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Ullrich Sierau bleibt Oberbürgermeister von Dortmund

Der alte und neue Oberbürgermeister nach seinem knappen Sieg in der Stichwahl.

Der alte und neue Oberbürgermeister nach seinem knappen Sieg in der Stichwahl.

Foto: Dieter Menne

Dortmund.  Das war knapp! Mit 51,6 Prozent der Stimmen vor seiner Herausforderin Annette Littmann (CDU) setzte sich Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau in der Stichwahl durch. Damit bleibt Dortmund eine rote Bastion im Revier, wenn auch mit Ach und Krach. Desaströs war jedoch die Wahlbeteiligung.

Ullrich Sierau behält seinen Posten als Dortmunder Oberbürgermeister. Bis die SPD ihren knappen Sieg feiern durfte, mussten die Genossen richtig zittern. Hatte Sierau am Anfang, als nur eine Handvoll Wahllokale ausgezählt waren, mit 56 Prozent klar vorn gelegen, schmolz sein Vorsprung mit fast jedem neuen Ergebnis-Zwischenstand wie Schnee in der Juni-Sonne.

Erst nach Auszählung von 361 von 362 Stimmbezirken – 302 Wahllokale und 60 Briefwahl-Bezirke – zeigte sich Sierau den SPD-Anhängern im Rathaus.

Keine Euphorie bei der SPD

Der Applaus und die „Ulli, Ulli“-Sprechchöre klangen dabei sehr nach Erleichterung. Und auch Sierau gab sich eher nachdenklich denn euphorisch, gratulierte Annette Littmann zu ihrem „respektablen Ergebnis“ und zuallererst dankte seiner Partei. „Am Ende war es unser gemeinsamer Sieg“, rief er den Genossen zu.

Dass das Wahlresultat so knapp ausfiel, führte Sierau vor allem auf die niedrige Wahlbeteiligung zurück. „Das Wahlergebnis wird in vielfältiger Weise zu diskutieren sein“, erklärte er und stellte das von der rotgrünen Landesregierung wieder eingeführte Instrument Stichwahl in Frage. Viele wären nach der Wahl vom 25. Mai davon ausgegangen, dass sein Sieg schon feststehe.


Tatsächlich hat Sierau in absoluten Zahlen bei der Stichwahl knapp 16.400 weniger Stimmen bekommen als vor drei Wochen.

Der Ticker zum Nachlesen 

Aktualisierung 20.10 Uhr:

Laut Pressestelle der Polizei gibt es momentan keinerlei Anzeichen, dass sich die Rechten auf den Weg zum Rathaus machen könnten. Die Wahlparty ist im Übrigen zur geschlossenen Veranstaltung erklärt worden - weiter hält sich viel Polizei rund ums Rathaus auf.

Aktualisierung 20.01 Uhr:

Die schlechte Wahlbeteiligung von nur 30,9 Prozent löste bei vielen Politikern und Beobachtern im Rathaus eine tiefe Enttäuschung aus. Der frühere DGB-Vorsitzende Eberhard Weber sagte in einer ersten Reaktion, dass die Politik für Menschen am Rande der Gesellschaft bessere Angebote schaffen müsse. Der neue SPD-Fraktionsvorsitzende Nobert Schilff zeigte sich erschrocken: „Wir kommen langsam in eine bedenkliche Situation. Da scheint bei den Menschen langsam das Gefühl für Demokratie verloren zu gehen."

Aktualisierung 19.44 Uhr:

Der CDU-Kreisvorsitzende Steffen Kanitz sagt: "Wenn Sierau wie jeder andere Oberbürgermeister zur Wahl angetreten wäre, hätten wir gewonnen." Damit meint er Sieraus späte Entscheidung, sich zur Wahl zu stellen und die kurze Vorbereitungszeit auf diese OB-Wahl.

Aktualisierung 19.35 Uhr:

Zu viel sollte sich die SPD nicht freuen. Sierau ist zwar im Amt bestätigt worden, aber ein Blick auf die absoluten Zahlen sollte zum Nachdenken anregen:

Bei der OB-Wahl am 25. Mai erhielt Sierau noch 88.213 Stimmen. Annette Littmann kam damals auf 64.504 Stimmen. Das Bild heute: 71.816 Stimmen für Sierau, 67.268 für Littmann.

Aktualisierung 19.30 Uhr:

Ullrich Sierau hat bei der Stichwahl exakt 71.816 Stimmen bekommen, während 67.268 Dortmunder für Dr. Annette Littmann gestimmt haben. Das heißt, dass 4.548 Stimmen den Unterschied gemacht haben. Die Wahlbeteiligung lag bei 30,9 Prozent.

