Atomstrom

Anbieter wechseln! 

Foto: sergej lepke

Düsseldorf. Umweltschützer appellieren an die Verbraucher, nur Versorger zu wählen, die auf Strom aus Kernkraftwerken verzichten. Run auf Ökostrom-Anbieter.

Nach der Atomkatastrophe in Japan fordern Umweltschützer auch für Düsseldorf Konsequenzen. Die Verbraucher sollten überprüfen, ob ihr Versorger auch Strom aus Kernkraftwerken bezieht - und gegebenenfalls den Anbieter wechseln, appelliert Dirk Jansen, Sprecher beim Düsseldorfer Bund für Umwelt- und Naturschutz (Bund).

Das Kraftwerk in der Lausward wird zwar mit Gas betrieben. Aber einen Teil des Stromes kaufen die Stadtwerke auf der Leipziger Energiebörse ein, darunter auch Atomstrom.

Jede siebte Kilowattstunde
aus Atomkraftwerken

Rund 15 Prozent der Stromlieferungen an die Düsseldorfer Stadtwerke stammen aus Atomkraftwerken. Die umweltfreundliche Eigenproduktion in der Lausward (Gas), in Flingern (Fernwärme) und in Garath (Biomasse) machen nur 40 Prozent der Stromversorgung aus, die anderen 60 Prozent werden eingekauft. Hier verlangen die Umweltschützer, dass der Eigenanteil deutlich erhöht wird. „Je höher die Eigenproduktion bei uns ist, um so weniger ist man auf den Zukauf von dreckigem Strom aus Kernkraft- und Kohlekraftwerken angewiesen“, so Jansen.

Das Vorhaben der Stadtwerke, im Hafen ein modernes Erdgas-Kraftwerk mit Wärmerückkopplung und damit höherer Effizienz zu bauen, wird von den Naturschützern ausdrücklich begrüßt. Möglicherweise könnten diese Pläne durch die jüngste Diskussion und die plötzlich heftigen Turbulenzen auf der Strombörse beschleunigt werden.

Der seit einigen Monaten amtierende neue Stadtwerke-Vorstand sei auf einem richtigen Weg, bilanziert die Umweltschutzorganisation. Man plane auch dezentrale Blockheizkraftwerke und will mit der neuen Tochter „Grünwerke“ den Anteil der erneuerbaren Energien vor allem durch die Beteiligung an Windkraft-Anlagen drastisch steigern. Dafür werden 300 Millionen Euro investiert.

Insofern sind die Weichen gestellt, um die Energieversorgung in Düsseldorf mittelfristig allein durch das Gas-Kraftwerk, durch alternative Energien und dezentrale Heizkraftwerke zu sichern. Trotzdem, so gibt Dirk Jansen zu bedenken, wäre es besser, wenn die Stadtwerke wieder mehrheitlich „in den Händen der Kommune liegen würde, damit die Bürger Einfluss auf die Energiepolitik nehmen können.“

„Da beißt die Maus
keinen Faden ab“

Derzeit hat der Konzern EnBW die Mehrheit an den Stadtwerken. „Und EnBW betreibt Kohle- und Atomkraftwerke. Da beißt die Maus keinen Faden ab“, so Jansen.

Auf dieses Problem macht auch SPD-Fraktionschef Markus Raub aufmerksam. „Wir haben keinen Einfluss auf die Stadtwerke.“ Zwar müsse sich die Stadt darauf einstellen, dass in Zukunft kein deutscher Atomstrom mehr bezogen wird. „Aber es kann nicht sein, dass wir die AKW abschalten und dann billigen Atomstrom aus Frankreich kaufen.“

Wer dies als Verbraucher ausschließen will, muss einen Ökostrom-Versorger wählen. Entsprechende Anbieter gibt es, wie das Düsseldorfer Unternehmen „Naturstrom“ in Bilk. Noch Anfang des Monats zählt die „Naturstrom AG“ an der Achenbachstraße täglich 130 neue Online-Kunden. Seit der Atomkatastrophe hat ein regelrechter Run angesetzt. „Gestern hatten wir 1200 Neukunden. Das ist die höchste Zahl in unserer Unternehmensgeschichte“, so Sprecher Tim Loppe. „Wir führen dies auf die schrecklichen Ereignisse in Japan zurück.“

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