Verkehrswende

8000 E-Ladepunkte der Stadtwerke Düsseldorf

Die Zahl der E-Autos steigt in Düsseldorf. Die Stadtwerke bauen dafür ein Netz von Ladestationen auf.

Die Zahl der E-Autos steigt in Düsseldorf. Die Stadtwerke bauen dafür ein Netz von Ladestationen auf.

Foto: Sigrid Harms / dpa

Ende 2018 gab es nur 556 E-Autos in Düsseldorf, jetzt wird die Infrastruktur dafür ausgebaut.

Die zuweilen gähnende Leere auf den Umweltspuren hat auch den Grund, dass es sehr wenig Elektroautos gibt. In Düsseldorf waren Ende 2018 knapp 300.000 Pkw zugelassen, davon waren nur 556 E-Fahrzeuge, mit den Plug-in-Hybriden gab es 1365 Pkw mit elektrischem Antrieb. Da ihre Zahl zunehmen wird, planen die Versorger den Ausbau der Infrastruktur. Denn die Batterieautos müssen aufgeladen werden können. „Wir wollen in fünf Jahren 8000 Ladepunkte haben“, sagt Stadtwerke-Vorstand Manfred Abrahams. Die ersten Ausschreibungen seien in Vorbereitung.

Bundesregierung räumt E-Mobilität hohe Priorität ein

Die wichtigsten Fakten:

Die Ausgangslage Die Bundesregierung räumt dem Ausbau der E-Mobilität in ihrem Klimakonzept hohe Priorität ein. Im Jahr 2030 soll es in Deutschland sieben bis zehn Millionen E-Fahrzeuge geben. Die Spannbreite ist groß, und angesichts bislang verfehlter Ziele steht dies auch für eine gewisse Vorsicht. Denn 2020 sollte bereits eine Million E-Auto über deutsche Straßen rollen. Von den 47,1 Millionen Pkw waren zum Jahreswechsel aber nur gut 83.000 rein elektrisch angetrieben, Hybride gab es gut 341.000. Allerdings stehen diese Zahlen laut Kraftfahrtbundesamt für starke Zuwächse von 54,4 und 44,2 Prozent. Auch in Düsseldorf ist die Zunahme laut Kfz-Zulassungsstelle deutlich: Die Zahl der Batterieautos ist von 556 beim Jahreswechsel bis zum 31. Oktober dieses Jahres auf 840 angewachsen.


Die Strategie Die Stadtwerke Düsseldorf sehen sich als Infrastruktur-Dienstleister der Landeshauptstadt. Dass sich ein Stromerzeuger für E-Mobilität interessiert, liegt zudem auf der Hand. Den E-Roller Eddy hätte mancher eher bei der Rheinbahn verortet, tatsächlich starteten die Stadtwerke das beliebte Leihsystem. Und vor zehn Jahren, genauer im August 2009, nahm das Unternehmen bereits die erste Stromtankstelle am Carlsplatz in Betrieb. Jetzt, wo nach dem Gipfel im Kanzleramt endgültig klar ist, in welche Richtung sich die emissionsfreie Mobilität bewegt, will der Platzhirsch das Terrain abstecken.

Aktuell verfügen die Stadtwerke über 336 Ladepunkte, hinzu kommen um die 80 von Unternehmen wie Innogy, Metro, Tesla und diversen Autohäusern. Die Stadtwerke wollen nun einen mittleren zweitstelligen Millionenbetrag in die Ladeinfrastrultur investieren. Dass es sich um eine „beginnende Technologie“ handelt, räumt der Manager ein. Dazu passt, dass an den Ladepunkten heute im Schnitt nur ein Auto pro Tag aufgeladen wird.

Die Ladepunkte Von den 336 Ladesäulen ist rund die Hälfte halb-öffentlich (188) erreichbar, das heißt, sie stehen beispielsweise in öffentlichen Parkhäusern. 98 sind in privaten Immobilien untergebracht, zudem gibt es 50 öffentlich Ladepunkte. Von den angestrebten 8000 Ladepunkten soll die Hälfte im halb-öffentlichen Bereich stehen, je 25 Prozent im privaten Bereich einer Tiefgarage und 25 Prozent im privaten Bereich einer Wohnbebauung. Natürlich gibt es auch öffentliche Ladesäulen, acht sollen beispielsweise an der Kö eingerichtet werden.

Zum Einsatz kommen unterschiedliche Systeme: An einer Ladesäule braucht es rund drei Stunden, bis die Batterie wieder voll ist. An Schnellladesäulen, zu denen viel stärkerer Strom durchgeleitet wird, sind es zehn bis zwölf Minuten bis zu einer 80-prozentigen Ladung.

Die Wallbox ist das klassische System für zuhause, Multiladesysteme sind für den Anschluss mehrerer Autos in großen Wohnanlagen oder Hochhäusern gedacht. Laut Abrahams wird hier die Stromzufuhr je nach Verfügbarkeit im Haus gesteuert: Je mehr Kapazität für das Tanken frei ist, desto mehr Energie wird fürs Tanken verwendet. Im nächsten Schritt folgt ein Lastenmanagement, mittels dessen die Stromzufuhr zeitlich gesteuert wird und einzelne Ladesäulen priorisiert werden können.

Die Marktentwicklung Die herkömmliche Tankstelle verliert an Bedeutung, ist Abrahams sicher. Die meisten Ladevorgänge fänden bald zuhause oder am Arbeitsplatz statt, wobei der Gesetzgeber noch dafür sorgen muss, dass Privatleute einen Anspruch darauf erhalten, in ihrem Wohnhaus eine Wallbox einbauen zu können. Auch hier soll es nun Zuschüsse geben. Entwickler und Immobilienbetreiber haben das Thema allesamt auf dem Zettel, bestätigt Abrahams. Das „Grand Central“ an der Erkrather Straße (mehr als 1000 Wohnungen) etwa soll drei Mobilitäts-Hubs mit Sharing-Partnern erhalten sowie rund 70 E-Ladepunkte.

Die Stadtwerke fragen sich aber auch, wie die Tankstelle 4.0 aussieht und sind auf der Suche nach Partnern. Cafés oder ähnliches könnten angegliedert werden. Vor allem aber werden neue Modelle und niedrigere Preise der Automobilhersteller den Markt beflügeln, zumal jetzt Zuschüsse von bis zu 6000 Euro vereinbart sind. Leistungsfähigere Batterien dürften zur Entspannung beim Verbraucher führen, hofft Abrahams. Die möglicherweise nicht ausreichende Reichweite schreckt heute viele Interessenten ab, ein E-Auto zu kaufen. „Dabei fährt der deutsche Autofahrer im Durchschnitt 50 bis 60 Kilometer am Tag“, so Abrahams.

Beim Tanken selbst dürfte mancher ins Grübeln kommen, denn das ist vergleichsweise preiswert. Bei den Stadtwerken gibt es eine „Viel-Tanker-Flatrate“, die bei einer Zahlung von 35 Euro im Monat alle Ladevorgänge abdeckt.

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