Beide Kandidaten sind gerade in ihren Fraktionssälen. Der alte und neue Oberbürgermeister Sierau ist von seinen Parteigenossen mit stehenden Ovationen und Beifall begrüßt worden.

Aktualisierung 19.24 Uhr

Abpfiff! Das war eine enge Kiste. Mit 51,6 Prozent der Stimmen wird OB Ullrich Sierau im Amt bestätigt.

Die Wahlbeteiligung lag am Ende nur bei 30,6 Prozent.

Aktualisierung 19.18 Uhr:

Noch ein Wahllokal fehlt. NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin hat OB Sierau via Twitter bereits gratuliert.

Aktualisierung 19.11 Uhr:

Jetzt wird es zäh, tröpchenweise kommen die Ergebnisse der verbleibenden Stimmbezirke herein. Alles deutet auf einen knappen Sieg von Amtsinhaber Ullrich Sierau hin.

Aktualisierung 19 Uhr:

Die SPD hatte offenbar ein Problem, ihre Wähler zu mobilisieren. Je mehr südliche Stimmbezirke ausgezählt werden, desto kleiner wird Sieraus Vorsprung. In einem Wahllokal in der Olpketalschule holte Herausforderin Littmann 80 Prozent der Stimmen. Im Vereinsheim des TuS Wellinghofen kam Sierau nur auf gut 48 Prozent - üblicherweise ist dieses Wahllokal die letzte "rote" Bastion vor den tiefschwarzen Stimmbezirken im Süden.

In absoluten Zahlen hat Sierau momentan knapp 6000 Stimmen Vorsprung.

Aktualisierung 18.44 Uhr:

Mit jedem ausgezählten Wahllokal sinkt derzeit Sieraus Vorsprung. Die Spannung im Rathaus steigt derzeit weiter.

Aktualisierung 18.41 Uhr:

Im Rathaus rätseln derzeit alle, wie weit Sieraus Vorsprung noch sinken wird. Eine Spekulation: Die noch fehlenden Wahlbezirke haben eine hohe Wahlbeteiligung.

Zum Thema Neonazis: Die Polizei beobachtet die Situation, nach Angaben der Pressestelle halten sich die Neonazis derzeit in Dorstfeld auf.

Aktualisierung 18.40 Uhr:

Das wird noch spannend. Offenbar melden jetzt die Wahllokale im Süden ihre Zahlen - dort ist die Wahlbeteiligung traditionell höher, ebenso wie der Anteil der CDU-Stimmen.

Nach 293 Wahllokalen kommt Sierau nur noch auf 53,5%.

Aktualisierung 18.32 Uhr:

Der Vorsprung von Amtsinhaber Ullrich Sierau sinkt langsam ab. Derweil gibt es im Rathaus ein weiteres großes Thema: Angeblich sind Neonazis der "Rechten" im Anmarsch auf das Rathaus. Die Polizeipräsenz wird immer stärker, Mannschaftswagen stehen auf dem Friedensplatz.

Aktualisierung 18.30 Uhr:

Die Stadt hat neue Zahlen nachgelegt, das Bild wird deutlicher:

Zwischenstand nach 145 von 362 Stimmbezirken:

Sierau: 56,8, Littmann: 43,2

Aktualisierung 18.16 Uhr

Zaaahlen, frische Zaaaaahlen! Nach Auszählung von 12 von 362 Stimmbezirken liegt Ullrich Sierau mit 60,5 Prozent vor seiner Herausforderin (39,5). Was das bedeutet? Noch gar nichts.

In absoluten Zahlen heißt das: 1146 Stimmen für Sierau, 749 für Littmann. Von 15.838 Wahlberechtigten in diesen 12 Bezirken haben gerade einmal 1927 den Weg an die Urne gefunden.

Nach 15 von 362 Wahlbezirken liegt Amtsinhaber Sierau immer noch deutlich vorn. Er erreichte 59,1 Prozent der Stimmen. Wichtig: Dies ist keine Hochrechnung. Das schnellste Ergebnis gab es in der Kautsky-Grundschule in Scharnhorst.

Aktualisierung 18 Uhr:

Die Wahllokale haben geschlossen. Die Auszählung dürfte angesichts der erschreckend niedrigen Wahlbeteiligung eine kurze Angelegenheit sein.

