NRZ-Auswanderer-Serie

„Ab und zu fehlt mir der Regen”

Foto: NRZ

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Nach 35 Jahren in Hilden haben die Eheleute Kren ihre neue Heimat seit vier Jahren in Ungarn. Sie pendeln zwischen der Hauptstadt Budapest und dem Feriendomizil am Balaton.

Wer in diesen Tagen aus dem Fenster in den scheinbar allgegenwärtigen Nieselregen blickt, der kann kaum glauben, was Heidrun Kren da sagt: „Ab und zu fehlt mir der Regen.” In der ungarischen Hauptstadt Budapest werden die 67 Jahre alte Auswandererin und ihr Mann Vilmos nur selten nass von oben. „Ich habe gerade meinen Regenschirm abgestaubt”, erzählt Kren lachend.

Als das Ehepaar vor vier Jahren beschloss, seine Wohnung in Hilden aufzugeben und ganz nach Ungarn zu ziehen, betraten sie kein fremdes Land. Denn Vilmos Kren ist gebürtiger Ungar, kam 1956 nach Deutschland und studierte in Hannover Landschaftsarchitektur. Bei einem Praktikum im Harz begegnete er seiner zukünftigen Frau Heidrun. Nach Hilden verschlug es die beiden schließlich 1970 der Arbeit wegen. Sie blieben 35 Jahre.

Einige Wochen im Jahr verbrachte das Ehepaar Kren aber immer in Ungarn. Am Plattensee kauften sie ein Ferienhaus, in Budapest lebte Vilmos Mutter. Nachdem der heute 71-Jährige 2002 sein Büro an der Mühlenstraße an seinen Nachfolger übergegen und den Ruhestand angetreten hatte, pendelten die Krens immer häufiger zwischen Plattensee, Budapest und Hilden hin und her.

„Das war jedes Mal wie ein Umzug”, erinnert sich Heidrun Kren. Irgendwann hatten die beiden die 1100 Kilometer zwischen Deutschland und Ungarn satt und kündigten ihre Wohnung in Hilden. Seit vier Jahren verbringen sie nun jeweils den Sommer in ihrem Haus in Hegymagas am Balaton, den Winter in der Hauptstadt. Für diese Entscheidung sprach damals auch, dass die ältere Tochter der Krens ebenfalls einen Ungarn geheiratet hat und mit zwei Kindern ebenfalls in Budapest lebt.

Für Heidrun Kren war die endgültige Auswanderung trotz allem ein kleines Abenteuer. „Weil ich die Sprache nicht richtig kann.” Das Ungarische sei sehr schwer zu erlernen, sagt die 67-Jährige, und mit zunehmendem Alter werde es nicht einfacher. Sie könne sich zwar im Alltag gut verständigen, doch komplexen Diskussionen häufig nicht folgen.

Um das große kulturelle Angebot von Budapest nutzen zu können, reichten ihre Sprachkenntnisse aber wiederum aus, berichtet Heidrun Kren. Die blühende Kulturszene und die tollen Wanderstrecken rund um die Hauptstadt schätzt die Auswandererin besonders. Am Plattensee wiederum engagiert sich das Paar im Ort und hat meist zahlreiche Gäste aus der alten Heimat zu bewirten. „Irgendjemand kommt immer mal schnell vorbei”, sagt Heidrun Kren lachend.

Im Gegenzug reisen die Krens zwei bis drei Mal im Jahr nach Deutschland. Anfang Dezember ist der nächste Besuch in Hilden geplant. Eines Tages noch einmal ganz nach zurückzukehren, will Heidrun Kren nicht völlig ausschließen. „Ich habe damals gesagt, gehen wir doch erstmal zehn Jahre.” Besonders im Fall einer Krankheit würde sie über eine Rückkehr nachdenken.

Gemeldet ist das Paar übrigens noch in Deutschland. Schon um zur Wahl gehen zu können. „Das würde ich mir nicht nehmen lassen wollen”, sagt Heidrun Kren. Spätestens im Dreifach-Wahljahr 2009 wird man die Kre´ns also häufiger in der Itterstadt antreffen.

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