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Wie eine Initiative aus Voerde für Europa wirbt

Mit Europa-Flaggen und blauen Luftballonen warben Europafreunde am Deichkreuz in Ork am Rhein für ein positiveres Bild der europäischen Idee.

Mit Europa-Flaggen und blauen Luftballonen warben Europafreunde am Deichkreuz in Ork am Rhein für ein positiveres Bild der europäischen Idee.

Voerde.   Vor kurzem haben sich in Voerde Gleichgesinnte gefunden, um emotional für Europa zu werben. Die dritte Aktion nimmt Frankreich in den Fokus.

Als Werner Ellenberger vor einigen Wochen über Facebook dazu aufrief, doch auch einmal darüber nachzudenken, was „wir für Europa tun können“ (und nicht umgekehrt) und dabei auf die Bewegung „Pulse of Europe“ als positives Beispiel verwies, hatte er mit mehr Reaktionen gerechnet. Und so kam es, dass die nach seinem Empfinden zu geringe Resonanz seine Euphorie deutlich dämpfte und er sich enttäuscht schon wieder zurückziehen wollte. Doch da hatte der 65-Jährige die Rechnung ohne einige Gleichgesinnte gemacht.

Warum gleich die Flinte ins Korn werfen?, dachte sich Carmen Steldermann-Tafel und nahm schließlich über eine persönliche Nachricht via Facebook Kontakt zu Werner Ellenberger auf. Auch Silke Kudrisch schaltete sich ein – und so mündete der virtuelle Austausch in einem ersten gemeinsamen Treffen in einem Café. Mit von der Partie auch Marc Steldermann, der Mann von Carmen Steldermann-Tafel.

Ein ausgesprochen agiles Quartett

Das Quartett sollte sich als ausgesprochen spontan und agil erweisen: Innerhalb weniger Wochen war die erste Pro-Europa-Aktion auf die Beine gestellt. Zum Rhein, an das Deichkreuz in Ork, hatten die vier für den 2. April eingeladen, um für ein positives Europabild zu werben. Um die 30 Menschen kamen, etwa 20 waren es eine Woche später am Rheinpegel auf dem Voerder Marktplatz. Darunter auch „neue“ Gesichter, freut sich Carmen Steldermann-Tafel.

„Europafreunde Niederrhein“ – so nennt sich die von dem Quartett ins Leben gerufene Initiative, die klarstellt, keine Konkurrenz zu „Pulse of Europe“ zu sein und sich „nicht mit fremden Federn schmücken“ zu wollen. Man habe Kontakt mit der Bewegung, die nach eigenen Angaben in mehr als 90 Städten in insgesamt 13 europäischen Ländern mit Kundgebungen aktiv ist, aufgenommen und gefragt, ob es möglich sei, in ihrem Namen etwas in Voerde auf die Beine zu stellen. Pulse of Europe habe per Mail geantwortet, derzeit überlastet zu sein, und erklärt, dass man deshalb warten müsse, erzählt Ellenberger. Also beschlossen seine Mitstreiter und er, selbst aktiv zu werden.

„Die Befürworter Europas dürfen nicht schweigen“, bringt er ein Anliegen der in Voerde entstandenen Initiative auf den Punkt. Man müsse „offensiver für Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und Völkerverständigung“ eintreten. Es gehe nicht darum, Detaildiskussionen zu führen. „Wir wollen nicht über einzelne Verordnungen streiten.“ Das Quartett will andererseits auch nicht verhehlen, dass auf EU-Ebene „einiges schiefgeht“ – doch die, die versuchten, Europa „kaputt zu reden“, bezögen sich nur auf den Binnenmarkt, kritisiert Ellenberger. „Was ist, wenn Europa nicht mehr existiert?“, fragt sich Carmen Steldermann-Tafel.

Furcht um den Fortbestand Europas treibt Initiatoren an

Die Furcht um den Fortbestand ist es, der die Initiatoren antreibt. „Nur wenn Europa sich einig ist, können wir die großen, globalen Probleme auch managen“, ist Ellenberger überzeugt. Mit großer Sorge schauen seine Mitstreiter und er auf die anstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich, auf den Populismus, der Europa von „innen zernagt“. Es sei wichtig, dass gerade die Jugend aufgerüttelt werde, was sie von Europa habe, sagt Carmen Steldermann-Tafel.

Das Quartett aus Voerde würde sich über weitere Unterstützer freuen. „Jeder kann sich anschließen, Ideen entwickeln, Tipps geben“, erklärt Carmen Steldermann-Tafel. Ziel der Initiative ist es, emotional für Europa zu werben – mit kleinen kreativen Aktionen mindestens einmal im Monat, die Kreise ziehen, über Voerde hinaus. Ideen gibt es bereits einige: Die nächste ist bereits terminiert (s. Kasten). Denkbar wäre für die „Europafreunde Niederrhein“ auch, eine Pulse-of-Europe-Kundgebung in einer anderen Stadt zu besuchen, sich gemeinsam einen Europafilm anzusehen oder zusammen die Europa-Hymne zu singen – die „Ode an die Freude“. Für Werner Ellenberger liegt dies nahe: Es mache schließlich Freude, emotional für Europa zu werben. Und daher nennt sich die Gruppe auch „Europafreu(n)de Niederrhein“.

>>> INFOS: Picknick am 23. April und Präsenz im weltweiten Netz

  • Das nächste Treffen mit Gleichgesinnten, zu dem die „Europafreunde Niederrhein“ für Sonntag, 23. April, 14 Uhr, einladen, ist ein französisches Picknick am Haus Voerde. „Die deutsch-französische Freundschaft war die Keimzelle Europas“, sagt Werner Ellenberger. Bei den in Frankreich anstehenden Präsidentschaftswahlen würden erstmals einer offen europafeindlichen Kandidatin Chancen eingeräumt. „Wir bilden uns zwar nicht ein, dass wir mit unserem französischen Picknick die große Politik in Frankreich maßgeblich beeinflussen können, aber jedes noch so kleine Steinchen lässt die Freude an Europa weiter wachsen – auch in Deutschland – und das ist gut so“, sagt Ellenberger.

  • Im Internet ist die Gruppe auf www.europafreunde.wordpress.com sowie auf www.facebook.com/europafreundeniederrhein vertreten.

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