Martinikirmes

Zentimeterarbeit beim Aufbau der Martinikirmes in Dinslaken

Das „Shake & Roll“ war eines der ersten Karussells, das fertig stand. Sascha Petry verrichtet nur noch Feinarbeiten.

Das „Shake & Roll“ war eines der ersten Karussells, das fertig stand. Sascha Petry verrichtet nur noch Feinarbeiten.

Foto: Lars Fröhlich

Dinslaken.   Die Martinikirmes wird seit Samstag aufgebaut. Manchmal geht es dabei um Zentimeter. Am Ende passt es aber immer, sagt die Kirmesmeisterin

Der Packwagen gehört da nicht hin. Plötzlich stand er auf dem Kirmesplatz, angeschmiegt an ein Karussell und wurde nach und nach zugeparkt. Weg kann er nun nicht mehr – der Platz, den er einnimmt, fehlt aber an anderer Stelle. So groß das Gelände der Trabrennbahn auch ist: Beim Aufbau der Martinikirmes geht es oft um Zentimeter. Auf dem Kirmesplatz wurde gestern gemessen und verhandelt, rangiert und geschraubt. Bevor der Rummel am Freitag eröffnet, steht noch viel Arbeit an.

Acht Meter Rettungsweg müssen eingehalten werden

Eine Runde Schausteller wartet artig auf Carina Albeck, Kirmesmeisterin

der Martinikirmes. Die einen wollen wissen, wo der Platz für ihr Geschäft ist, andere wollen fragen, wann sie vorfahren können. Zuerst ist aber das Kinderkarussell an der Reihe, das am Ende der Reihe steht, in der gerade der Packwagen den Platz wegnimmt. Der Abstand zum Nachbargeschäft ist dem Betreiber zu klein – denn dort soll immerhin „Jekyll & Hyde“, ein Geschäft der Größe XXL platziert werden. Und die acht Meter Rettungsweg müssen auch eingehalten werden.

Ein ganz spezieller Kirmesplatz

Das Fahrgeschäft mit dem 42 Meter langen Arm ist noch nicht vor Ort, soll später kommen. Wenn der Transporter auf dem Platz ist, geht dahinter erstmal nichts mehr. Weswegen die Dame mit dem Süßigkeitenwagen entweder vorher oder nachher anreisen muss. Sie steht in der Kurve des unteren Platzes, hinten leicht erhöht. „Das sind die Besonderheiten unseres Platzes: Wir haben die Spitze eines Dreiecks zu füllen und eine Kurve“, sagt Carina Albeck lachend. Irgendwie passt es am Ende immer.

Jürgen Smekalla hat ebenfalls einen Süßwarenladen. Er steht wenige Meter weiter und verbreitet gute Laune. Nur eine Neun-Meter-Lücke habe es auf dem Platz gegeben, in die hat er seinen Wagen gestellt. Und nun herausgefunden, dass das auch genau der Platz war, den man ihm zugedacht hatte. Glück gehabt. Nun kann er den Kollegen bei der Arbeit zuschauen.

Jede einzelne Glühbirne wird poliert

Lutz Köhrmann etwa bewegt mit seiner Fernbedienung echte Schwergewichte. Ihm gehört das „Artistico“, die 46 Meter hohe Riesenschaukel, eines der größten Fahrgeschäfte auf der diesjährigen Kirmes. Mit einem Kran wird das Karussell aufgebaut – „dauert nur einen Tag“, sagt der Chef. Weiter unten auf dem Kirmesplatz wird echte Kleinarbeit verrichtet: Liebevoll polieren die Mitarbeiter von Eugen Kübler jede Glühbirne des Kettenkarussells „Wellenflug Circuswelt“. Und das Karussell hat sehr, sehr viele Glühbirnen. Auch sonst ist es etwas wirklich besonderes: „Ein Unikat“, schwärmt Kübler, „das einzige, das sich auch rückwärts drehen kann.“ Das Karussell war schon häufig beim Oktoberfest in München.

Enten aus der Waschtrommel

Auch Mark Eul verrichtet Filigranarbeit: Er kontrolliert die Enten, die schon fröhlich ihre Runden beim „Entenrennen“ im Wasserkanal drehen. Damit die Quietscheenten immer sauber sind, werden sie in der Waschmaschine gewaschen, verrät er. Vor wenigen Wochen war er schon einmal in der Gegend – bei der Nottekirmes in Voerde. Auch hier: blitzsaubere Entchen. Die Montgolfiere war gestern auch schon aufgebaut, auch die Ameise, um die ab Freitag „Willi der Wurm“ seine Runden dreht, strahlte schon der Trabrennbahn entgegen. Im vergangenen Jahr habe sich die Kirmes nicht gelohnt, seufzt Schausteller Ingo Bauermeister. „Das Wetter war einfach zu schlecht.“ Trotzdem ist er gerne wiedergekommen – und hofft nun auf Kirmeswetter. Ebenso wie Kevin Traber, der in Dinslaken erstmals „Flank in the hand“ anbietet und Rudolf Edling mit seiner Airport-Bar, der der Dinslakener Martinikirmes schon seit mehr 40 Jahren treu ist.

Die Monster von Fellerhoffs Geisterdorf lugen noch artig unter der Lkw-Plane hervor, die „Crazy Mouse“ und das Riesenrad kommen noch. Aber „das passt schon“, sagt Carina Albeck. Auch für das Kinderkarussell hat sie eine Lösung gefunden: Nun steht das Kassenhäuschen mit dem Rücken zum Nachbarn. Da stört der geringe Abstand nicht.

>> Öffnungszeiten und Anfahrt

  • Ab Freitag geht es auf der Martinikirmes rund. Sie ist bis Dienstag, 13. November, jeweils von 14 bis 23 Uhr – Sonntag von 11 bis 23 Uhr – geöffnet. Von 14 bis 16 Uhr sind am Freitag „Happy Hours“, um 17 Uhr eröffnet Bürgermeister Michael Heidinger die Kirmes offiziell. Zum Abschluss der Kirmes gibt es am Dienstag, 21 Uhr, ein Höhenfeuerwerk.
  • Ein kostenloser Pendelbus startet an den Haltestellen „Friedrich-Ebert-Straße/Neustraße“, „Bahnhofsplatz“, „Am Neutor“ und „Hans-Böckler-Straße/Am Pollenkamp“. Auf der Trabrennbahn selbst gibt es 2500 Parkplätze

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