Erdgasfernleitung

Zeelink-Anhörung in Neuss hinter verschlossener Tür

Lissy Füllgraf, Heinz Patt und Dagmar Schmütz – drei von acht Mitfahrenden aus Voerde – kurz vor dem Start nach Neuss

Lissy Füllgraf, Heinz Patt und Dagmar Schmütz – drei von acht Mitfahrenden aus Voerde – kurz vor dem Start nach Neuss

Foto: Heiko Kempken

Voerde/Hünxe.   Bei Erörterung zur geplanten Gaspipeline „Zeelink“ wurde die Öffentlichkeit nicht zugelassen. Mehrstündige Debatte über Sicherheit der Leitung.

7.45 Uhr in der Voerder Innenstadt. In 15 Minuten soll an diesem 14. Mai der Bus Richtung Neuss zur Erörterung des umstrittenen Neubaus der Erdgasfernleitung „Zeelink“ am Rathaus, Rathausplatz 20, starten – so weit die von der Bezirksregierung Düsseldorf kommunizierte Ortsangabe. Doch von einem Bus ist nichts zu sehen. Wohl dem, der sich seinen Teil denkt und zum Parkdeck an der Friedrichsfelder Straße läuft – dorthin, wo sich die Haltestellen des öffentlichen Linienverkehrs befinden. Unweit davon steht der von der Firma Zeelink GmbH & Co. KG für private Einwender eingerichtete kostenlose Shuttle-Bus. Ob zwischenzeitlich jemand, der am Rathaus gestanden hat, unverrichteter Dinge wieder gegangen ist, lässt sich nicht sagen.

Obwohl die Bedenken gegen das Großprojekt zum überwiegenden Teil (1377 von insgesamt 1507) aus Voerde und Hünxe kommen, suchte die Bezirksregierung Düsseldorf das Dorint-Kongresshotel in Neuss als Verhandlungsort aus. Dass der große Reisebus nicht am Rathaus steht, begründet der Fahrer mit dem Navi, das ihn zu dieser Stelle geführt habe, und damit, dass er am Verwaltungsgebäude nicht hätte parken können. Um sicher zu gehen, dass dort keiner mehr wartet, schaut unter anderem einer der Mitfahrenden nach – dann gegen 8.10 Uhr geht es los. Mit acht Bürgern an Bord. Der Termin sei ungünstig, sagt Heinz Patt: ein Montag und dazu noch nach einem Brückentagswochenende.

Kritik am Ort der Anhörung

Lissy Füllgraf gehört zu den acht Mitreisenden, die sich mit dem Bus auf den Weg nach Neuss machen. Die Voerderin war bis zu ihrem Abschied aus der Politik 17 Jahre für die Grünen im Stadrat, 15 Jahre davon als Fraktionssprecherin. Dass die Bezirksregierung die Anhörung in das mehr als 55 Kilometer weit entfernte Neuss gelegt hat, findet Füllgraf „nicht in Ordnung“. Das sei ein Hemmnis; hätte die Veranstaltung hier stattgefunden, wäre man flexibler gewesen.

Einige Minuten nach dem Start erreicht sie ein Anruf: Der Bus, der ebenfalls um 8 Uhr in Hünxe am Sportplatz Klever Straße/In den Elsen losfahren sollte, ist nicht gekommen. 40 bis 50 Leute hätten dort gestanden, sagt später Rainer Rehbein, einer der Sprecher der Hünxer Initiative gegen die geplante Gaspipeline. Einige, etwa zehn bis zwölf, steigen auf Privatfahrzeuge um. Auf Nachfrage der NRZ erklärt die Bezirksregierung, dass es sich der Firma Zeelink zufolge schlicht um einen Fehler des Busunternehmens gehandelt habe, der Fahrer sei versehentlich falsch instruiert worden.

Presse wird nicht zugelassen

Am Ziel müssen die Einwender an der Einlasskontrolle vorbei und sich ausweisen. Die Presse muss draußen bleiben, Verhandlungsleiterin Selina Karvani von der Bezirksregierung begründet dies damit, dass im Vorfeld viele Einwender um den Schutz ihrer Daten gebeten hätten, es gehe um Dinge wie Grundstücksangelegenheiten oder die persönliche Wohnsituation etc. – am Ende soll sie nach NRZ-Informationen auf mehrfaches Drängen hin die Frage gestellt haben, ob die Öffentlichkeit zugelassen werden soll. Das Ergebnis dem Vernehmen nach: Keiner der Einwender hat etwas dagegen, nur die Firma Zeelink votiert dagegen, womit die Sache vom Tisch ist.

Zuvor hat es angesichts des nicht erfolgten Bustransfers aus Hünxe den Antrag gegeben, die Verhandlung abzubrechen, da – so die Begründung – die Betroffenen nicht das rechtliche Gehör erhalten hätten. Das Ansinnen wird abgelehnt, wie auch der Befangenheitsantrag negativ beschieden wird. 66 private Einwender nehmen an der Anhörung teil, wobei einige Vertreteraufgaben für mehrere andere Betroffene wahrnehmen, wie die Bezirksregierung erklärt. 27 Bürger aus Hünxe und 19 aus Voerde sind darunter.

Sicherheit der Leitung am ersten Tag zentrales Thema

Zunächst stellt die Firma Zeelink ihr Projekt vor, dann haben die Träger öffentlicher Belange, Vereinigungen und anerkannte Naturschutzverbände das Wort, bevor es um die Verhandlung verschiedener Themenbereiche geht. Punkt 1 betrifft die Sicherheit der Leitung, um die sich die Menschen sorgen und die einen großen Teil der Einwendungen einnimmt – und der Anhörung. Viele Einwender melden sich zu Wort. Das Unternehmen, das die Ängste für unbegründet hält, verweist, wie gehabt, auf verschiedene Sicherheitsmaßnahmen.

Fast vier Stunden, so ist zu hören, dauert die Debatte um diesen zentralen Punkt. Dann wird noch kurz der nächste, der Bedarf der Pipeline, angeschnitten und die Anhörung gegen 18 Uhr vertagt. Am Dienstag, 15. Mai, geht es um 10 Uhr weiter. Dann soll laut Bezirksregierung auch sichergestellt sein, „dass der Shuttle-Bus in Voerde am Rathaus startet und in Hünxe am Sportplatz Klever Straße/In den Elsen“. Los geht es jeweils um 8 Uhr.

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