Rezension

111 Gründe, die Düsseldorfer EG zu lieben

Bernd Schwickerath (l.) und Christoph Ullrich vor dem früheren Stadion an der Brehmstraße.    Foto:BIEBER 

Bernd Schwickerath (l.) und Christoph Ullrich vor dem früheren Stadion an der Brehmstraße.   Foto:BIEBER 

düsseldorf.   Die Journalisten Bernd Schwickerath und Christoph Ullrich bringen einen lesenswerten kritischen Vereinsrückblick des Eishockeyclubs heraus

Wenn Bernd Schwickerath und Christoph Ullrich über die DEG reden, strömt einem das geballte Fachwissen entgegen.

Folglich sind die beiden Düsseldorfer Journalisten auch prädestiniert dafür ein Buch über den wohl bekanntsten deutschen Eishockeyclub zu schreiben. „Als der Verlag Schwarzkopf auf uns zu kam, sagten wir sofort zu“, sagt Christoph Ullrich, der seit Kindesbeinen zur DEG kommt. „111 Gründe, die Düsseldorfer EG zu lieben“ heißt ihre Liebeserklärung an den großartigsten Eishockeyclub der Welt, so steht zumindest im Untertitel.

Buch ist keine Vereinschronik

„Der ist vom Verlag vorgeben“, räumt der 36 Jahre alte Ullrich kritisch ein. Denn wie eine Liebeserklärung und ein Abgesang auf die schillernde DEG lesen sich die 312 Seiten beileibe nicht. „Wir wollten uns der Geschichte der DEG als auch dem Verein kritisch nähern“, sagt Bernd Schwickerath, ebenfalls sehr eng mit der DEG verbunden. Schließlich sind die meisten Bücher über den achtfachen Deutschen Eishockey-Meister (zuletzt 1996) Vereinschroniken, die „wenig kritisch sind und die dunklen Kapitel der Vereinsgeschichte außen vor lassen“, sagt Schwickerath. Daher haben sich die beiden langjährigen Fans – auch, wenn sich beide nie als Fans titulieren würden – ihrem Club nicht nur in tiefer Verbundenheit genähert. „In vielen Festschriften zu Vereinsjubiläen waren die Autoren bislang eher nachsichtig mit dem Club. Das wollten wir keineswegs“, fasst Ullrich die Idee des Buches zusammen.

Schwickerath und Ullrich durchleuchten die DEG

Berufskrankheit und Berufsethos der beiden Journalisten ist es den Finger in die Wunde zu legen. Daher ist das Buch, das in genau 111 lesenswerten und kurzatmigen Anekdoten, die brisanten Geschichten und zum Teilen unsauberen und illegale Machenschaften der Club-Bosse kritisch Revue passieren lässt, einigen „im Verein vielleicht ein Dorn im Auge“, sagt Ullrich.

Zu lesen ist über den Vereinsgründer und Erbauer des legendären Stadions an der Brehmstraße Ernst-Poensgen. Der Sportmäzen hat zwar nicht offiziell mit den Nazis kollabortiert, aber tolerierte sie und profitierte auch von ihnen. Das wird von Ullrich und Schwickerath beleuchtet – ohne jedoch in die historisch-politische Tiefe zu gehen. Daher liest sich das Buch auch wie eine „Bahnfahrer-Lektüre“, sagt der DEG-Fanbeauftragte, Michael Hedderich. Er finde den Schreibstil der beiden Autoren amüsant und sagt, dass bei so vielen Jahren DEG natürlich nicht alles fantastisch sein kann. „Ich denke an die schwarzen Kassen in den 90iger Jahren. Heute kann man darüber schmunzeln, damals war es schwierig“, sagt Hedderich.

Aktuelle Entwicklung der DEG sei bedenklich

Genau diese Details sind es, die die beiden selbernannten DEG-Nerds professionell und interessant hinterfragen, einordnen und mitunter auch bewerten. „Der Einkauf von Metro vor mehr als 15 Jahren und die Führung der DEG wie ein Unternehmen oder der Ticketeklat sind auch Teile der glamourösen Geschichte der DEG“, sagt Ullrich. Der WDR-Redakteur macht keinen Hehl daraus, dass er die DEG, die wie kein anderer Club der Stadt die Düsseldorfer vereint, heute doch ambivalenter sieht. „Die beinahe Pleite vom Sommer 2016 und der Einkauf eines russischen Geschäftsmannes haben dem Verein in der Außenwirkung nur geschadet.“ Dennoch merkt man den Beiden an, dass die DEG ihnen, trotz aller sicherlich berechtigter Kritik, noch sehr am Herzen liegt. Auch, wenn sie es nicht zugeben würden.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik