Urteil

Ärzte müssen nach "Samenraub" keinen Unterhalt zahlen

Ohne seine Zustimmung seien die Spermien von Marco S. zur Zeugung von Zwillingen verwendet worden - sagt zumindest Marco S..

Ohne seine Zustimmung seien die Spermien von Marco S. zur Zeugung von Zwillingen verwendet worden - sagt zumindest Marco S..

Foto: Thinkstock

Dortmund/Hamm.   Zwei Ärzte einer Dortmunder Kinderwunsch-Klinik müssen nun doch keinen Unterhalt für Zwillinge zahlen, die aus einer künstlichen Befruchtung entstanden waren. Das OLG Hamm hat das Urteil des Landgerichts Dortmund abgewiesen. Der Vater hatte geklagt — er habe der Befruchtung niemals zugestimmt.

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Das Oberlandesgericht Hamm hat am Montag die Schadensersatzklage im „Samenraub-Prozess“ abgewiesen. Der Marco S.(41) aus Hattingen hatte von den Betreibern eines Dortmunder Kinderwunschzentrums Geld gefordert, nachdem er 2007 Vater von Zwillingen geworden war — vermeintlich gegen seinen Willen. Die Mutter hatte die Kinder nach einer künstlichen Befruchtung mit Sperma geboren, das er für den Notfall hatte einfrieren lassen. Zu diesem Zeitpunkt war das Paar aber längst getrennt — und das Sperma hätte laut Kläger längst vernichtet sein müssen.

Seine Schadensersatz-Forderung hatte er damit begründet, dass er sein Sperma im Januar 2004 nur für eine vereinbarte Lagerzeit überlassen hatte, damit seine Frau auch im Fall einer Erkrankung Kinder von ihm bekommen könne. Ohne seine Zustimmung sei die Probe über den vereinbarten Zeitraum hinaus aufbewahrt und zur Befruchtung verwandt worden.

Das Landgericht Dortmund hatte die beklagten Ärzte im April 2012 wegen Verletzung vertraglicher Pflichten zum Schadensersatz verurteilt und sie damit verpflichtet, für beide Kinder Unterhalt bis zum 18. Lebensjahr zu zahlen. Das Gericht sah es nicht als bewiesen an, dass Marco S. 2007 der Befruchtung mit seinem Sperma zugestimmt hatte.

Vater muss jetzt selbst Unterhalt zahlen

Das OLG Hamm hat das Urteil des Landgerichts Dortmund jetzt revidiert und die Schadensersatzklage abgewiesen. Der Vater muss den Unterhalt für seine beiden Kinder — einen Jungen und ein Mädchen — selbst zahlen. Nach der Auswertung von Urkunden, Gutachten und Akten sah das Gericht den Nachweis erbracht, der Kläger habe sein Einverständnis für die künstliche Befruchtung mit seinem Sperma gegeben. Der Kläger habe maßgebliche Dokumente selbst unterzeichnet, die die Mutter schon zu Prozessbeginn vorgelegt hatte. Gefälscht worden seien seine Unterschriften laut einem Schriftsachverständigen nicht — obwohl der Kläger das behauptet hatte.

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