Musik

6000 Besucher kamen zum letzten Open-Source-Festival

6000 Besucher kamen in diesem Jahr zum Open Source Festival. Nicht so viele, wie in den Jahren zuvor. 

6000 Besucher kamen in diesem Jahr zum Open Source Festival. Nicht so viele, wie in den Jahren zuvor. 

Foto: FOTO: Jane Deichmann

Düsseldorf.  Düsseldorf trug am Samstag ein Stück Popkultur zu Grabe. Die 14. war die letzte Ausgabe des Open Source Festivals auf der Galopprennbahn.

Okay, das war’s. Nachdem der letzte Akkord von Sohn und seiner Band auf der Hauptbühne verklungen war, gehörte das Open Source Festival (OSF) zur Geschichte. Die Shuttle-Busse fuhren Samstagmitternacht wie jedes Jahr runter zum Staufenplatz, die Leute waren wie jedes Jahr glücklich nach einem Abend voller diverser Musik. Aber es war eben das letzte Mal, dass dieses Festival – jedenfalls in dieser Form – oben auf der Galopprennbahn stattgefunden hatte. Und hatte man genau hingeschaut, hatte es die Auflösungserscheinungen schon den ganzen Tag über hier und da gegeben: weniger Essensstände, weniger Merchandising, weniger Besucher (6000), weniger Enthusiasmus bei der Crew. Es war halt auch eine Beerdigung. Mit Musik. Und auch Festivalleiter Philipp Maiburg blieb am Samstag lieber im Verborgenen.

Zermürbt von den letzten Wochen

Die letzten Wochen und Monate hatten den Mann, der schon so viel für die Kunst- und Kreativszene in Düsseldorf getan hat, zermürbt. Das hatte Maiburg immer wieder durchblicken lassen. Die Antisemitismus-Debatte rund um die Ausladung von BDS-Anhänger Talib Kweli war da nur die Spitze. Zuvor hatten zurückhaltend agierende Sponsoren und schleppend laufende Ticketverkäufe tiefschwarze Wolken aufkommen lassen. Finanziell sei das alles nicht mehr zu stemmen, hies es hier, Maiburg hätte schlicht und einfach keinen Bock mehr, hieß es woanders.

„Wir sind glücklich und stolz, unseren Beitrag zur Entwicklung von Popkultur in Düsseldorf beigetragen zu haben“, ließ sich Maiburg dann in der Nacht zu Sonntag zitieren. Unser Dank gilt vor allem unserem Team, das mit uns in den letzten 14 Jahren in wechselnden Besetzungen durch dick und dünn gegangen ist.“

Viele Festivalstammgäste – und davon gibt es viele – hatten allerdings im Vorfeld auch kritisiert, dass das Line-Up der 14. Ausgabe nun wirklich keinen mehr vom Hocker reißen würde. Abseits vom Mainstream – okay. Aber zahlreiche Besucher waren immer auch wegen der Top-Acts zum OSF gekommen. Tocotronic, Bilderbuch, Zugezogen Maskulin und, ja, auch Max Herre, zogen zuletzt die Leute zur Rennbahn. Dieses Jahr? Faber vielleicht? Mmh, passt dann wohl doch nicht so richtig zu der Kulisse. Und Sohn? Na ja.

Überragender Auftritt von Christian Friedel

Es waren dann also auch am Samstag – wie so oft beim Open Source – die kleinen bis mittelgroßen Juwelen, die besonders hell funkelten. Angelica Summer etwa spielte am Abend auf der Young Talent Stage vor zehn bis 20 Menschen, aber der Kölner mit dem kleinen Korg-Synthesizer und der großen, wunderbar brüchigen Eunuchenstimme, berührte die Herzen wie kaum ein anderer Act. Nicht viel weiter, auf der Carhartt-Stage tigerte der androgyne, eidechsenartige Yves Tumor ohne Lichtshow und mit Halbplayback über die Bühne. Toll. Tanzbar und cool auch die Vorstellungen der Peaking Lights aus Kalifornien und von Dam-Funk (Carhartt-Bühne). Und der vierte DJ-Floor neben der Rennleitung bebte ohnehin den ganzen Tag über.

Großer Lichtblick auf der Hauptbühne war die band Woods of Birnam mit Frontmann Christian Friedel. Den Mimen, den die Düsseldorfer auch als Hamlet aus dem Schauspielhaus kennen, überzeugte mit Pop, so wie er sein sollte: unprätentiös, verspielt, selbstironisch. „Wir kommen aus Dresden, der tolerantesten Stadt Deutschlands“, sagte Friedel zur Begrüßung. Am Ende, nach einem langen und intensiven Set, grüßte er ins Publikum. „Tschüss, vielleicht sehen wir uns ja im Schauspielhaus!“

Schauspielhaus. Gut möglich. Auf der Galopprennbahn aber sicher nicht mehr.

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