SCHULE

Wer zahlt, wenn Taxi Mama ausfällt

Wenn Kinder aus Krankheitsgründen nicht zur Schule laufen oder Bus fahren können, ist die Stadt erst ab einer Krankheitsdauer von acht Wochen zuständig.

Foto: Roland Magunia

Wenn Kinder aus Krankheitsgründen nicht zur Schule laufen oder Bus fahren können, ist die Stadt erst ab einer Krankheitsdauer von acht Wochen zuständig. Foto: Roland Magunia

Dinslaken.   Kind verletzt, Mutter krank - alleinerziehende Dinslakenerin versuchte wochenlang, eine Fahrtkostenerstattung für den Schulweg zu bekommen

Laufen, Radeln, Bus fahren – es gibt viele Wege, zur Schule zu kommen. Aber was passiert, wenn ein Schüler einen Unfall hat – und Taxi Mama ausfällt? Diese Frage musste sich Daniela Hochstein im Dezember stellen. Kurz vor den Ferien zog sich ihre Tochter bei einem Sportunfall eine Fußverletzung zu, läuft bis mindestens Februar auf Krücken. Und Daniela Hochstein kann ihre Tochter aus gesundheitlichen Gründen morgens nicht zur Schule bringen – sie nimmt starke Schmerzmittel.

Der Schulbus kommt nicht in Frage

Bis zu dem Unfall ist die Schülerin mit dem Fahrrad von der Augusta-straße zum Otto-Hahn-Gymnasium geradelt. Nun läuft sie auf Krücken und trägt eine Schiene am Fuß, mit der sie nach Auskunft der Mutter nirgendwo anstoßen darf. Der Bus falle somit als Transportmittel weg. Als Transportmittel blieb nur das Taxi. Doch wer zahlt? Für die alleinerziehende, kranke Mutter mit ihrem 450-Euro-Job nicht drin, sagt sie. Also telefonierte sie in den Ferien die verschiedenen Stellen ab. Kreis-Schulamt, Bezirksregierung, Jobcenter, Krankenkasse. Nirgendwo fühlte man sich zuständig. „Wir sind pleite“ sei die ergänzende Auskunft der Bezirksregierung gewesen. Die für das Programm „Bildung und Teilhabe“ zuständigen Mitarbeiter hätten ihr geraten, das Kind einfach zu Hause zu lassen.

Bei der Stadt Dinslaken war die zuständige Mitarbeiterin im Urlaub. Der Schulträger komme aber erst für die Fahrtkosten auf, wenn das Kind länger als acht Wochen krank sei, hieß es. „Sie ist aber erstmal nur bis Februar auf Krücken, dann wird ein CT gemacht“, so die Mutter. Sie solle sich nach Schulbeginn noch einmal melden, habe man der Mutter noch mitgegeben, sagt Marcel Sturm, Sprecher der Stadt Dinslaken, auf Nachfrage der NRZ. Davon aber hat Daniela Hochstein nichts gehört, zahlte das Taxi selbst.

Erst ab acht Wochen wird erstattet

Nachdem sich die NRZ eingeschaltet hat, kamen Stadt und Daniela Hochstein doch noch überein. Tatsächlich, so Marcel Sturm, sind „wir als Schulträger zuständig für die Schülerfahrtkosten.“ Darunter falle auch die Übernahme der Kosten, „wenn der Schüler nicht nur vorübergehend aus gesundheitlichen Gründen ein Verkehrsmittel benutzen muss“, heißt es in der Schülerfahrkostenverordnung. Bedeutet, nach der Definition der Verordnung: Wenn ein Schüler kürzer als acht Wochen nicht laufen oder Fahrrad fahren kann, ist die Stadt nicht zuständig.

„Doch auch im Fall einer Unterschreitung der acht Wochen hilft die Stadt Dinslaken gerne dabei, Lösungen zu finden“, erklärt Sturm, es gebe einen „Ermessens-Spielraum“.

Wenn ein Kind den ÖPNV nicht nutzen kann, zahlt die Stadt den Eltern eine Wegstrecken-Entschädigung von 13 Cent pro Kilometer Schulweg. Diese wird auch für die Fahrt mit dem Taxi erstattet. Für eine volle Kostenerstattung müssen die entsprechenden Atteste vorgelegt werden.

Das rät die Stadt

Wer in eine ähnliche Lage gerät, sollte laut Sturm nicht nur die Schule informieren. „Die Schulen müssen uns solche Fälle nicht melden.“ Es bestehe Schulpflicht, „somit müssen die Eltern Sorge dafür tragen, dass ihr Kind die Schule besucht. Wie es zur Schule gelangt, liegt in der Verantwortung der Eltern“. Eltern sollen direkt auch den städtischen Fachdienst Schule und Sport informieren, der die Eltern dann beim Ausfüllen der Anträge berate. Damit, anders als in diesem Fall, „keine unnötige Zeit verloren geht“, so Marcel Sturm. (aha/akw)

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