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Sexismus-Debatte um Plakat für Leichtathletik-Meeting in Düsseldorf

Die Stabhochspringerin Sandi Ross wird von hinten vor ihrem Sprung gezeigt.

Die Stabhochspringerin Sandi Ross wird von hinten vor ihrem Sprung gezeigt.

Foto: OH

Düsseldorf.   Die Werbung für die IAAF World Indoor Tour in Düsseldorf hat eine Sexismus-Debatte ausgelöst. Grund sind die Werbeplakate des Ausrichters D-Live.

Eigentlich war das Ziel des Eventmanagements D-Live nur Werbung für das anstehende Leichtathletik-Meeting im Februar. Mit Plakaten im Stadtgebiet und Fotos über soziale Netzwerke im Internet sollten die Ticket-Verkäufe für das Finale der „IAAF World Indoor Tour“ angekurbelt werden. Stattdessen gibt es für die Aktion viel Kritik aus der Stadtpolitik. Auf 16 Größflächenplakaten ist die Stabhochspringerin Sandi Morris vor ihrem Sprung zu sehen. Während auf dem zweiten Werbefoto von Kugelstoßer Tomáš Stanek das Gesicht zu sehen ist, wird Morris nur von hinten gezeigt, ihr Gesäß exponiert. Daneben der Slogan „Finale Oho!“.

Ratsherr Wiedon: „Es geht in die falsche Richtung.“

Ratsherr und CDU-Sportexperte Stefan Wiedon zeigt sich von dieser Werbung schwer irritiert. „Es geht einfach in die falsche Richtung. Das ist aus meiner Sicht zu zweideutig“, bewertet Wiedon die Kampagne: „Mann muss sich die Frage stellen, ob man aufgrund der Leistungen oder schöner Frauen in die Leichtathletikhalle geht. Da gucken doch ein paar Leute drüber, bevor man so ein Foto auswählt. Da sollte es die Möglichkeit geben, ein Foto aus einer anderen Perspektive zu nehmen.“

Auch die Düsseldorfer Gleichstellungsbeauftragte Elisabet Wilfart sieht das gewählte Foto kritisch: „Ich finde, dass das Bild in der Kombination mit dem Spruch sexistisch ist. Es entsteht dadurch Anzüglichkeit.“

Eine andere Meinung hat Andrea Remus, Mitglied im Vorstand des Allgemeinen Rather Turnvereins (ART), der das Leichtathletik-Meeting im Februar unterstützt: „Die Kritik an dem Plakat kann ich gar nicht verstehen. Man muss das Bild und den Spruch im Gesamtkontext sehen. Wenn man einen Aspekt rausreißt, findet man immer etwas, um es zu bemängeln.“ Laut Remus gäbe es andere Aspekte, die sie im Bezug auf Sexismus als viel störender empfindet: „Da wird zum Beispiel bei der TV-Übertragung beim Stabhochsprung während der Landung der Bildausschnitt so verkleinert, dass entsprechende Körperstellen groß zu sehen sind.“

Plakat soll bis Donnerstag verschwunden sein

Die Düsseldorfer Grünen-Chefin Paula Elsholz spricht sich dafür aus, solche Werbemaßnahmen im Sport grundsätzlich nach festen Kriterien zu bewerten: „Das Bild ist sehr sehr grenzwertig bis grenzüberschreitend. Ob die Dame hier als Dekoration dient, kann man diskutieren. Als Stereotyp oder Blickfang ohne Bezug zum Thema empfinde ich das Plakat aber nicht.“

Martin Ammermann, verantwortlicher Prokurist bei D-Live, zeigt Verständnis für die Beschwerden aus der Politik: „Als uns die Kritik mitgeteilt wurde, haben wir sofort entschieden, das Plakat zu entfernen.“ Ammermann könne die Kritik „nachvollziehen“, es sei aber „keinerlei negative Wertung intendiert gewesen“. Mit anderen Worten: Es war wohl keine Absicht. Einige Tage bleiben die Plakate noch. So lange, bis andere Motive gefunden sind und das alte Bild überklebt werden kann. „Am Donnerstag sind diese Plakate nicht mehr vorhanden“, verspricht Ammermann.

Stabhochspringerin nimmt Stellung zum Foto

„Attraktivität spielt vom Sport bis zum Verkauf von Werbung immer noch eine sehr große Rolle“, bemerkt die Gleichstellungsbeauftragte Wilfart. Im Gespräch mit Prokurist Ammermann sei aber schnell Einsicht vermittelt worden: „Da musste keine Überzeugungsarbeit geleistet werden“, sagt Wilfahrt.

Die Sportlerin selbst stört die Werbekampagne übrigens nicht: „Damit gibt es kein Problem, das ist eine ganz normale Situation. Ja es zeigt meine Hinterseite, aber Sexismus liegt hier nicht vor“, teilte Sandi Morris auf Anfrage mit.

Das ging nach hinten los! – Ein Kommentar von Stephan Wappner

Die Frage ist doch die: Was will uns besagtes XXL-Bild mit Stabhochspringerin Morris eigentlich sagen? Vielleicht: Komm’ in die Sporthalle an der Arena, und Du kannst Frauen mit schönen Hintern beim Sportmachen zugucken. Auch wenn die Frau auf dem Foto laut eigener Aussage mit der Bildwahl kein Problem hat – Ich kann mir nicht vorstellen, dass andere Sportlerinnen, die im Februar nach Düsseldorf zum Leichtathletik-Meeting kommen, auf ihre Körperteile reduziert werden möchten.

Ist das Plakat sexistisch? Kann man so sehen. Auf jeden Fall ist es nicht gelungen bis geschmacklos und wird den Leistungen der Athleten nicht gerecht. Weg damit!

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