Spannend ist die Frage, welcher Kandidat seine Anhänger noch am ehesten mobilisieren konnte. Traditionell, so heißt es, gehen CDU-Wähler disziplinierter zur Wahl. Die SPD-Anhänger könnten im Gefühl des sicheren Sierau-Sieges zu Hause geblieben sein — das kann nach hinten losgehen.

Aktualisierung 17.56 Uhr:

Rund ums Rathaus sind verstärkte Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Ein einziger schmaler Eingang führt herein - er wird von einem Sicherheitsdienst bewacht. Mehrere Polizeiwagen sind zu sehen, auch Teile der Reiterstaffel sind am Friedensplatz im Einsatz. Grund für die erhöhte Alarmbereitschaft sind die Tumulte am Wahlabend vor drei Wochen, als Neonazis versucht hatten, das Rathaus zu stürmen.

Aktualisierung 17.20 Uhr:

Eine Stunde vor Schließung der Wahllokale war die Beteiligung weiter mau: Um 17 Uhr hatten 17,1 Prozent der Wahlberechtigten in den Wahllokalen ihre Stimme für die OB-Stichwahl abgegeben. Bei der eigentlichen Kommunalwahl vor drei Wochen waren es zum selben Zeitpunkt 30,2 Prozent.

Nimmt man die Briefwahl dazu, dürfte die Gesamt-Wahlbeteiligung am Ende bei etwa 30 Prozent liegen - ein neuer Minusrekord.

Aktualisierung 16.20 Uhr:

Es wird immer schlimmer: Nur 12,4 Prozent der Wahlberechtigten hatten bis 15 Uhr ihre Stimme im Wahllokal abgegeben. Das ist knapp die Hälfte der Quote bei der Hauptwahl am 25. Mai. Damals hatten bis drei Stunden vor Schließung der Wahllokale 23,4 Prozent abgestimmt. Jeweils dazu rechnen, muss man die Briefwahl. Doch auch da fällt die Beteiligung wohl geringer als vor drei Wochen aus.

Aktualisierung 13.40 Uhr:

Der Trend mit der erwarteten niedrigeren Wahlbeteiligung bei der Stichwahl setzt sich fort: Um 13 Uhr - also bis zur Hälfte der Wahlzeit - hatten in den Wahllokalen 8,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Zum Vergleich: Bei der Hauptwahl am 25. Mai hatten zum gleichen Zeitpunkt 12,8 Prozent gewählt. Bei beiden Werten ist die Briefwahl nicht berücksichtigt.

Aktualisierung 11.30 Uhr:

Die OB-Stichwahl kommt nur langsam in Gang. Wie erwartet, ist die Wahlbeteiligung bislang deutlich niedriger als bei der Hauptwahl am 25. Mai. Damals hatten bis 11 Uhr 6 Prozent der Wahlberechtigten in den Wahllokalen ihre Stimme abgegeben, jetzt waren es bei der Stichwahl zum gleichen Zeitpunkt 3,5 Prozent.

Immerhin verlief der Start in den Wahltag organisatorisch weitgehend reibungslos. Lediglich fünf der 302 Wahllokale öffneten mit leichter Verspätung, weil sich der Schriftführer des Wahlvorstands verspätet hatte oder die Wahlurne nicht rechtzeitig am Platz war.

Ausreichend Wahlhelfer gibt es auf jeden Fall. Waren bei der Kommunalwahl am 25. Mai 3500 Helfer im Einsatz, um bis zu fünf verschiedenen Wahlen abzuwickeln (Europa, Rat, OB, Bezirksvertretung und Integrationsrat), wollen die Bürgerdienste diesmal mit 2400 Helfern auskommen. Vor allem am Abend bei der Auszählung dürfte es heute mit nur einer auszuwertenden Stimme für zwei Kandidaten schnell gehen.

Aktualisierung 9 Uhr:

Seit 8 Uhr sind die 302 Wahllokale im Stadtgebiet geöffnet. Bis 18 Uhr können die 456.488 Wahlberechtigten hier ihre Stimme abgeben. Knapp 60.000 haben das allerdings schon getan. Sie haben per Briefwahl gewählt. Der Großteil von ihnen hatten die Briefwahl schon vor der Ursprungswahl am 25. Mai für die OB-Stichwahl gleich mitbeantragt und bekamen deshalb die Briefwahl-Unterlagen automatisch zugeschickt.

Die Kernaussagen der Kanidaten 

Die drängendste Aufgabe in Dortmund ist...

Sierau: ...die Senkung der Arbeitslosigkeit unter 10%. Besonders die Langzeitarbeitslosigkeit muss konsequent bekämpft werden. Dafür brauchen wir Bund und Land.

