Ausschank“ – rückblickend war es für ihn „damals eine tolle Zeit“. Die Kunden kamen in Scharen: „Ich kannte damals Mann und Maus.“ Kurz vor der Jahrtausendwende hörte Höpken schließlich auf der Zeche auf – für ihn kein Grund, kürzer zu treten, im Gegenteil: „Ich habe damals mit der kleinen Bude angefangen. Später habe ich zwischenzeitlich drei Geschäfte betrieben“ – Lotto-Annahmestelle am Altmarkt, das Café Mocca gleich gegenüber und die Trinkhalle in der Feldmark. Außerdem pachtete er zwischenzeitlich das Brauhaus Mattlerhof in Duisburg. Das alles war einmal.

Heute ist Höpken mit seinem „Kombinationsladen“ an der Kreuzstraße zufrieden: „Von Zeitschriften und Zigaretten kann man nicht leben. Aber hier brauche ich mir an für sich keine Gedanken zu machen.“ Vor allem die Lage direkt gegenüber dem Krankenhaus komme ihm zugute. Zwar hätte dieses auch eine gute Cafeteria, aber „wir teilen uns den Kuchen“.

Ein Stück regionale Identität

Auch der Geschäftsführer des Handelsverbandes Niederrhein, Wilhelm Bommann, sagt, dass für den Erfolg einer Trinkhalle die Umgebung enorm wichtig ist: „Es hängt ganz entscheidend davon ab, wo man einen Kiosk betreibt. Man muss sich die Fragen stellen, welchen Standort habe ich und welche Kunden möchte ich haben.“ Ansonsten würde es für die Betreiber schwierig werden. Mit den wegfallenden Kiosken gehe dann nicht nur ein Teil der Nahversorgung verloren: „Trinkhallen sind auch ein Stück Identität hier in der Region“, sagt der Geschäftsführer des Handelsverbandes.

Harald Höpken sieht sich für die Zukunft gut gewappnet

Harald Höpken sieht sich mit seinem „Luxus-Kiosk“ für die Zukunft gut gewappnet. Noch weiter ausbauen möchte er sein Angebot vorerst nicht. Schließlich gebe es hier vom Waschmaschinenpulver bis zum Edel-Burger garniert mit einem Glas Rotwein alles.

Als er vor 38 Jahren das erste Mal eine Trinkhalle übernahm, hätte er sich das kaum vorstellen können: Trinkhalle, Café, Imbissbude – alles in einem. Der Wandel der Zeit macht es möglich und nötig. Wobei seine Kochjacke noch als kleine Erinnerung an vergangene Tage durchgehen könnte: Auch Großvater Fritz trägt auf dem Schwarzweißfoto vor der „Erfrischungshalle Höpken“ seinen blütenweißen Arbeitskittel.

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