Wolf

Zeigt dieses Foto aus Hünxe die Wölfin Gloria?

Dieses Foto machte Jägerin Sabine Baschke bei der Drückjagd auf Rot- und Schwarzwild in Hünxe mit ihrem Handy. Wolfsexperte Jos de Bruin ist sich sicher, dass es einen Wolf zeigt.

Dieses Foto machte Jägerin Sabine Baschke bei der Drückjagd auf Rot- und Schwarzwild in Hünxe mit ihrem Handy. Wolfsexperte Jos de Bruin ist sich sicher, dass es einen Wolf zeigt.

Hünxe.   Eine Jägerin fotografierte in Hünxe möglicherweise die Wölfin, die sich im Kreis Wesel niedergelassen hat. Das „Lupus“-Institut prüft das Bild.

Seit Monaten hält die Wölfin den Kreis Wesel in Atem. Ein Revier – das erste Wolfsgebiet in NRW – hat sie bekommen und einen Namen: Gloria. Nun hat sie möglicherweise auch ein Gesicht: Einer Jägerin aus Wesel gelang im Hünxer Wald eine Aufnahme, von der sich Experte Jos de Bruin, Wolfsbotschafter des Nabu und Betreiber der Sonsbecker Wolf-Auffangstation, ganz sicher ist, dass es einen Wolf zeigt. Das Lupus-Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Sachsen prüft die Aufnahme derzeit.

„Da rechnet man ja so nicht mit“

Mehr als 40 Jäger aus zwei Revieren beteiligten sich an der Drückjagd auf Rot- und Schwarzwild nahe dem Flugplatz Schwarze Heide. Die Treiber haben mit ihren Hunden am Samstag offenbar nicht nur das Wild aufgescheucht. Auch der Wolf – so es sich bei dem Tier auf den Fotos tatsächlich um einen Wolf handelt – hat die Jäger offenbar gehört und ist in die andere Richtung gelaufen. „Er wirkte aber nicht gehetzt“, betont Tobias Rösel, Vorsitzender des Hegerings Hünxe.

Das Tier sei ruhig an mehreren Hochsitzen vorbeigelaufen, die im Abstand von 100 Metern voneinander platziert waren. Deswegen haben gleich mehrere Jäger das Tier gesehen. Eine von ihnen war Sabine Baschke aus Wesel. Normalerweise sei sie zur Jagd seltener im Kreis Wesel unterwegs, meistens eher im Hunsrück. Doch bei der Drückjagd am vergangenen Samstag in Hünxe entdeckte Sabine Baschke plötzlich das wolfsähnliche Tier und griff sofort zum Handy, um ein paar Fotos zu machen. Die Weselerin ist seit sechs Jahren Jägerin. Einen Wolf hatte sie vorher nur im Wildpark in Isselburg hinter einem Zaun, nicht aber in der freien Natur zu Gesicht bekommen. Schon aufregend sei das gewesen, sagt die 45-Jährige. „Da rechnet man ja so nicht mit.“

Der Wolf ist „gut genährt“

Revierförster Michael Herbrecht, der ebenfalls an der Jagd beteiligt war, hat die Fotos ans Landes-Umweltamt (Lanuv) weitergeleitet, das wiederum das Lupus-Instituts eingeschaltet hat. Die Experten in Sachsen prüfen, ob es sich bei dem fotografierten Tier um einen Wolf handelt. „Es könnte ja theoretisch auch ein Husky oder Wolfshund sein“, gibt Lanuv-Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia zu bedenken.

Jos de Bruin ist sich nach der Ansicht der Fotos sicher: „Das ist ein Wolf.“ Der gebürtige Niederländer beschäftigt sich seit fast 30 Jahren mit Wölfen, lebt mit ihnen zusammen. Ob es sich bei dem Tier um einen weiblichen oder männlichen Wolf handele, sei nicht zu erkennen. Die letzten Risse in Dinslaken und Hünxe konnten zwar einem Wolf aber noch nicht Wölfin Gloria zugeordnet werden. Der Gentest läut noch. Seitdem kursiert das Gerücht, es habe sich ein zweiter, ein männlicher Wolf im Kreis Wesel niedergelassen. „Dafür gibt es bislang keinen Nachweis“, so de Bruin. Das fotografierte Tier sei „gut genährt“, habe zudem Winterfell, so erklärt der Experte den auffälligen Bauch des Tieres auf den Bildern.

Förster verärgert über Paparazzi

Michael Herbrecht und Tobias Rösel treibt eine ganz andere Sorge um. Immer mehr Menschen verlassen die Wege im Wald und „laufen querfeldein, weil sie den Wolf fotografieren wollen“, berichtet Herbrecht. Das sei nicht nur verboten und gelte als Ordnungswidrigkeit. Die Spaziergänger schrecken auch das Wild auf. Und die Paparazzi im Naturschutzgebiet bewirken laut Herbrecht, was auf jeden Fall vermieden werden sollte: Dass sich der Wolf an Menschen gewöhnt.

>>Hintergrund:

  • Das 958 Quadratkilometer große „Wolfsrevier Schermbeck“ – das auch Dinslaken, Voerde, Hünxe, Wesel, Hamminkeln, Rees, Raesfeld, Dorsten, Oberhausen und Bottrop umfasst oder tangiert – wurde im Oktober ausgerufen. Eine junge Wölfin, die aus dem niedersächsischen Schneverdingen stammt, hat sich hier niedergelassen.
  • Das Lanuv listet bislang 17 Nachweise auf, die die Anwesenheit eines Wolfes belegen – durch Risse oder Sichtungen. Nutztierhalter können Fördermittel für Schutzmaßnahmen beantragen. Infos: wolf.nrw.de.

    So lebt man mit Wölfen - Besuch in einer Auffangstation

    Wie gefährlich sind Wölfe? Jos de Bruin hat eine Wolf-Auffangstation. Er weiß, wie die Tiere sich verhalten und wie das Zusammenleben mit ihnen funktionieren kann.
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