Littmann: ...die Arbeitslosigkeit verringern, das Image der Stadt wieder verbessern und den Wandel in der City und den Bezirken meistern.

Der Phoenix-See ist für mich...

Sierau: ...das Symbol für einen erfolgreichen Strukturwandel mit Strahlkraft weit über die Stadt hinaus und ein neuer Imageträger Dortmunds.

Littmann: ... ein schöner, aber teurer Flecken Dortmund, von dem ich hoffe, dass er langfristig ein gutes Projekt wird.

Das Dortmunder U ist für mich...

Sierau: ...ein tolles Wahrzeichen unserer Stadt, das Tradition und Moderne verbindet.

Littmann: ...ein bislang misslungenes Leuchtturm-Projekt, mit dem wir jetzt leben und das Beste daraus machen müssen.

Der Flughafen ist für mich...

Sierau: ...Teil einer notwendigen westfälischen Infrastruktur als Gegengewicht zur Rheinschiene.

Littmann: ...Verkehrs-Infrastruktur, die aufgrund laufender Verluste viel Geld kostet. Offen ist, wie lange wir uns dies noch leisten können.

Nachholbedarf hat die Stadt...

Sierau: ...beim Image.
Littmann: ...er Modernisierung der Stadtverwaltung, der Imagepflege außerhalb der Stadt und bei der Begleitung des Wandels in den Stadtbezirken.

Ich bin der beste Kandidat, weil...

Sierau: ...ich in Stadt, Land, Bund und Europa gut vernetzt bin und über die Entschlossenheit und Erfahrung verfüge, die man braucht, um Dortmund weiter zu bringen.

Littmann: ...ich Wirtschaft & Finanzen beherrsche, die Menschen motivieren kann und die Bürger nicht belehren will.


Das sind die wichtigsten Fragen am Wahltag: 

Warum gibt es eine Stichwahl?

Weil bei der Oberbürgermeister-Wahl am 25. Mai keiner der neun Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen erreicht hat, wird eine Stichwahl fällig. Diese Regelung war von Rotgrün im Land wieder eingeführt worden, nachdem die CDU/FDP-Vorgängerregierung sie vorübergehend abgeschafft hatte.

Wer tritt bei der Stichwahl an?

Es treten die beiden Bewerber an, die bei der Wahl am 25. Mai die meisten Stimmen bekommen haben. Das sind Amtsinhaber Ullrich Sierau (SPD), der im ersten Wahlgang 43,7 Prozent der Stimmen erreicht hatte, und Dr. Annette Littmann (CDU), die auf 32 Prozent kam.

Wann wird gewählt?

Gewählt wird am Sonntag. Von 8 bis 18 Uhr sind wieder die gleichen 302 Wahllokale im Stadtgebiet geöffnet, wie schon bei der Kommunal- und Europawahl am 25. Mai. Es gilt auch die gleiche Wahlbenachrichtigung, die schon im April verschickt worden war. Die Stadt hat aber an alle 456.488 Wahlberechtigten - alle Dortmunder EU-Bürger ab 16 Jahren - eine Erinnerungskarte verschickt, sofern sie nicht schon im Vorfeld Briefwahl beantragt hatten. Um im Wahllokal wählen zu können, reicht aber auch der Personalausweis. Maßgeblich ist das Wählerverzeichnis, das dem Wahlvorstand vorliegt.

Wie sind die Aussichten für die Wahlbeteiligung?

Experten befürchten einen Minusrekord. Bei der Kommunalwahl am 25. Mai haben 44,9 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen abgegeben. Bei der vergangenen OB-Stichwahl im Jahr 2004, bei der sich Dr. Gerhard Langemeyer (SPD) und Frank Hengstenberg (CDU) gegenüberstanden, beteiligten sich nur 37,8 Prozent. Ein wenig Hoffnung macht nur die Briefwahl.

Denn bis Donnerstag hatten 62.665 Wahlberechtigten ihre Stimmen für die Stichwahl abgegeben. Fast so viele wie zum gleichen Zeitpunkt vor der eigentlichen Kommunalwahl. Hintergrund ist allerdings, dass viele Wahlberechtigte bereits bei der Hauptwahl gleich für die eventuelle Stichwahl Briefwahl-Unterlagen beantragt hatten. Sie wurden ihnen dann ohne weitere Aufforderung zugesandt. Offen ist, wie viele Wahlunterlagen davon zurückgeschickt wurden.

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