Corona

7000 Corona-Anrufe in Düsseldorf, aber nur 350 Verfahren

Die Polizisten einer Fahrradstreife überprüfen am Samstag das Kontaktverbot von mehr als zwei Menschen am Düsseldorfer Rheinufer gegenüber der Tonhalle. Die Polizei hilft mit.

Die Polizisten einer Fahrradstreife überprüfen am Samstag das Kontaktverbot von mehr als zwei Menschen am Düsseldorfer Rheinufer gegenüber der Tonhalle. Die Polizei hilft mit.

Foto: Kai Kitschenberg / FUNKE Foto Services

Düsseldorf.  Mehr als die Hälfte der Hinweise auf Verstöße gegen Corona-Bestimmungen in Düsseldorf laufen ins Leere. Bisher wurden 350 Verfahren eingeleitet.

An einem Nachmittag dieser Woche flog eine Drohne über den Kunstrasenplatz der DJK TuSA im Stadtteil Flehe. Den Trainern, die schon seit zwei Wochen wieder mit den Mädchen und Jungs des Vereins Fußball üben, schwante Böses.

Seit Trainingsbeginn, das unter strengen Auflagen geleitet wird, ließ sich schon mehrmals das Ordnungsamt blicken. Es haben Hinweise „aus der Bevölkerung“ gegeben, man würde sich nicht an Abstands- oder Hygieneregeln halten. Verdächtigungen, die immer ins Leere liefen.

Die Drohne könne aus dem benachbarten Kleingartenverein kommen, mutmaßte einer der Trainer – Corona-Überwachung. Dann Entwarnung: Das mit einer Kamera ausgestattete Fluggerät gehörte dem Vater eines Fußballkindes.

Düsseldorf: Restaurant im Stadtteil Flingern musste schließen

In Flingern musste das Restaurant Zen wieder schließen (NRZ von gestern). Inhaber Niki Schleutermann gab als Grund dafür die strengen Corona-Verordnungen für Gastronomen, aber auch – die Beschwerde eines Anwohners – an. „Ich bin angeschwärzt worden“, so Schleutermann.

Die Beispiele zeigen, dass aktuell viele Düsseldorfer, die sich in der Öffentlichkeit bewegen, aufgrund der Coronaschutzbestimmungen nervös sind, sich beobachtet fühlen – und oft auch beobachtet werden. Die Stadt teilt auf NRZ-Anfrage mit, dass mehr als die Hälfte der Anrufe bezüglich angeblicher Verstöße gegen das Kontaktverbot oder wegen fehlenden Mundschutzes bei den dann zeitnah durchgeführten Kontrollen der Außendienstkräfte des OSD sich als nicht zutreffend erwiesen haben. Auch lagen oft keine Anhaltspunkte dafür vor, ob ein gemeldeter angeblicher Verstoß tatsächlich überhaupt bestanden hat.

Corona-Regeln: 296 Verstöße beim Kontaktverbot

In der Leitstelle des Ordnungs- und Servicedienstes (OSD) sind seit 18. März knapp 7000 Anrufe zum Thema Coronaschutzverordnung eingegangen. Längst nicht alle waren jedoch Meldungen über angebliche Verstöße. Oft handelte es sich um normale Verständnisfragen. „Grundsätzlich ist es auch so, dass sich die große Mehrheit der Düsseldorfer an die Abstandsregeln und die Bestimmungen der Coronaschutzverordnung hält“, betont Stadtsprecher Volker Paulat.

Bis einschließlich Ende Mai sind rund 350 Ordnungswidrigkeitsverfahren durch das Ordnungsamt eingeleitet worden. Das Gros der Verstöße richtet sich dabei gegen das Kontaktverbot (Ansammlung von mehr als zwei Menschen). Darauf entfallen 296 Verfahren. Wegen Grillens oder Picknickens wurden 16 Bußgeldverfahren eingeleitet. Gegen weitere Bestimmungen wurden jeweils nur in geringem Umfang Verstöße registriert. So wurden etwa wegen des Besuchs in einem Pflegeheim zwei Bußgeldverfahren eingeleitet. Auch das gibt es.

Oft ist es aber eben auch so, dass die gemeldeten Verstöße gar keine Verstöße sind, betont Stadtsprecher Paulat. Viele Anrufer hätten oft keine Kenntnisse über Hygienebestimmungen, etwa im Einzelhandel, würden sich aber dennoch bei der Stadt melden.

Das Ordnungsamt in der „A-Position“

Auch bei der Polizei landen täglich zahlreiche Corona-Anrufe, wie Sprecher Kim Freigang bestätigt: „Wir würden den Leuten aber niemals vermitteln, dass sie nicht bei uns anrufen sollen, eher ist das Gegenteil der Fall: Wir wollen, dass der Notruf 110 gewählt wird, wenn die Bürger verdächtige Beobachtungen machen, ein Beispiel ist da sicher der der Enkeltrick.“

Andererseits stünde bei Verfehlungen gegen die Corona-Bestimmungen tatsächlich die Stadt in der A-Position und das Ordnungsamt sei der richtige Ansprechpartner, so Freigang weiter. „Wir helfen nur dann aus, wenn beim OSD die Kapazitäten überschritten werden.“

Die Stadt setzt im Hinblick auf die Maskenpflicht auf „Einsicht und Vernunft der Menschen“, heißt es. Bei Verstößen seien nicht zuletzt die Einzelhändler sowie Rheinbahn und Deutsche Bahn gefordert, im Rahmen ihres Hausrechts aktiv zu werden. Die OSD-Kräfte haben die Einhaltung der Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ebenfalls im Blick und weisen in Gesprächen darauf hin.

Dabei werden Sie inzwischen von so genannten Promotion-Teams unterstützt. „Und selbst bei tatsächlichen Vergehen stießen die OSDler in den meisten Fällen auf Verständnis dafür, wenn etwas ‘nachzujustieren’ war“, so Stadtsprecher Paulat. „In diesen Fällen reichte eine höfliche Ansprache völlig aus.“

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