Polizei

25 Menschen aus Düsseldorf bei Polizei „dauerhaft vermisst“

Sie wäre jetzt 30: Debbie Sassen verschwand 1996 auf dem Schulweg. Sie ist eine von etwas mehr als zwei Dutzend Personen, die bei der Düsseldorfer Polizei als „dauerhaft vermisst“

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Sie wäre jetzt 30: Debbie Sassen verschwand 1996 auf dem Schulweg. Sie ist eine von etwas mehr als zwei Dutzend Personen, die bei der Düsseldorfer Polizei als „dauerhaft vermisst“ Foto: nn

DüsseldoRf.   Etwas mehr als 1000 Vermisstenanzeigen beschäftigten 2017 die Düsseldorfer Polizei. Von manchen Menschen fehlt seit vielen Jahren jede Spur.

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Sie würde in diesem Jahr 30 werden. Nächste Woche jährt sich der Tag, an dem sie für immer verwand, zum 22. Mal. Debbie Sassen, auf dem Heimweg von der Schule in Wersten wie vom Erdboden verschluckt, ist einer von 25 bis 30 Menschen, die bei der Düsseldorfer Polizei als „dauerhaft vermisst“ gelten. Fälle, die nicht zu lösen sind, in denen es keinen Ansatzpunkt für Ermittlungen gibt. Schicksale, für die auch die Polizei keine Hoffnung mehr hat. „In diesen Fällen müssen wir davon ausgehen, dass die Personen nicht mehr lebend gefunden werden“, sagt Polizeisprecherin Anja Kynast.

Auch der Fall des Oberhauseners Stefan K., der nach einer Weihnachtsfeier in Düsseldorf Anfang Dezember verschwand, war so einer, in dem irgendwann keine Hoffnung mehr bestand. Zu Recht: Die Leiche des 35-Jährigen, der mutmaßlich im Hafen in den Rhein gestürzt ist, wurde vergangene Woche im holländischen Nijmegen angespült. Ungewiss ist auch das Schicksal zweier Gerresheimer. Ralf K., 58, verließ am 11. Juli vergangenen Jahres sein zuhause und ist seitdem verschwunden, Jevgenijs K., 45, ist seit dem 14. Dezember weg. Ralf K. ist auf Medikamente angewiesen. Jevgenjis könnte einfach nur ins Baltikum gereist sein.

1058 Vermisstenanzeigen im Jahr 2017

Anders ist das natürlich bei Kindern. Wird ein Kind vermisst, fährt bei der Polizei ein ganzer Apparat hoch. Suchhunde, Hubschrauber, Wärmebildkameras. Meistens sind die Kleinen zum Glück wieder aufgetaucht, noch bevor der Hubschrauber abhebt. Im vorigen Jahr war das zwei Mal der Fall, Mädchen unter acht Jahren, deren Verschwinden sich als harmlos herausgestellt hat. 1058 Vermisstenanzeigen hat die Polizei im vergangenen Jahr aufgenommen. Vier hatten den schlimmsten aller Ausgänge: Drei Männer und eine Frau sind tot aufgefunden worden. Alle anderen kehrten wohlbehalten zurück – oder wurden, wie im Fall eines Rentners aus Ludenberg, in einem Krankenhaus außerhalb Düsseldorfs entdeckt. Laut Bundeskriminalamt erledigt sich bundesweit ungefähr die Hälfte der Vermisstenfälle innerhalb der ersten Woche, innerhalb eines Monats sind es mehr als 80 Prozent. Länger als ein Jahr vermisst würden nur etwa drei Prozent.

Am stärksten unter den Vermissten vertreten sind die 14- bis 17-Jährigen. 267 Jungs und 223 Mädchen dieser Altersgruppe sind im vergangenen Jahr vermisst gemeldet worden. Die Zahl der sogenannten Dauerläufer, zumeist Jugendlicher, die regelmäßig aus Heimen und ihren Elternhäusern ausbüxen und wieder zurückgebracht werden, ist darin nicht einmal enthalten. Auch unbegleitete jugendliche Flüchtlinge sind in Düsseldorf regelmäßig unter den Vermissten, wie Polizeisprecherin Anja Kynast sagt. Diese verließen etwa ihre zugewiesenen Aufenthaltsorte, um etwa zu Verwandten oder Freunden in anderen Städten zu ziehen. Die Zahl sei in der Landeshauptstadt aber nicht signifikant hoch.

„Jeder hat das Recht, zu verschwinden“

Auch Senioren werden immer wieder vermisst. Bis heute nicht gefunden wurde etwa ein dementer Senior aus Unterrath, der im Mai 2013 aus einem Heim in Meerbusch-Strümp verschwunden war. Im vorigen Jahr suchte die Polizei 43 Männer und 35 Frauen. „Wir nehmen jede Meldung ernst“, sagt Kynast. „Aber nicht jeder Fall ist gleich.“ Deshalb kann durchaus sein, das die Fahnder mit unterschiedlichem Aufwand suchen. „Wenn jemand suidzidgefährdet ist, dement ist oder auf Medikamente angewiesen, dann versuchen wir natürlich alles“, sagt Kynast. Aber ein erwachsener Mensch, der weggeht, ohne sich abzumelden, der will vielleicht auch einfach nicht gefunden werden. „Jeder hat das Recht dazu.“

Der Fall des prominenten Düsseldorfer Gastronomen Santo Sabationo (betrieb unter anderem das „Rosati“), der am 20. Juli nachts sein Haus in Mülheim verließ und seitdem nicht wieder aufgetaucht ist, gehört wohl nicht in diese Kategorie. In Sabationos Fall vermuten viele aus seinem Umfeld ein Verbrechen. Die für die Ermittlungen zuständige Essener Polizei hat nach Angaben eines Sprechers „bis heute keine heiße Spur“ bei der Suche nach dem Gastronomen. Selbstverständlich sei die Akte aber nicht geschlossen, fügte er hinzu – das für Kapitalverbrechen zuständige Kommissariat 11 sei weiterhin mit der Sache befasst: „Wir hoffen weiterhin auf Hinweise.“

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