Stadtteil-Serie

Ägyptischer Papyrus und aerodynamischer Jaguar

Das Museum Kunstpalst im Ehrenhof: Das Haus vereint fünf umfangreiche Sammlungen unter einem Dach.

Foto: Kai Kitschenberg

Das Museum Kunstpalst im Ehrenhof: Das Haus vereint fünf umfangreiche Sammlungen unter einem Dach. Foto: Kai Kitschenberg

Düsseldorf-Pempelfort.   Das Museum Kunstpalast beherbergt einen riesigen Fundus an Exponaten. Oldtimer-Ausstellung im September.

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Wo sie auftauchen, ziehen sie die Blicke auf sich: Oldtimer! Genauer – Sportwagen der 1950er bis 1970er Jahre. Ende September steht eine Auswahl dieser Straßenkreuzer dort, wo sie am wenigsten vermutet werden: im Museum Kunstpalast.

Die Idee, diesen alten Schätzchen eine Ausstellung zu widmen hatte Felix Krämer seit 2017 Leiter des Kunstpalastes. Autos im Museum, wie kann so eine Schau realisiert werden? „Bevor es an die konkrete Umsetzung gehen konnte, mussten wir erst einmal herausfinden, ob und wie die Sportwagen in die Ausstellungsräume kommen“, gibt Kunstpalast-Sprecherin Marina Schuster einen Einblick in die Vorarbeiten, die für ein Vorhaben dieses Ausmaßes nötig sind. Glücklicherweise gibt es rund um Düsseldorf viele Oldtimer-Besitzer, und einige von ihnen sind bereit, ihre Schätze für eine Weile dem Kunstpalast zur Verfügung zu stellen. „Einer von ihnen erlaubte den Kuratoren Dieter Castenow und Barbara Til, seinen Oldie zur Probe in einen der Säle zu transportieren“, freut sich Marina Schuster über die Unterstützung. Es hat geklappt! Ab dem 27. September können die Besucher dann „Cars – driven by Design“ bewundern. Schließlich sind die „Oldies“ nicht nur begehrte Sammlerstücke, sondern auch Ikonen innovativen Designs in ihrer Zeit. Zu sehen sein werden 25 Modelle, vom aerodynamischen Jaguar E-Type, über eine windschnittig-elegante Giulietta Spider von Alfa Romeo bis hin zum Lamborghini Countach.

Entworfen von Architekt Wilhelm Kreis, ist das Museum Kunstpalast, ein Teil des 1926 erbauten Ehrenhofs und vereint fünf umfangreiche Sammlungen unter einem Dach: Die Gemäldegalerie umfasst europäische Malerei vom 15. bis ins 20. Jahrhundert und die Moderne, über 3000 Werke des 21. Jahrhunderts.

90.000 Grafik-Blätter im Archiv

Auf 1200 Quadratmetern hält die Abteilung Glas über 3000 Kunstwerke aus den letzten dreieinhalb Jahrtausenden vor. Auch die Abteilung Skulptur und angewandte Kunst gibt einen Überblick europäischer und außereuropäischer Werke der letzten drei Jahrtausende. Die grafische Abteilung archiviert 90 000 Blatt mit Zeichnungen vom 15. bis ins 21. Jahrhundert. Darunter auch altägyptischer Papyrus und mittelalterliche Buchmalerei.

„Um sie vor Feuchtigkeit und Zersetzung zu schützen, werden sie in einem klimatisierten Depot aufbewahrt. Die einzelnen Blätter liegen in einem Passepartout und diese wiederum in speziellen Boxen, die sich in Regalen bis unter die Decke stapeln“, verrät Gunda Luyken, Leiterin der Grafischen Abteilung. Sie kuratiert derzeit die ab 13. September zu sehende Ausstellung „Farbe bekennen!“ mit Werken des 1930 verstorbenen Düsseldorfer Malers und Grafikers Walter Ophey. „Wir beherbergen hier im Haus seinen vollständigen Nachlass mit 170 Gemälden und rund 3000 Arbeiten auf Papier“, so Gunda Luyken.

Pempelfort als Kunst-Epizentrum

Der Kunstpalast ist der Düsseldorfer Kunstszene, mit der nur einen Steinwurf weit entfernten Akademie und dem ebenfalls nahe gelegenen Atelierhaus, immer eng verbunden gewesen. So hat sich über die Jahrzehnte Pempelfort als Epizentrum für alle Formen der Kunst etabliert. Viele Düsseldorfer Maler, Fotografen oder Grafiker haben sich im Quartier niedergelassen und geben so der Szene immer wieder unmittelbar neue Impulse. Dabei stehen kollegiales Interesse und gegenseitige Unterstützung mehr im Fokus, als der große Glamour, wie er in anderen Städten gelebt wird. „Hier besuchen Fotografen oder Maler sich gegenseitig in ihren Ausstellungen. Sie sind nahbar, was wohl auch am guten Zusammenspiel mit der Akademie liegen mag“, glaubt Marina Schuster. Denn das Museum ist nicht nur ein Ort für Ausstellungen. Die umfangreichen Sammlungen und Nachlässe stehen auch für Forschung und Lehre zur Verfügung. Schließlich geht die Kunstsammlung bis auf Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz und seine Frau Anna Maria Luisa de Medici zurück, die 1710 deren Grundstein legten.

1948 wurde das Haus am Ehrenhof um den 1200 Plätze umfassenden Robert-Schumann-Saal erweitert. Nach einem Umbau wurden 2001 Kunstmuseum und Kunstpalast zusammengefasst und in eine Stiftung überführt. Heute ist der Gebäudekomplex am Rheinufer mit großen Ausstellungen und Konzerten ein Publikumsmagnet, dessen frei zugängliches Gastroangebot gern als Treffpunkt genutzt wird.

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