Streik

4000 Menschen demonstrieren in Düsseldorf für bessere Pflege

Etwa 4000 Menschen kamen vor das DGB-Haus in Düsseldorf, um für bessere Bedingungen im Pflegebereich zu demonstrieren.

Etwa 4000 Menschen kamen vor das DGB-Haus in Düsseldorf, um für bessere Bedingungen im Pflegebereich zu demonstrieren.

Foto: Rolf Vennenbernd

Düsseldorf.  Tausende Trillerpfeifen vor dem DGB-Haus – Fachkräfte aus ganz Deutschland fordern bessere Bezahlung und mehr Personal in Pflegebereichen.

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Rund 4000 Trillerpfeifen und hunderte Transparente – vor allem junge Demonstranten versammelten sich am Mittwoch vor dem Düsseldorfer DGB-Haus, um gegen den Fachkräftemangel und die Zustände im Pflegebereich zu demonstrieren. Dabei zogen nicht nur hunderte Demonstranten von den Düsseldorfer Kliniken, sondern insgesamt 4000 Menschen aus ganz Deutschland vor das Gewerkschafts-Haus an der Friedrich-Ebert-Straße. „In anderen Krankenhäusern geht es leider genauso übel wie in Düsseldorf zu“, sagt etwa Anja Harig, Pflegerin bei der Kinderklinik Köln.

Pflegebereich soll attraktiver werden für Jobsuchende

Dabei werden überall die selben Maßnahmen gefordert: „Wir brauchen mehr Personal, etwa durch eine gesetzliche Personalbemessung, wie sie auch schon in vielen Nachbarländern Deutschlands durchgeführt wird“, sagt Beate Harne-Knoll, ebenso Pflegerin aus Köln. Die Gewerkschaft Verdi hatte immer wieder eine solche Personalbemessung gefordert. Dazu gehört etwa eine Mindestanzahl an Pflegekräften in einer Klinik, die per Gesetz vorgeschrieben wird. Gleichzeitig wird aber auch eine bessere Bezahlung des Personals gefordert: „Der Pflegebereich muss für Arbeitssuchende wieder attraktiver werden“, sagt Demonstrantin Harne-Knoll.

Hohe Abbrecherquote vor und nach der Ausbildung

Viele, die eine Ausbildung im Pflegebereich absolviert haben, finden die Arbeitsbedingungen im Vergleich zur Bezahlung zu schlecht: „29 Prozent der jungen Menschen in Ausbildung brechen diese nach kurzer Zeit schon wieder ab, weil die Belastung zu hoch ist“, sagt Julia Kaufmann, Pflegerin im Petrus-Krankenhaus in Bonn. Die 23-Jährige will sich nach der Ausbildung nach einem anderen Job umsehen, „außer es tut sich endlich mal etwas Grundlegendes“, so die Bonnerin. Doch viele haben die Hoffnung auf baldige Lösungen schon aufgegeben. „Das hier ist nicht nur eine Demo für Verbesserungen, sondern vor allem gegen Gesundheitsminister Jens Spahn“, sagen Demonstranten des LVR-Klinikums Düsseldorf.

In Düsseldorf machte sich der Personalmangel zuletzt bei der Uni-Klinik (UKD) bemerkbar. Dort waren mehrere Menschen an multiresistenten Keimen gestorben – weil Pflegekräfte sich aus Zeitmangel nicht mehr ausreichend um die Hygiene kümmern konnten, heißt es. Am UKD hatte es bereits vermehrt Streiks gegeben.

>> GROSSSTREIK LÄNGST ÜBERFÄLLIG – ein Kommentar von Stephan Wappner

Jeder von uns dürfte es kennen – zumindest von Erzählungen eines Verwandten oder Bekannten. Immer wieder werden die unhaltbaren Zustände in Düsseldorfer Kliniken kritisiert. Und immer wieder ist die Rede von mangelnder Aufklärung bei Krankheiten, von unerträglich langen Wartezeiten für Patienten und – vor allem – von überarbeitetem Personal. Auch die Uniklinik taucht in diesen Erzählungen auf.

Die Pflegerinnen und Pfleger können in der Regel nichts dafür, dass Patienten in den Krankenhäusern oft nur noch wie Nummern behandelt werden. Den Pflegekräften fehlt schlichtweg die Zeit. Kostendruck und das ewige Streben nach Gewinnmaximierung wird auf ihren Schultern abgewälzt. Daher ist es fast schon verwunderlich, dass sie erst jetzt (derart geschlossen) auf die Straße gehen.

Auf jeden Fall ist es richtig.

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