Dinslaken/Düsseldorf

Von der Schulbank in den Landtag

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Dinslaken/Düsseldorf Wenn von Jugendlichen in Zusammenhang mit Politik die Rede ist, fällt häufig der Begriff „Politikverdrossenheit“. Jugendliche, so zumeist das Vorurteil, beschäftigten sich lieber mit ihren I-Phones oder anderen Annehmlichkeiten als mit politischen Zusammenhängen. Mit Politikverdrossenheit hat Julian Winter nichts am Hut. Anfang September nahm der 18-jährige Schüler der Ernst-Barlach-Gesamtschule am Jugend-Landtag NRW teil.

Beim Jugend-Landtag geht es darum, dass Jugendliche die Aufgaben der real gewählten Delegierten übernehmen, in Fraktionen diskutieren, Themen ausarbeiten und diese im Plenum präsentieren. Julian hat sich bei Stefan Zimkeit, dem Wahlkreisabgeordneten für Sterkrade und Dinslaken, um ein „Mandat“ beworben.

Zimkeit ist davon überzeugt, dass der Jugend-Landtag eine realistische Simulation des wirklichen Politikbetriebs ist: „Eine hervorragende Idee, die praxisnah, spannend Jugendlichen näherbringt, wie ein Parlament funktioniert.“

Julian, der drei Tage im Düsseldorfer Landtag als Abgeordneter aktiv sein durfte, war auch vor dem Jugend-Landtag schon politisch interessiert. Er ist der 1. Vorsitzende des Kinder- und Jugendparlamentes der Stadt Dinslaken, was auch für Zimkeit den Ausschlag für eine Zusage gab.

Der Jugend-Landtag, der einmal jährlich stattfindet, versucht den Düsseldorfer Politikbetrieb möglichst real nachzustellen. So ist die Anzahl der Fraktionsmitglieder gleich, es gibt einen Landtagspräsidenten und am Ende sollte im Idealfall ein Beschluss zu einem konkreten Thema gefasst werden.

„Die Beschlüsse finden bei den Landtagsabgeordneten Gehör“, berichtet Julian über die Ergebnisse der Diskussionen zu den Themen Kindergartenpflicht und Kennzeichnung von Polizisten.

Julian sagt, er habe viele positive Dinge aus dem Jugend-Landtag mitgenommen. „Das Diskutieren macht mir sehr viel Spaß“, berichtet er rückblickend. Allerdings müsse er lernen, nicht alles, was fraktionsintern oder von anderen Fraktionsmitgliedern kritisiert wurde, persönlich zu nehmen. Denn auch die raue Gangart des realen Politikbetriebs sei im Jugend-Landtag spürbar.

Der Parlamentarier Zimkeit glaubt, dass gerade durch die Nähe zur Wirklichkeit ein großer Lerneffekt einsetzt: „Es hilft erheblich besser als zehn Unterrichtsstunden“, meint der SPD-Mann.

Zu einem Eintritt in eine Partei konnte sich Julian Winter allerdings noch nicht durchringen. Er möchte sich aber dennoch weiterhin engagieren und den Politikbetrieb beobachten, denn er ist überzeugt: „Wir sind die Zukunft. Wir müssen uns damit abfinden, was die Politik macht. Man kann mit Politik viel erreichen und viel in der Gesellschaft bewegen.“ Ähnlicher Meinung ist auch Stefan Zimkeit, der darauf hinweist, dass die Stimme der Kinder und Jugendlichen aufgrund des demografischen Wandels immer leiser wird.

Gerade deshalb sollten sich junge Menschen engagieren und für ihre Interessen eintreten. Wie das funktioniert, weiß Julian Winter auch aufgrund des NRW Jugend-Landtags und dem regen Austausch unter Delegierten nun sehr genau.

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