Weiss will weg

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POLITIK. 2009 tritt Dinslakens Bürgermeisterin nicht mehr an. Sie zieht es nach Berlin.

DINSLAKEN. Beim Pressegespräch, eigentlich zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung in Lohberg, ließen CDU-Stadtverbandsvorsitzende Renate Seidel und Pressesprecher Dr. Rainer Holzborn unter Punkt 2 die Bombe platzen: Sabine Weiss, seit 1999 Bürgermeisterin in Dinslaken, tritt bei der Kommunalwahl 2009 nicht mehr an.

Wie es in der kurzen Pressemitteilung des CDU-Stadtverbandes heißt, möchte sie "die Nachfolge von Ilse Falk MdB im Wahlkreis Wesel für die Bundestagswahl 2009 antreten". Zusatz: "Das bedeutet auch, dass die CDU Dinslaken mit einem neuen Kandidaten oder Kandidatin für die Bürgermeisterwahl 2009 antreten wird".

Sabine Weiss sei angefragt worden und habe sich für ein höheres Amt beworben. "Sie möchte nach Berlin und im Parlament arbeiten, so Renate Seidel, die für die Bürgermeisterin "mit einem guten Listenplatz" rechnet. "Wir sind traurig und hätten uns gewünscht, dass Sabine weitermacht, aber wir respektieren ihre Entscheidung." Nach der Vorstandssitzung des Stadtverbandes am Dienstag wurde gestern Abend der Kreis-Vorstand informiert, heute soll die Fraktion Kenntnis bekommen, "auch wenn es schon in der Zeitung steht. Aber es ging nicht anders", erklärte Renate Seidel.

Dass Sabine Weiss große Fußspuren hinterlasse, sei klar. "Wir beim Stadtverband haben eine Findungskommission gebildet und auch schon mögliche Kandidaten angesprochen. Manche haben Interesse gezeigt, manche nicht", so die Vorsitzende. "Ich schätze, wir brauchen etwa 14 Tage."

"Uns wurde die Sache zu heiß"

Nach der Explosion kam die Irritation, nämlich darüber, dass die Stadtverbandsvorsitzende Renate Seidel und nicht die Bürgermeisterin selbst mit der Mitteilung an die Öffentlichkeit getreten ist. Wie die NRZ erfuhr war eigentlich alles ganz anders geplant: Nach dem Kreisvorstand am gestrigen Abend sollte heute am Mittag die Öffentlichkeit im Rahmen einer Pressekonferenz mit Sabine Weiss und der Kreisvorsitzenden Marie-Luise Fasse informiert werden. Bis dahin war parteiintern Schweigen vereinbart. Von dieser Pressekonferenz habe sie nichts gewusst, sagte Seidel der NRZ. Schon mehrfach sei sie auf das Gerücht angesprochen worden, man habe es einfach nicht mehr länger geheim halten können. "Uns wurde das einfach zu heiß, ich habe auch dem Stadtverband gegenüber eine Verantwortung", so Seidel. Wenn der Sachverhalt heute in der Zeitung stehe, sei die Sitzung des Kreisverbandes doch gelaufen, so Seidel. Und der Stadtverbandsvorstand sei informiert.

Das ändert indes nichts daran, dass sich die Bürgermeisterin selbst noch nicht zur Sache äußern will. Stillschweigen auch bei möglichen Nachfolgern: Heinz Wansing, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion, wollte sich nicht dazu auslassen, ob er im Fall der Fälle für eine Bürgermeisterkandidatur zur Verfügung stünde. Zuerst müsse Sabine Weiss die Chance haben, sich zu äußern. Der zweite Kandidat: Kämmerer Jörg Dehm, ausgewiesener Verwaltungs-Fachmann. Die Sache müsse reiflich überlegt sein, so Dehm. Vorerst seien die Parteigremien am Zug. Gestern nicht zu erreichen war der dritte potenzielle Nachfolger: Thomas Groß, Vize der Bürgermeisterin - bislang.

Eine Stellungnahme der Bürgermeisterin lässt derweil länger auf sich warten: Gestern wurde die für heute geplante Pressekonferenz bei der Kreis-CDU auf Dienstag verschoben. Wie die NRZ erfuhr, will Ilse Falk dann auch ihren Ausstieg aus der Bundespolitik offiziell bekannt geben. DER HERAUSFORDERERMichael Heidinger, der für die SPD als Bürgermeisterkandidat in Dinslaken antritt, zu den Plänen von Bürgermeisterin Sabine Weiss:

"Ich bin überrascht, habe auch wirklich nicht damit gerechnet. Zumal sie sich schon öfter anders geäußert hat. Aber egal wer jetzt antritt: Die Wahl wird nicht leichter, wir werden jeden Kandidaten ernstnehmen."

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