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Dinslaken: Warum 200 Parkplätze zu wenig für 70 Autos sind

Großer Bahnhof zum ersten Spatenstich auf dem Hamco-Gelände. Damals war von „umfangreichen Stellplatzanlagen“ die Rede. Die  gibt es wohl auch: 200 Plätze. Aber eben nur für das Berufskolleg –  jedenfalls in der Theorie.Foto:Heiko Kempken

Großer Bahnhof zum ersten Spatenstich auf dem Hamco-Gelände. Damals war von „umfangreichen Stellplatzanlagen“ die Rede. Die gibt es wohl auch: 200 Plätze. Aber eben nur für das Berufskolleg – jedenfalls in der Theorie.Foto:Heiko Kempken

Dinslaken.   Auf dem Berufskolleg-Parkplatz auf dem Hamco-Gelände könnten Sportfans und Kinobesucher zwar praktisch parken. Laut Bauordnung aber nicht.

Das klingt ein wenig wie eine Geschichte aus Schilda: Auf dem Hamco-Gelände zwischen Hans-Böckler-, Otto-Brenner-Straße und Rotbach sollen zahlreiche Parkplätze für das geplante große Berufskolleg des Kreises Wesel entstehen. Aber den Handballern des MTV Dinslaken, die eigentlich eine Halle mit Tribüne auf dem Hamco-Gelände bekommen sollten, wird diese nun verwehrt – unter anderem mit der Begründung, dass es zuwenig Parkplätze gebe. Auch für das geplante große Kino und das Hotel sollen Parkplätze im Parkhaus der Neutor-Galerie gesucht werden. Denn „bauordnungsrechtlich“ dürfe ein Stellplatz „nur einmal belegt werden“, erklärt die Stadt Dinslaken. Egal, ob dort am Ende ein Auto steht, oder nicht.

Das ist geplant

Der Bauplan für das Hamco-Gelände wurde 2017 und nochmals 2018 gefasst: Hier sollen Gewerbe, Wohnbebauung am Rotbach und ursprünglich auch eine Sporthalle mit Tribüne als Ersatz für die Douvermannhalle entstehen. Auch von „umfangreichen Stellplatzanlagen“ war die Rede. Es gab Ende 2017 Festakt einen zum Spatenstich für das erste Gebäude dort. Die Residenz der die Kanzlei Veith ist mittlerweile fast fertig.

Genaue Planungen für das restliche Grundstück gibt es laut Stadt aber noch nicht: Es gebe einen mit dem Grundstückseigentümer, dem Kreis Wesel und der Stadt entwickelten „ersten Rahmenplan“, für eine „finale“ Darstellung der Planung fehlen aber noch „Grundlagendaten, wie für die infrastrukturelle Erschließung oder für umweltrelevante Aspekte“, so Stadtsprecher Marcel Sturm.

Fest steht aber schon jetzt: Für eine Sporthalle mit Tribüne und den geplanten Kino-Hotel-Komplex nebenan gibt es nicht genug Parkplätze auf dem Grundstück. Also: praktisch vielleicht schon. Bauordnungsrechtlich aber eben nicht.

Das sagt die Bauordnung

Wer baut, muss eine bestimmte Anzahl Stellplätze nachweisen. Für das Berufskolleg sollen laut Stadt 100 bis 200 Parkplätze auf dem Hamco-Gelände entstehen. Mindestens. Vermutlich, so Sturm, wolle der Kreis „mehr Stellplätze zu schaffen als von der Bauordnung gefordert.“ Diese ziele immer auf einen Mindestbedarf ab. „Der reale Bedarf ist oftmals größer.“ Genau wisse man das erst, wenn der Bauantrag des Kreises Wesel vorliege.

Die Sporthalle mit Tribüne erfordert den Nachweis von 70 Stellplätzen. Dass die Besucher der Handballspiele, die an Wochenenden, also außerhalb der Schulzeiten stattfinden, oder des Kinos am Abend die Berufskolleg-Parkplätze nutzen, wäre zwar praktisch möglich, falls der Kreis Wesel dazu die Genehmigung erteilt. Aber theoretisch eben nicht. Denn „bauordnungsrechtlich darf ein Parkplatz nur einmal belegt werden – auch wenn er in der Realität und in der gelebten Praxis von verschiedenen Nutzergruppen zu verschiedenen Zeit belegt werden würde“, erklärt Sturm.

Das Bauordnungsrecht gebe nicht die Möglichkeit, „die Berufskolleg-Parkplätze in die Planung als Parkfläche für einen durch eine zusätzliche Tribüne entstehenden Bedarf einzubeziehen. Das mag man kritisieren, ändert aber nichts an der Bauordnung.“ Ohnehin würde eine Sporthalle mit Zuschauerbetrieb „der sonstigen Zielsetzung einer Wohn- und Gewerbeentwicklung auf dem Gelände entgegenstehen.“ Also gibt es nun keine Tribüne. Der Kreis, der die Halle baut, kann sich das Lärmgutachten schenken, die Stadt Dinslaken spart sich die finanzielle Beteiligung an der Halle.

Auch der Hotel-Kino-Komplex benötige 100 bis 200 Stellplätze. Anderswo. Teile davon „werden in der Neutor Galerie nachgewiesen werden müssen. Dazu gebe es Gespräche zwischen Investor und Betreiber der Neutor-Galerie“, so Sturm.

Das ist der Zeitplan

Der Kreis Wesel rechnet für das Berufskolleg inklusive Stellplätzen mit einer Bauzeit bis Ende 2021. Die neue Sporthalle – die ohne Tribüne 7,1 Millionen Euro kosten soll – soll frühestens Anfang 2022 fertig sein. Die Vorplanungen zum Kinoprojekt „befinden sich in der Abstimmung mit dem Investor“, so Sturm. Die Stadt rechnet in den kommenden Wochen mit dem Bauantrag. gerechnet. Das Gelände soll demnächst vollständig geräumt werden.

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